Mit Much Mayr im Klettersteig-Camp

Aktualisiert am 24.07.2018JannisJannis
Seilsicherungs-Übungen im Klettersteig.

Die SAAC-Camps genießen einen exzellenten Ruf. Dreht sich bei der Winterausgabe alles um die Lawinenkunde, lehren die Bergführer im Sommer die Grundlagen des Mountainbiken und Kletterns. Seit kurzem stehen auch Klettersteigcamps im SAAC-Camp-Portfolio. Am vergangenen Wochenende hatte ich beim Klettersteig-Camp in der Tiroler Zugspitzarena die Gelegenheit, dem guten Ruf der Camps einmal auf den Grund zu gehen.

Klettersteiggehen – eine Disziplin, die immer beliebter wird

Alpinklettern sei den Meisten zu schwierig und das schlichte Wandern vielen zu langweilig. „Ein Klettersteig verleiht einer Bergtour die gewisse Würze!“

Die weiteren Folien der Präsentation von Bergführer Artur, der uns heute den theoretischen Teil zum Klettersteiggehen vermittelt, verdeutlichen: Diese Disziplin wird immer beliebter. Allerdings nimmt auch die Zahl der alpinen Unfälle am Klettersteig und die Unwissenheit über mögliche Gefahren immer mehr zu. Unter Anderem über Letzteres wird am Theorieabend in der Ehrwalder Kletterhalle aufgeklärt.

Zu Beginn stehen die Entstehung, die verschiedenen Typen und Schwierigkeitsgrade von Klettersteigen auf der Agenda. Im Anschluss wird die Ausrüstung, die man am Klettersteig unbedingt mitführen sollte, behandelt. Allerdings gehören noch deutlich mehr Planungsschritte als die richtige Ausrüstung beachtet, wenn man sich einen Klettersteig als Unternehmung ausgesucht hat. Kompetent und alle Zwischenfragen beantwortend, klärt Artur uns auf. Neben den alpinen Gefahren, erklärt er uns abschließend, wie man sich im Notfall am Klettersteig verhalten sollte. Hättet ihr mir die Rufnummer der Bergwacht in Tirol nennen können?

Die Klettersteig-Ausrüstung für den Praxistag liegt bereit.

Artur entfacht derart viel Begeisterung für das Thema, das die Pause spontan weg fällt. Lieber begutachten alle das Material, das vom Veranstalter gestellt wird und am nächsten Tag in der Praxis von uns getestet werden sollte. Apropro Praxis, die theoretischen Ausführungen haben die Vorfreude auf den nächsten Tag nochmal gesteigert und die Teilnehmer können es kaum erwarten an den wirklichen Fels zu kommen. Entsprechend ihrer Vorerfahrung werden wir noch in Gruppen eingeteilt. Unsere vierköpfige Truppe sollte sich am nächsten Tag am Leite-Klettersteig in Nassereith probieren. Während Artur noch letzte organisatorische Anweisungen für den Praxisteil gibt, stecken wir unsere Köpfe über dem Topo der Klettersteig-Herausforderung von morgen zusammen.

Bevor ich es falsch mache – lasse ich es mir lieber richtig zeigen

Am Abend komme ich mit Teilnehmern aus meiner Gruppe ins Gespräch. Mich interessiert die Frage, wie Sie auf das Camp gekommen sind. „Mund-zu-Mund-Propaganda, ganz klar!“ sagt Philipp. Da ist er wieder, der gute Ruf der SAAC-Camps. Ich hake nach und möchte wissen, warum er denn überhaupt an einem Klettersteig-Camp teilnimmt. Philipps Freundin Franzi übernimmt und erzählt von einer mehrtägigen Wanderung, die sie im vorherigen Jahr gemeinsam unternommen haben. Dabei sind sie auf versicherte und ausgesetzte, sprich Klettersteigartige Passagen gestoßen. In diesen Momenten hat sie sich ein Klettersteig-Set und das entsprechende Know-How für die Nutzung des Sets herbeigesehnt. „Natürlich hätte ich mir nach dieser Erfahrung auch einfach ein Klettersteig-Set kaufen und es dann direkt am Klettersteig ausprobieren können. Aber bevor ich es falsch mache, lasse ich es mir lieber richtig zeigen.“ Philipp verleiht dem Argument Nachdruck: „Klar, ich kann auch mit einem Freund einfach mal einen Klettersteig gehen und es so lernen, aber wenn ich mir die Technik kostenlos von Experten beibringen lassen kann, mach ich doch lieber das!“

Vor dem Einstieg in den Leite-Klettersteig.

Ich rufe mir meine ersten Versuche am Klettersteig ins Gedächtnis. War ich doch einer derjenigen, die es sich mal eben von der Bekanntschaft zeigen ließen. Wenn ich an die ein oder andere falsche Angewohnheit denke, die sich dadurch bei mir beim Klettersteiggehen eingeschlichen hat, erscheinen die Argumente der Beiden für die Teilnahme am SAAC-Camp umso einleuchtender.

Das war jetzt aber keine C/D-Stelle oder?!

