Tipps für einen Tag in Innsbruck

Aktualisiert am 20.02.2018MichaelMichael

Die „Karrinne“ und der „Kofel“ sind euch unbekannt? So ging es mir auch, als ich vor einigen Jahren nach Innsbruck übersiedelt bin. Ich habe einen Tag lang Innsbruck und seine Skigebiete für euch erkundet – und dabei so manchen Geheimtipp entdeckt, der auch dem einen oder anderen Einheimischen neu sein könnte.

Dass ich mit Skiern am Rucksack durch die Stadt radle, wundert hier keinen. In Innsbruck tun das bei Schönwetter im Winter viele – selbst wochentags. Studenten schwänzen Vorlesungen, Büroangestellte nehmen Zeitausgleich, Lehrer verlegen die Turnstunde auf die Skipisten und Rentner sind hier sowieso die mit den meisten Skitagen pro Saison. Ich bin mittlerweile auch einer dieser skiverrückten Einwohner Innsbrucks. Mein Fahrrad parke ich nur einen Schneeballwurf von der Innsbrucker Altstadt entfernt bei der Hungerburgbahn. Ein Skilehrer in rotem Skianzug steht neben der Rolltreppe, die zur Bahn führt. Er grüßt mich. Wir sprechen kurz darüber, wie praktisch es für ihn ist, als Skilehrer über der Stadt zu arbeiten – im Skigebiet auf der Nordkette, das eineinhalb Kilometer weiter oben bereits von der Morgensonne gestreift wird.

8 Uhr // Start bei der Talstation der Hungerburgbahn

Die von der mittlerweile verstorbenen Zaha Hadid entworfene Hungerburgbahn begleitet mich, seit ich 2012 nach Innsbruck gezogen bin. Für mich ist die Hungerburgbahn der Stairway to Heaven“ – frei nach dem gleichnamigen Song von Led Zeppelin. Bei guter Schneelage marschiere ich bei Neuschnee gleich nach der Ankunft auf der Hungerburg mit meinen Tourenskiern los in Richtung Seegrube. Heute verzichte ich darauf und steige direkt in die Nordketten-Gondelbahn ein, die mich hinauf zur Seegrube bringt. Während Innsbruck mit jedem Höhenmeter Auffahrt schrumpft, überlege ich, wie heute wohl die Schneeverhältnisse in der Karrinne sind.

9 Uhr // Mit der ersten Gondel zum Hafelekar

Die Seegrube ist erreicht, mein erstes Zwischenziel für heute liegt allerdings einige hundert Meter höher oben. Ich steige gleich in die nächste Gondelbahn, die von der Seegrube bis hinauf zum 2.300 Meter hohen Hafelekar schwebt. Der Schnee klebt an den Felsen. In den Steilrinnen dazwischen haben Variantenfahrer ihre Spuren hingezeichnet. Ein Alptraum für Pistenskifahrer, ein Traum für Freerider. Ich schalte mein LVS-Gerät zur Sicherheit ein, obwohl ich weiß, dass die Lawinen hier regelmäßig von den Liftbetreibern abgesprengt werden und heute eine niedrige Lawinenwarnstufe gilt. Am Hafelekar peitscht mir eisiger Wind ins Gesicht. Trotz warmer Handschuhe frieren meine Finger, während ich zum Einstieg der Karrinne stapfe. Sie gilt mit siebzig Prozent Gefälle als eine der steilsten Skirouten weltweit. Wegen dieser Rinne ist so manches Büro und so mancher Uni-Hörsaal an schönen Neuschneetagen verwaist.

Heute nicht. Der Grund dafür ist wohl die Schneequalität. Ein Hauch Pulverschnee auf einer knallharten Unterlage – die Bedingungen für eine Abfahrt in der Karrinne könnten zwar besser sein, aber für ein gutes Foto sollte es reichen. Der Fotograf, der mich begleitet, müht sich mit seinem Snowboard über die gefrorenen Buckel ab. Ich gebe mein Bestes für flüssige Schwünge. Das Highlight ist hier aber ohnehin die Aussicht. Immer wieder bleibe ich stehen, genieße den Ausblick auf die Stadt. Gegenüber erhebt sich der Patscherkofel, der eigentliche „Hausberg“ Innsbrucks. Dort will ich heute auch noch hin und die Ende 2017 neu eröffnete Gondelbahn testen – sofern es die Zeit zulässt.

10 Uhr // Snowpark, Iglubar und Skikurse auf der Seegrube

Die Karrinne spuckt mich bei der Seegrube aus. Kindergruppen rutschen hinter Skilehrern die Anfängerpiste hinunter. Gleich daneben bäumen sich Buckel und Schanzen aus Schnee auf – der legendäre Nordkette-Skylinepark. Ein Freeskier springt, dreht sich kopfüber durch die Luft und landet wie eine Katze wieder auf den Beinen. Am Rückweg zum Sessellift fährt er an einem hausgroßen Iglu vorbei, der „Cloud 9 Iglu Bar„. Wind weht leise Loungemusik in meine Ohren. Ich bestelle eine Limo an der Schneebar. „Jeden Freitagabend legt im Iglu ein DJ auf“, sagt der Barkeeper und signalisiert mit einem nachgeschobenen „nur jeden Freitag“, dass es seiner Meinung nach gerne noch öfter sein könnte.

