Herr der Bienen: Alban Klose, Imker und Fluglehrer

01.05.2018MichaelMichael

Zwei Leidenschaften prägen das Leben von Alban Klose: Einerseits die Imkerei, andererseits die Fliegerei. Wie das zusammenpasst, hat er mir bei einem Besuch in Neustift erzählt.

Die Sonne strahlt, als Alban Klose aus seinem Kleinbus aussteigt. Ein Mittdreißiger mit verspiegelter Sonnenbrille und Schildkappe begrüßt mich lächelnd bei der Talstation der Elferbahn in Neustift. So stellt man sich einen coolen Paragleit-Fluglehrer vor, aber keinen Imker. Alban ist beides: Leiter einer Flugschule im Brotberuf und Imker aus Leidenschaft. „Für meinen zweiten Lebensabschnitt soll das dann die Hauptaufgabe werden“, erzählt er mir. Albans erster Lebensabschnitt gehörte ganz dem Adrenalinsport in der Luft. Zum Paragleiten kam er schon mit Siebzehn, war später sogar in der österreichischen Fallschirmspringer-Nationalmannschaft. Acht Jahre lang stürzte er sich dann beim Basejumping von Felsvorsprüngen in die Tiefe – zum Glück unfallfrei, „aber mit dem Älterwerden wird dann das Restrisiko, das man einzugehen bereit ist, immer kleiner“, sagt er. In dieser Zeit schmiedete Alban erste Pläne für seine eigene Flugschule, die er bis heute erfolgreich betreibt.

Alban fährt mit uns zum Landeplatz seiner Flugschule für Paragleiter, bestehend aus einer Wiese und einer einsamen Holzscheune. Vor der Scheune brummen mehrere Bienenstöcke vor sich hin. Eine praktische Sache für Alban, denn als ausgebildeter Meister der Bienenwirtschaft kann er direkt nach der Landung nachschauen, wie es seinen Bienen geht. Wenn er von der Imkerei erzählt, verwendet er besonders gern die Wörter „Nachhaltigkeit“ und „Qualität“. Er betreibe hier moderne Imkerei. „Das beginnt schon bei den Bienenwohnungen, die sind zu hundert Prozent aus heimischen Hölzern.“ Und es geht weiter bis zum Verzicht auf Tricks, die die Produktivität der Bienen steigern. Die Imker hätten früher gerne mal viel an den Bienen gemacht, erklärt mir Alban: „ Die haben zum Beispiel schon im Jänner, wo die Bienen eigentlich ruhen sollten, einen so genannten Auferstehungstrunk gemischt und irgendwelche Kräutertees mit Zucker gemacht.“ Diesen „Energydrink“ hätten sie den Bienen hineingeschüttet, um ihnen vorzugaukeln, dass es jetzt schon losgehe. „Das passt natürlich nicht ins Konzept. Man soll Bienen nie zu irgendwas drängen.“

Auch seine Paragleit-Flugschüler drängt Alban lieber nicht: „Irgendwo mit dem Lift rauf, wo dann oben 400 Leute zuschauen, wie sie starten und wo die Flugschüler dann Stress bekommen.“ Genau so eine Situation will er vermeiden. Am heutigen Tag fährt er mit seinen beiden Flugschülern lieber mit dem Auto hinauf zu einem ruhigen, südseitigen Startplatz oberhalb des Stubaitals, den er für seine Flugschule gepachtet hat. „Ein wichtiger Punkt ist eben ein privates Gelände, wo du sozusagen eine Aquariumsituation herstellen kannst.“ Oft startet er schon um sieben Uhr morgens, noch bevor die Bergbahnen auf der gegenüberliegenden Talseite geöffnet haben. „Dann starten wir und sind während des kompletten Flugablaufs allein.“

Albans Flugschüler breiten ihre Schirme aus, er erklärt ihnen die letzten Handgriffe. Die beiden sind schon fortgeschritten und können bereits selbstständig Höhenflüge unternehmen – Flüge mit mehr als 300 Metern Höhendifferenz also. „Beim ersten Höhenflug“, sagt Alban, „sind sie alle vom Adrenalin komplett flachgelegt. Da sind sie nicht ernst zu nehmen. Aber später, wenn sie selber anfangen, das zu realisieren und ein Ausbildungsfortschritt da ist, freut es mich auch. So lange das so ist, werde ich das auch noch weitermachen.“

Besonders freue ihn der Trend zu „Hike & Fly“, einer jungen Spielart des Paragleitens, die dennoch viel mit den Wurzeln des Sports zu tun hat. Denn die ersten Paragleiter waren Alpinisten, die Sprungfallschirme mit am Berg hatten und damit hinunter geflogen sind. „Das war eigentlich die Geburtsstunde der Gleitschirmfliegerei“, erzählt mir Alban, während sein erster Flugschüler abhebt. Das sei mit der Zeit etwas verloren gegangen, durch die Streckenfleigerei, durch die Akrobatikfliegerei und es sei sehr „technisch“ geworden. „Durchs Hike and Fly ist dieses Gemeinsame zurückgekommen. Da gehen dann drei Bergkameraden mit ihren Drei-Kilo-Rucksäcken, wo der Gleitschirm und alles drin ist, gemütlich auf den Berg, biwakieren sogar und in der Früh bei Sonnenaufgang starten sie. So kann der Tag anfangen!“

Alban verabschiedet sich, läuft einige Schritte, hebt ab und schrumpft zum Punkt am Horizont. Seine Bienen warten im Tal schon auf ihn.

Fotos: Bert Heinzlmeier / Tirol Werbung

Michael

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim Wandern, Mountainbiken, Freeriden und Skitouren gehen entdeckt er die schönsten Plätze.

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