Welcher Klettertyp bist du?

05.09.2018Simon SchöpfSimon Schöpf
Klettern in Tirol

Das Schönste am Klettern: die gestählten Körper, die hohen Wände und das Adrenalin? Auch, aber wir behaupten: die unendliche Vielfalt der Sportart! Falls du dich gerne mal in die Vertikale wagen willst, aber noch nicht so richtig weißt, welche Kletterart am besten zu dir passt, hier eine kleine Entscheidungshilfe für Motivierte.

1. Der, der mit der Matte tanzt (Der Boulderer)

Bouldergebiet Mandlers Boden im Pitztal, Foto: TVB Pitztal

Warum immer hoch hinausklettern, wenn das Gute doch so nahe liegt? Warum immer siebenhundert Höhenmeter bergwärts schwitzen, wenn der Block doch in der blumigen Wiese am Talboden liegt?

Dem Boulderer geht es nicht um Wandhöhe und Absicherungstechniken, sondern um das maximale Klettervergnügen bei minimalem Aufwand. Bouldern, das ist Klettern in Absprunghöhe, als Sicherung wird eine Bouldermatte (ein sogenanntes Crashpad) unter den Felsblock gelegt. Und dieses eignet sich außerdem ganz vorzüglich als Sitzkissen für den Genuss eines Espressos zwischen den Versuchen am Fels, denn Boulderer besitzen neben gestählten Fingern vor allem auch eines: einen gemütlich-chilligen Lifestyle.

  • Motivations-Video: Die Tiroler Boulderlegende Bernd Zangerl in Falscher Götter, Silvapark: www.youtu.be/HkoNoFiIWmU
  • Tipp: Die weltbesten Boulderer mit ihren außerirdischen Moves könnt ihr bei der Kletter-WM in Innsbruck live bestaunen, am 14. (Damen) & 15. (Herren) September 2018 sind die Final-Tage. Hochspannung garantiert!
  • Die Top-Boulderspots in Tirol: Silvapark in Galtür, Reithle in Imst und Mandlers Boden im Pitztal

2. Der, der es sportlich nimmt (Der Sportkletterer)

Klettergarten bei der Dolomitenhütte in den Lienzer Dolomiten, Foto: Tirol Werbung

Das ist Klettern in Reinform, wird der Sportkletterer behaupten. Für die Fortbewegung in der Vertikalen werden ausschließlich die natürlichen Griffe und Tritte im Fels verwendet, für die Absicherung im Falle eines Sturzes wird alle paar Meter ein solider Bohrhaken geklippt. Denn nur mit genügender Sicherheit können auch die Grenzen des Menschenmöglichen ausgelotet werden. Wer nie ins Seil stürzt, klettert nicht am Limit.

Die Vertikalarena ist der Klettergarten, ein Stück Fels mit einer gewissen Anzahl von Routen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Von ganz leicht bis sackschwer, von überschaubar kurz bis endlos lang, von Granit bis Sandstein: Klettergärten sind maximal unterschiedlich, und das ist das geniale daran: Die Abwechslung, denn keine Route gleicht der anderen!

  • Motivations-Video: Hannah Schubert in Die Chinesische Mauer, einer der Great Lines von Tirol: www.youtu.be/fUjkLy8pUmI
  • Tipp: Adam Ondra und auch sonst die gesamte Sportkletter-Elite gibt es zwischen 6. und 9. September 2018 live bei der Kletter-WM in Innsbruck zu bestaunen, die Lead-Finals (also in der Disziplin Vorstieg) sind am 8.9. (Damen) & 9.9. (Herren)!
  • Die Top-Klettergärten in Tirol für Einsteiger: Flämenwandl in der Olympiaregion Seefeld, Oberried im Ötztal und Wiesensee in den Steinbergen

3. Der, der hoch hinaus will (Der Alpinkletterer)

Mehrseillängen-Tour im Rofangebirge, Foto: Tirol Werbung

Das richtige Abenteuer fängt für den Alpinkletterer erst ab zweieinhalb Stunden Zustieg an. Alles darunter zählt wenig, die faulen Sportkletterer und Boulderer sollen doch im Tal bleiben. Für ihn zählt nur die Wand, Walter Pauses „In extremen Fels“ ist seine Bibel. Und Bohrhaken, verwerflich, die braucht doch wirklich kein Mensch! Geht doch nichts über einen wohlgeschlagenen „Nagel“, einen guten alten Schlaghaken, wie ihn schon der Emilio Comici und der Riccardo Cassin geschlagen hat. Oh, unvergessene Helden!

