Die Messner von der Hohen Salve

Aktualisiert am 05.11.2019KlausKlaus

Wo schon die Kelten ihre Sonnenfeste feierten, steht heute die höchstgelegene Wallfahrtskirche Österreichs. Hans und Thea Neuschwendter halten sie in Schuss und genießen sowohl die fröhlichen als auch die stillen Momente auf dem Berg.

Drinnen oder draußen? Schatten oder Sonne? Bank oder Stühle? Thea und Hans diskutieren eine ganze Weile, wo das Interview stattfinden soll. „Wie ein altes Ehepaar“ sagt der Volksmund. Im Fall der Neuschwendters ist das ganz und gar positiv gemeint, die beiden haben fast ihr ganzes Leben miteinander verbracht. Schließlich einigen sie sich auf die Bank vor dem Salvenkirchlein und halten Händchen wie zwei verliebte Teenager.

„Am Berg ist es einfach anders. Die Leute sind anders. Offener, freundlicher, dankbarer. Das ist ein Grund, warum wir das tun“ sagt Hans. Seit seiner Pensionierung kümmert er sich mit seiner Frau um das Salvenkirchlein auf 1.829 Metern. „Wir putzen die Kirche, verkaufen Kerzen und schauen, dass die Blumen in Ordnung sind“, erläutert Thea.

Stets im Doppelpack: Hans und Thea Neuschwendter vor dem Salvenkirchlein.

Eine uralte Kultstätte

Wegen der markanten Kegelform und dem weiten Blick gilt die Hohe Salve als einer der schönsten Aussichtsberge Tirols. Der Name „Salve“ geht auf den lateinischen Gruß zurück. Man geht davon aus, dass bereits die Urbevölkerung Tirols den Berg als Kultstätte benutzte.

Vor mehr als 400 Jahren entstand schließlich das Salvenkirchlein. Da es Johannes dem Täufer geweiht ist, kamen schon bald zahlreiche Pilger, die sich Heilung bei Kopfleiden erhofften. Für die weniger bibelfesten: Der Heilige wurde enthauptet und um seinen Kopf ranken sich zahlreiche Legenden. Mit Köpfen aus Holz oder Ton umrundeten die Pilger die Kirche und ließen selbige dann auf dem Berg zurück.

„Die Leute sind hier schon immer heraufgepilgert – Bischöfe, Fürsten, Könige, alle haben hier Gaben hinterlassen“, erzählt Hans Neuschwendter. Die Edelleute ließen sich mit Pferden oder auf Sänften auf die Hohe Salve befördern, heute ist der Gipfel bequem mit dem Lift zu erreichen. Der Brauch mit den Holzköpfen musste schließlich unterbunden werden, da sich hunderte davon rund um die Kirche angesammelt hatten.

Das Salvenkirchlein ist die höchstgelegene Wallfahrtskirche Österreichs.

„Wenn jemand ganz still reinkommt und man merkt, der bringt Sorgen mit.“

„Das Pilgern wird immer mehr. Weil die Leute die Sehnsucht haben, ruhig zu werden. Man wird im Kopf leer, aber im Herzen voll“, sagt Thea Neuschwendter. Neben Pilgern und Tagestouristen kommen auch viele Hochzeitsgesellschaften auf die Hohe Salve. Hans und Thea sorgen im Hintergrund dafür, dass bei der Zeremonie alles reibungslos verläuft.

Selbstverständlich freue sie sich für die Jungvermählten, sagt Thea. Doch noch lieber als die lauten, fröhlichen Feste mag sie die ruhigen Momente. „Wenn jemand ganz still reinkommt und man merkt, der bringt Sorgen mit. Sie knien dort, zünden eine Kerze an und gehen dann wieder in aller Stille. Das beeindruckt mich“.

Früher mussten die Messner auf der Hohen Salve mit Leintüchern und Glockengeläut vor Unwettern warnen.

Blitzeinschlag und Salvenhund

Wegen der Fernsicht hatten die Messner auf der Hohen Salve seit eh und je eine wichtige Rolle. Kam ein Unwetter auf, mussten sie die Bauern im Brixental rechtzeitig warnen. Dazu legten sie gut sichtbare, weiße Leintücher auf dem Gipfel aus. Im Turm des Salvenkirchleins läutet heute noch der „Salvenhund“, eine Wetterglocke die Unwetter fern halten soll. Durch die exponierte Lage wurde das Kirchlein regelmäßig vom Blitz getroffen und mehrere Male völlig zerstört.

Bereits 1784 wurde deshalb ein Blitzableiter installiert, dieser wurde jedoch von religiösen Fanatikern wieder abmontiert. Sie waren der Meinung, dass Gebete und Wetterläuten das Gebäude besser schützen würden. Dies traf leider nicht zu – und so fing das Salvenkirchlein immer wieder Feuer. Inzwischen ist die Kirche durch einen Blitzableiter geschützt und sie wurde zuletzt in den 1990er Jahren renoviert.

Der „Salvenhund“ ist eine berühmte Wetterglocke im Brixental.

Lebensaufgabe Salven-Messner

Hans ist jetzt 79 Jahre alt und wird seinen „Hauptjob“ als Messner in der großen Pfarrkirche von Hopfgarten wohl bald an den Nagel hängen. Das Kirchlein auf dem Berg möchte er dagegen noch so lange pflegen wie es geht. Die eine oder andere Reparatur ist noch ausständig und dieser Stein vor der Eingangstür stört ihn, über den manche Hochzeitsgäste beim Verlassen der Kirche stolpern. Wenn das erledigt ist, dann übergeben Hans und Thea an einen Nachfolger. Es sind große Fußstapfen, die es zu füllen gilt.

Die Hohe Salve

  • 1950 wurde eine der ersten Seilbahnen Tirols auf die Hohe Salve gebaut.
  • Mit einer Länge von 2.850 Metern war er damals der längste Sessel-Lift Europas.
  • Heute ist die Hohe Salve einer der meist besuchten Gipfel in Tirol.
  • Auf dem Berg gibt es u.a. eine drehbare Panoramaterrasse, eine Sonnenuhr und eine Windharfe.
  • Kurios: Die Salvenkirche steht auf Grund der Gemeinde Westendorf, gehört zur Pfarre Brixen im Thale und wird von der Pfarre Hopfgarten betreut.

 

 

Klaus

Nach beruflichen Jahren in Übersee erkundet Klaus Brunner mit Kamera und Mikrofon seine alte Heimat Tirol. Home is where your heart is.

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1 Kommentar

Massimiliano CioniMassi

Una storia interessante,proprio questa estate siamo andati in questa valle ma non ci siamo dedicati alla visita delle cappelle in montagna,devo dire che è la prima volta che ne sento parlare,sarà una visita da programmare.

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