Alte Kunst, neue Mode

20.11.2018RosannaRosanna

Walken, klöppeln, häkeln, stricken: Für die Generation unserer Groß- und Urgroßeltern waren diese Tätigkeiten noch Alltag und Hobby. Dann verschwand traditionelle Handwerkskunst zunehmend aus dem Bewusstsein: Kleidung und Accessoires konnten schnell und günstig in Kaufhäusern, bei großen Ketten und schließlich auch online gekauft werden. Erst in den letzten Jahren ist die Wertschätzung für diese Arbeiten wieder gestiegen. Echte Könner in diesen Bereichen zu finden, ist allerdings nicht so einfach. Um Regionalität und Handwerk zu fördern, bieten das Tiroler Heimatwerk und der Tirol Shop ab diesem Winter eine gemeinsame Kollektion an – gewalkt in Tirol.

In der Manufaktur STAPF in der kleinen Tiroler Stadt Wörgl wird seit 1955 gewalkt. Das heißt: Strickware wird mit reinem Wasser gewaschen, so lange, bis die Wollfasern verfilzen und sich verdichten. Dann wird das Material getrocknet und gebügelt. Am Schluss hält man einen altbewährten Alleskönner in der Hand: Walk ist atmungsaktiv, elastisch, robust und formstabil. Um zu wissen, um wie viel sich die Strickware verkleinert, wie getrocknet und gebügelt werden muss, braucht man viel Erfahrung: „Wir haben unseren Strickmeister vor Ort sitzen. So können wir testen, welche Wolle funktioniert, welche Masche gut aussieht, welche Farben wir wählen sollen“, erzählt Irmgard Ponholzer, die seit mehr als 20 Jahren bei STAPF beschäftigt ist.

Etwa zwei Stunden Arbeit an der Strickmaschine stecken in einer Strickjacke. Findet man anschließend Fehler, wird das Kleidungsstück wieder aufgetrennt und neu gestrickt, bevor der Walk-Prozess beginnt. Damit ist nicht nur die Qualität gesichert, es entsteht auch kein Abfall. Bei STAPF bemerkt man die steigende Nachfrage nach Beständigkeit und Qualität: „Kunden verstehen heutzutage den Wert qualitativ hochwertiger Ware und schätzen die Tiroler Handwerkskunst, die wir seit Jahrzehnten perfektionieren“, so Ponholzer.

Das Wissen weitergeben im Tiroler Heimatwerk

Die Bewahrung alter Handwerkskunst ist auch für das Tiroler Heimatwerk ein wichtiges Thema: „Die alten Handwerkstechniken sterben aus“, sagt die Geschäftsführerin des Tiroler Heimatwerkes Daniela Wagneder. „Ich bin zum Beispiel auf der Suche nach Klöpplerinnen. Da gibt es fast keine mehr – und wenn, dann machen sie es nur im Privaten und sind natürlich nicht immer verfügbar.“ Doch Wagneder hegt große Hoffnungen, dass Handwerk wieder zum Trend wird: „Wir haben natürlich unsere Unterlagen zu altem Kunsthandwerk, die wir sorgfältig aufbewahren. Aber es muss weitergetragen werden.“ Um auch junge Menschen in diesen Bereichen auszubilden, arbeitet das Tiroler Heimatwerk mit vielen Fachschulen zusammen, bildet Fachkräfte aus und bietet Kurse an. „Die Schülerinnen kommen dann zu uns, arbeiten mit unseren Stoffen und fertigen zum Beispiel ihre eigene Tracht.“ Auch beim Konsumverhalten bemerkt sie einen langsamen Wandel: „Die Jungen legen wieder verstärkt Wert darauf, heimische Betriebe zu unterstützen und regional einzukaufen.“

Walk ist ein Alleskönner: Es ist atmungsaktiv, elastisch, robust und formstabil.

Walk ist ein Alleskönner: Es ist atmungsaktiv, elastisch, robust und formstabil.

Eine gelungene Kooperation mit STAPF

Aus dem Gedanken heraus, das Regionale und die Handwerkskunst weiter zu fördern, ist in diesem Jahr eine besondere Kooperation entstanden: Das Tiroler Heimatwerk und der Tirol Shop haben gemeinsam mit STAPF eine Kollektion ausgearbeitet, designt und umgesetzt. Entstanden sind sechs hochwertig produzierte Lieblingsstücke. „Der Wunsch und die Suche nach einem heimischen Lieferanten haben uns zusammengeführt“, sagt Wagneder.

„Wir haben in unserem Sortiment jedes Jahr die Linie „Klassisch“. Diese steht ganz besonders für Heimatverbundenheit, Regionalität und Tradition“, erklärt Claudia Pichler, Geschäftsführerin des Tirol Shop. „Da war Stapf der ideale Partner für uns.“ Die exklusiven Damenblazer, das Herrensakko, die Steppjacke sowie ein modischer Poncho und ein süßer Babystrampler sind im Tirol Shop und im Tiroler Heimatwerk erhältlich.

Rosanna

Rosanna Battisti fährt gerne weg und kommt gerne wieder – vor allem im Winter, wenn die Skipisten rufen.

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