11 Uhr // Talabfahrt und Kaffeepause bei „Hitt & Söhne“

Von der Seegrube fahre ich direkt mit den Skiern bis zur Hungerburg ab. Hier gibt es so viele Abfahrtsmöglichkeiten, dass ich sie lieber nicht aufzähle. Außerdem würden mir die eingefleischten Locals nie verzeihen, wenn ich „ihre“ Abfahrten verrate. Die Nordkette ist eines der wenigen Skigebiete, die auf Beschneiungsanlagen verzichten, deshalb kann man die offizielle Skiabfahrt nur bei ausreichender Schneelage bis hinunter zur Hungerburg befahren. Heute ist so ein Tag.

An der Hungerburg angelangt, trinke ich einen Cappuccino bei Leo Baumgartner im Café „Hitt & Söhne“. Er leitet diese coole Mischung aus Café, Bar und Shop für Skifreaks, Einheimische und Touristen. Bei der Namensfindung für sein Café hat sich Leo von einer markanten Felsnase auf der Nordkette inspirieren lassen, die den Namen „Frau Hitt“ trägt.

12 Uhr // Bequem per Bus zur Patscherkofelbahn

Mein Skitag geht weiter, ich schlendere zur Bushaltestelle gleich um die Ecke. Alle zehn Minuten fährt hier die Buslinie J ab. Sie verbindet die Hungerburg mit der Talstation der Patscherkofelbahn. Wintersportler fahren mit dieser Buslinie gratis. Ein letzter Blick hinauf zur Nordkette. Während der Fahrt durch die Stadt kann ich mich für ein paar Minuten zurücklehnen. Im Bus komme ich mit drei amerikanischen Touristinnen ins Gepräch. Sie fahren auch zum Patscherkofel – allerdings nur der schönen Aussicht wegen, nicht zum Skifahren.

Kurz nach Mittag kommt der Bus bei der Talstation der neuen Patscherkofelbahn an. Skikurse wuseln über den Anfängerhang, Kinder und Touristen fahren mit dem Schlepplift hoch. Das neue Restaurant mit dem treffenden Namen „Das Hausberg“ ist gut besucht, gleich nebenan gibt’s einen großen Sportshop mit Skiservice und allem, was dazugehört. Ich steige direkt in eine der neuen Zehnergondeln ein, die mich nach nur einer Viertelstunde hinauf auf knapp 2.000 Meter Höhe  kutschiert. Ein Riesenfortschritt im Vergleich zur alten Pendelbahn, bei der eine Stunde Wartezeit an starken Besuchertagen normal war. Oben bei der Bergstation schnallt ein Pärchen Tourenski an und geht weiter in Richtung Gipfel, der von hier aus noch rund 300 Höhenmeter weiter oben liegt. Mehrere ausgeschilderte Routen für Tourengeher führen von der Talstation bis ganz nach oben, je nach Geschmack kann man den Weg mit der Gondel abkürzen.

14 Uhr // Die Patscher Alm, ein Geheimtipp

Für viele ist das Patscherkofel-Schutzhaus neben der Bergstation ein beliebtes Ziel zum Einkehren. Ich wähle diesmal eine weniger bekannte Einkehr, die Patscher Alm. Immer schön links halten und kurz vor der Mittelstation nochmal links von der Piste abbiegen – schon seid ihr in der wohl gemütlichsten Einkehr des Skigebiets. Die Almwirtin Heidi Kaltschmid bietet eine kleine, aber sehr gute Auswahl an Speisen. Der Almtoast, aber auch die Kasknödel schmecken ausgezeichnet, am meisten begeistert mich aber der selbst gemachte Marillenkuchen. Heidi und ihr Mann bringen jeden Herbst alles Nötige mit dem Auto hinauf, während des Winters transportieren sie die frischen Nahrungsmittel im Rucksack und auf Skiern bis zur Alm. Anders gehe es hier im Winter nicht, erzählt mir Heidi. Donnerstags hat die Patscher Alm übrigens bis halb zehn Uhr abends geöffnet, vor allem Skitourengeher kommen da gern zu Besuch.

15:30 Uhr // Talabfahrt auf olympischen Spuren

Ich mache mich auf den Weg zurück ins Tal. Gute Skifahrer schätzen am Patscherkofel vor allem die drei Kilometer lange Abfahrtsstrecke, auf der der Österreicher Franz Klammer 1976 Olympiagold geholt hat. Ich lasse es etwas langsamer abgehen und schwinge nach gut zehn Minuten bei der Talstation ab. Der Skitag ist zu Ende, aber der Abend hat erst begonnen.Das ist auch der große Vorteil am Skifahren in Innsbruck – mit dem Bus geht’s rasch zurück ins Stadtzentrum.

17 Uhr und später // nette Lokale für den Abend in Innsbruck

Schnell die Ski zuhause verstaut und ab ins „Moustache“ auf ein Bier und eine Falafelplatte. Oder ins „Kater Noster“ auf einen „Innsbruck Mule“. Falls ihr den vielleicht besten Burrito der Stadt essen wollt, schaut doch mal im „Machete“ vorbei. Diese drei Lieblingslokale von mir liegen alle innerhalb von fünf bis zehn Minuten Gehweite. Wenn ihr dort Leute im Skioutfit herumsitzen seht und über die „zache Karrinne“ oder die „lässige Kofeltour“ fachsimpeln hört, könnt ihr nun mitreden. Denn ihr wisst: Das ist normal – hier in Innsbruck.

Fotos: Carlos Blanchard, Tirol Werbung

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Michael

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim Wandern, Mountainbiken, Freeriden und Skitouren gehen entdeckt er die schönsten Plätze.

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