In diesem Restaurant möchte ich immer wieder essen: Jägerwirt, Scheffau

Aktualisiert am 17.04.2018EckardEckard

Ich mag Gerichte, die natürlich schmecken, ich mag Einfachheit und ich mag Menschen mit Überzeugung. Hier schreibe ich über meine persönlichen Erfahrungen, wo ich das gefunden habe:

Der Jägerwirt liegt über dem kleinen Dorfzentrum von Scheffau. Eine kurze, kurvige Waldstrecke trennt das Dorf vom einsam gelegenen Wirtshaus. Die Distanz, sonnige Lage und Ruhe unterhalb des Gebirgsstocks vom Wilden Kaiser tun gut. Hier ist man dem Alltag entkommen. Ein typisches Tiroler Haus, das sich in die Landschaft einfügt. Eigentlich fast unspektakulär.

Eine majestetische Lage unterhalb der imposantesten Gipfel vom Wilden Kaiser.

Beim Eintritt ins Lokal verändert sich plötzlich alles. Zuerst mustert man noch die üppige Dekoration, den roten Teppich, die Hirschgeweihe. Aber sobald man von den umsichtigen Mitarbeitern des Jägerwirts begrüßt wird, stellt sich einfach nur ein wohliges Gefühl ein. Man wird mit genau dem richtigen Maß umsorgt, die große handgeschriebene Tafel mit den Tagesempfehlungen wird herangeschleppt und man hofft, dass alles so gut weitergeht, wie es begonnen hat.

Die Speisekarte mit den lokalen Spezialitäten – die „Kreide-Updates“ gibt es täglich.

Und das tut es. Egal ob man die frischen Saiblingsfilets, zarte, rosagebratene Hirschfilets oder eine andere Köstlichkeit auswählt, die das Tiroler Unterland in dieser Woche spendiert hat: Alles ist frisch und natürlich zubereitet, fern der gewohnten „Einfachmacher“ wie sie in vielen Küchen Anwendung finden. Künstliche Aromen und Geschmacksverstärker kommen Andreas Salvenmoser und Martin Schipflinger nicht in die Küche.

Für Fischliebhaber gibt es ein kross gebratenes Saiblingsfilet …

und für Wildfleischfans ein Hirschfilet mit Goldschimmer.

Die beiden jungen Wirtsleute sind experimentierfreudig und neugierig. Die Kombination aus heimischen Lebensmitteln und internationaler Gesinnung funktioniert sehr gut. Wenn beispielsweise eine Süß-Sauer-Sauce für zwei Tage am Herd brodelt, um sie mit Fleisch vom Kitzbüheler Metzger zu verbinden, steigt die Spannung wie es dann schmeckt, meint Küchenchef Andreas Salvenmoser.

Andreas Salvenmoser ist für die Küche verantwortlich.

Ein anständiges Gulasch oder Käsespätzle gibt es natürlich auch. Und wenn die Rindssuppe ohne Zusatzstoffe auskommen darf, so schätzen dies viele Gäste. Besonders gelte das für die ältere Generation, die sich an den Geschmack von früher erinnern, beschreibt Martin die Reaktionen.

Hier ausnahmsweise selbst am Tisch: Martin Schipflinger kümmert sich ansonsten um das Service im Jägerwirt.

Wegen dieser Besonderheiten, der Abwechslung und der ehrlichen Gastfreundschaft ist das Restaurant über die Region hinaus bekannt geworden. So durften Andreas und Martin vor kurzem sogar Tina Turner begrüßen, die auf Empfehlung vorbeikam und sich durch die Karte probierte. Martin Salvenmoser schwenkt aber gleich ein und betont, dass sie kein Promilokal sein wollen.

Egal ob im Winter oder Sommer: die Terrasse ist genial.

Mit einem Tiroler „Du“ wird bei ihnen ohnedies jeder Gast begrüßt, auch Konzernchefs oder die Schauspieler von „Bergdoktor“ und „Soko Kitzbühel“. Alle Genussmenschen auf ein gleiches Verständigungsniveau zu heben, das ist schon eine recht große diplomatische Leistung. Hier scheint es zu gelingen und der Atmosphäre tut es gut.

Und so wie es sich gehört: ein gutes Schnapserl sollte man nicht auslassen.

Weil Martin und Andreas die Ideen nicht ausgehen, haben sie vor drei Jahren noch einen Genussladen im Dorfzentrum von Scheffau gegründet. Dort verkaufen sie neben selbstgemachtem Bauernbrot und Chili-Hirschwürsten auch die Produkte ihrer Lieblings-Lieferanten: Camembert aus Hopfgarten, Tee aus Hamburg oder Schokolade nach Jägerwirt-Rezeptur aus Osttirol. Und dann haben die beiden kürzlich noch eine Bar in einem 400 Jahre alten Bauernhaus in Scheffau eröffnet. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das Genussladl im Zentrum von Scheffau: für kleine Gerichte gibt es auch wie früher eine Sitzbank vor dem Bauernhaus.

Allerlei Köstlichkeiten werden dargeboten und in alle Richtungen arrangiert. Und das macht den Laden eher zum Treffpunkt als zu einem Geschäft.

Die Jägerwirt Schokolade schmeckt ausgezeichnet – eine Eigenkreation, die in Osttirol gefertigt wird.

Camembert von der kleinen Käserei „Milchbuben“ aus Hopfgarten. Nicht nur der Inhalt ist top, auch die Verpackung.

Der Jägerwirt in Scheffau ist ganzjährig geöffnet, die Öffnungszeiten findet ihr auf der Website und weitere Tipps aus der Region gibt es auf meinem Blog.

Eckard

Eckard Speckbacher ist viel unterwegs: in großen Städten, fernen Ländern und natürlich in Tirol. Er ist auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen: Geheimplätze, Restauranttipps und Hotels mit Charme werden von ihm entdeckt.

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3 Kommentare

Huberta Link

Danke für den Bericht vom Jägerwirt in Scheffau.
Sehr interessant verfasst und da freue ich mich bereits jetzt auf einen Besuch in Scheffau :)

Mit herzlichem Gruß

Huberta Link

Gabriele Haenel

Sieht und hört sich sehr gut an

christine glas

gefällt mir sehr gut, haben ja vor eine Urlaub in scheffau zu verbringen.

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