  • Motivations-Video: Jorg Verhoeven’s freie Begehung der Nose im Yosemite: www.youtu.be/VapbvTq8GOE
  • Tipp: Bei der Black Diamond Movie Night (11. September 2018 ab 21 Uhr) erzählen zwei der besten Alpinkletterer überhaupt, Barbara Zangerl und Jacopo Larcher, von ihren Abenteuern in den großen Wänden dieser Welt.
  • Die besten Alpinkletterwände in Tirol: Multerkar und Schneekar im Wilden Kaiser, Martinswand bei Zirl bei Innsbruck und die Lienzer Dolomiten in Osttirol

4. Der, der bunte Griffe sucht (Der Hallenkletter)

Kletterzentrum Innsbruck, Foto: Alpenverein/Norbert Freudenthaler

Einmal ist’s zu kalt für die Finger, dann wieder zu heiß für den Kopf, oder der Fels ist überhaupt gleich nass und der Wandfuß schlammig: Als Kletterer kann einem da draußen so einiges widerfahren. Der Hallenkletterer nimmt’s pragmatisch und schätzt den sicheren Komfort der Halle, da weiß man eben immer, was man bekommt. Die Kunstharzgriffe sind schön farbig und gut griffig, die Hakenabsicherung normgerecht und die Freunde auch alle da. Zudem gibt’s das kühle Belohnungs-Bier keine zehn Schritte entfernt in der Cafeteria, ach, was will man mehr?

Die Kletterhalle ist der Ort, an dem die meisten Menschen ihre ersten Vertikalmeter machen. Und das mit gutem Grund, hier lassen sich die notwendigen Techniken sicher erlernen und die nötige Körperspannung aufbauen. Der Schritt an den Fels ist dann meistens ein großer, eine „Umschulung“ durch erfahrene Kollegen oder einen fundierten Kletterkurs ist essentiell!

  • Motivations-Video: Rundgang durch das Kletterzentrum Innsbruck: www.youtu.be/hrOKypKG3x4
  • Tipp: Während der Kletter-WM im September 2018 finden die Qualifikationen im Kletterzentrum Innsbruck statt. Ein perfekter Grund, der genialen Halle einen Besuch abzustatten!
  • Die besten Hallen in Tirol: Kletterzentrum Innsbruck, Kletterhalle Imst, Kletterhalle Wörgl

5. Der, der vertikal Vollgas gibt (Der Speedkletterer)

Eine 15 Meter lange 6b+ Route in unter 6 Sekunden klettern? Klingt undenkbar, ist es aber nicht! Die Speed-Kletterer sind die Exoten im Weltcupzirkus, die Sprinter der Vertikalen. Geklettert wird eine immergleiche, genormte Route mit einer Zeitmessung wie beim Skirennen, im Hundertstelbereich. Die einzige Devise: Mit Lichtgeschwindigkeit die Wand hochschießen! So unnahbar dieses Format für die meisten Kletterer der anderen Disziplinen ist, so faszinierend ist es mitanzusehen. Die meisten Leute würden wohl für die gleiche Distanz in der Horizontalen länger brauchen als die Athleten in der Vertikalen.

  • Motivations-Video: Die Speedkletterweltrekorde 2017: www.youtu.be/xCWUEQEy7x8
  • Tipp: Vollgas bei der Kletter-WM 2018: Die Speed-Finale finden am 13. September 2018 in der Olympiaworld Innsbruck statt, nicht verpassen!
  • Wo man in Tirol Speedklettern kann: Kletterzentrum Innsbruck
Simon Schöpf

Simon krallt sich seit mehr als 15 Jahren proaktiv an die Felsen dieser Welt, von Neuseeland bis in die Lofoten. Aber am liebsten dann doch immer noch: Dahoam in Tirol. Ob gemütliches Sportklettern im Ötztal oder alpine Mehrseillängen im Wetterstein, quasi „a bissl zum Fürchten“: Die Abwechslung macht doch das Kraxeln so wunderbar!

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