Fünf Kletterrouten für Kraftpakete

Aktualisiert am 18.05.2018MichaelMichael

Wenn es um die 7b oder die 8c geht, denken viele Menschen an ihre alte Schulklasse. Kletterer nicht. Die Zahlen-Buchstaben-Kombinationen bezeichnen die Schwierigkeiten von Kletterrouten. Beispielhaft für das vielfältige Kletterangebot in Tirol kürte eine Fachjury nun fünf Sportkletterrouten quer durchs Land zu „Great Lines“.

1. Die Mutter aller Routen

„Number One“, Schleierwasserfall, 7b

Als Alexander Huber vor gut 20 Jahren als vermutlich erster Kletterer eine Route im Schwierigkeitsgrad 11+ kletterte, war das eine Sensation in der Kletterwelt. Schauplatz war der Schleierwasserfall am Wilden Kaiser. An den südseitig ausgerichteten Kalkwänden neben dem Wasserfall verlaufen mehr als 200 Routen, darunter auch die mit 7b bewertete „Number One“. Schon am Beginn dieser Route erfordern zwei markante Passagen mit weiten Zügen Maximalkraft und gute Fußtechnik. Am oberen Ende wartet auf die müden Unterarme eine schwierige Schlusspassage an kleinen Leisten.

(c) Michael Meisl

2. Ein echtes Wunder

„Le Miracle“, Klettergarten Niederthai, 7b

Ein gigantischer Block aus Granit inmitten eines lichten Lärchenwaldes. So stellen sich viele Kletterer den idealen Spot vor. In Niederthai im Ötztal steht genau so ein Felsblock. Ein markanter Riss zieht sich auf wundersame Weise von unten bis ganz nach oben durch den Block. Das mag auch der Grund sein, warum Erstbegeher Matthias Burtscher dieser Route den Namen „Le Miracle“ gegeben hat.

„Solide Fingerkraft, Ausdauer, Erfahrung – und ein wenig Mut kann auch nicht schaden!“

3. Im Reich der Dolomiten

„Another Play in Paradise“, Klettergarten Dolomitenhütte, 7c

Direkt unterhalb der Dolomitenhütte in den Lienzer Dolomiten durchziehen 129 Kletterrouten die südseitig abfallenden Felswände. Vom Ausblick auf die imposanten Dolomitengipfel sollten sich Kletterer nicht allzu sehr ablenken lassen, wenn sie die Route „Another Play in Paradise“ schaffen wollen – zumindest nicht bis zum ersten Rastpunkt. Im oberen Teil mit seinem typischen Hochgebirgskalk folgen technisch anspruchsvolle Passagen, die vorbildlich mit Bohrhaken abgesichert sind.

„Nicht ablenken lassen vom malerischen Blick!“

4. Aussichtsreiche Kletterpartie

„Puls 2000“, Chinesische Mauer, 7c+

Keineswegs in China liegt diese Mauer, sondern in der Leutasch bei Seefeld in Tirol. Auf 176 Routen in elf Sektoren finden Kletterer hier optimale Bedingungen. Wer sich im 6. französischen Schwierigkeitsgrad und darüber hinaus wohlfühlt, kann sich hier an griffigem Kalkgestein verausgaben. „Puls 2000“ im Sektor „Dodlwand“ ist eine besonders kraftraubende Route. Die steile Kletterei an Löchern, Untergriffen und Leisten verlangt Muskelstärke und Ausdauer. Wer es bis ganz nach oben schafft, darf sich über den hervorragenden Weitblick von der Chinesischen Mauer freuen – ganz ohne Fernostreise.

5. Das Naturphänomen

„Weißer Riese“, Klettergarten Nösslach, 6b

Eine dunkelgraue Felswand aus Granit, irgendwo im Ötztal, durchzogen von einem weißen Streifen – dieses Naturphänomen markiert die vielleicht schönste der 55 Routen im Klettergarten Nösslach. Und gab ihr ihren Namen. Henkel, Risse, Aufleger und Leisten fordern bei diesem Ötztaler Kletterklassiker solide Fingerkraft und technisches Können. Trotz des nicht allzu hohen Schwierigkeitsgrades bleibt der „Weiße Riese“ eine Herausforderung, bei der man bis zum Ende voll konzentriert bleiben muss.

Michael

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim Wandern, Mountainbiken, Freeriden und Skitouren gehen entdeckt er die schönsten Plätze.

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