Am nächsten Morgen treffen wir uns am Parkplatz des Klettergartens in Nassereith. Ich komme als letzter und treffe auf die anderen drei Teilnehmer. Eine positiv aufgeregte, euphorische Stimmung herrscht in der Gruppe. Für alle ist der heutige Klettersteig der „nächste Schritt“. Respektvolle Blicke schauen die plattige Wand empor, durch die der Leite-Klettersteig führt. Darüberhinaus empfängt mich auch der freundliche Blick von „Much“ Mayr. Er zählt zur Crème de la Crème der deutschsprachigen Sport- und Alpinkletterszene und ist heute unser Bergführer und Klettersteig-Experte und wie gemacht für diese Rolle. Geduldig beantwortet er jede Frage und teilt auf sympathische Weise seine Expertise mit uns. Dem Mann glaubt man einfach sofort was er sagt!

Nachdem wir die Ausrüstung zugeteilt bekommen haben, machen wir uns auf zum Einstieg. Man merkt, wie die Teilnehmer an der Herausforderung und durch die vielen Tipps von Much innerhalb der wenigen Stunden wachsen. War die erste Klettersteig-Passage mit der Schwierigkeits-Bewertung C/D noch eine große Hürde, rufen spätere Abschnitte mit dieser Einstufung ungläubige Fragen empor: „Das war jetzt aber keine C/D-Stelle oder?!“

Der Leite-Klettersteig eignet sich super zum Trainieren und Festigen der Klettersteig-Technik.

Aus der Ferne sieht es sicher komisch aus bzw. wundern sich nachkommende Klettersteigbegeher bestimmt: Können die etwa nicht mehr? Sind da gerade Kinder an schwierigen Stellen überfordert? Hat sich jemand verletzt? Nein, wir sind alle wohl auf, noch voll bei Kräften und Kinder sind auch nicht dabei. Allerdings simulieren wir diese Situationen. Much zeigt uns, wie man in diesen Fällen Personen im Klettersteig mit einem zusätzlichen Seil nachsichert und abseilt. Für uns komplettes Neuland und deshalb umso hilfreicher, dass wir alle auch selbst mal die Hand ans Seil anlegen können.

Seilsicherungs-Übungen im Klettersteig.

An dem so genannten Marendplatzl (Jausenplatz) im Klettersteig lauschen wir fasziniert Muchs Anekdoten aus seinem Leben als Kletterer. Bald kommen wir auf das Thema alpine Gefahren zu sprechen. Was würden wir machen, wenn in diesem Moment ein Gewitter aufzieht und wir noch mitten im Klettersteig hängen? Zum Glück bleibt es heute bei dem Transfer von der Theorie in lediglich nachgestellte Praxis. Und so machen wir uns bei gutem Wetter auf in den letzten Abschnitt des Klettersteigs. Hier wartet noch ein echtes Highlight. Eine Seilbrücke muss überquert werden. Der ideale Ort um einmal auszuprobieren, ob die so genannte Rastschlinge auch wirklich hält. Nacheinander hängen wir uns in die Rastschlinge und baumeln über dem gähnenden Abgrund. Eine nützliche Vertrauensprobe für das Material, denn am Klettersteig kann es immer wieder vorkommen, dass man in ungünstiger Lage eine Pause braucht und die Rastschlinge unentbehrlich wird. Und darüberhinaus auch ein „mega geiles Gefühl“, wie Marianella verläuten lässt.

Der restliche Verlauf des Klettersteigs erlaubt es, das Gelernte zu reflektieren. Nach dem Abstieg versammeln wir uns noch einmal auf dem Parkplatz und resümieren gemeinsam: „Das war eine super lehrreiche und kurzweilige Erfahrung!“ Wir danken Much für seine professionelle und unterhaltsame Begleitung und verabschieden uns alle von einander: „Man sieht sich…! Bestimmt nochmal…irgendwo in einem Klettersteig!“

Informativ, kostenlos und kompetent begleitet – Ein Fazit

Warum solltet ihr an einem SAAC-Klettersteig-Camp teilnehmen?

  • Ihr bekommt das ABC des Klettersteiggehens in Theorie und Praxis beigebracht.
  • Ihr werdet von sehr kompetenten und sympatischen Bergführern begleitet.
  • Ihr trefft auf Gleichgesinnte und entwickelt eure Fähigkeiten in der Gemeinschaft weiter.
  • Ihr besucht eine super koordinierte Veranstaltung.
  • Ihr lernt eine schöne alpine Region und einen Klettersteig kennen.
  • Ihr könnt Spitzen-Material ausprobieren.

Was muss ich selbst organisieren?

  • Anfahrt zum Camp.
  • Unterkunft vor Ort.
  • Anfahrt zum Klettersteig am Praxistag.
  • Ausrüstung abgesehen von Helm & Klettersteigset.
  • Verpflegung (Energie-Riegel wurden verteilt).

Wem empfehle ich eine Teilnahme?

  • Ihr seid noch nie einen Klettersteig gegangen und möchtet von Grund auf in die Thematik eingeführt werden.
  • Ihr seid bereits ein, zwei Mal einen Klettersteig gegangen und möchtet eure Kenntnisse im technischen und theoretischen Bereich vertiefen, um das nächste Level zu erreichen.

Was muss ich bezahlen?

  • Das Camp ist kostenlos.
  • Geringe Kosten können durch die Nutzung von Kletterhallen oder Bergbahnen anfallen (je nach Camp-Standort).

Wo und wann finden die SAAC-Camps statt?

Jannis

Seine Leidenschaft für die Tiroler Bergwelt hat Jannis Braun nach Innsbruck geführt. Wann immer die Zeit sich bietet, schnürt er seine Bergschuhe, steigt auf das Mountainbike oder erkundet das vielseitige Innsbrucker Kulturangebot.

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