Eva-Maria klettert auf die Stützen

Aktualisiert am 14.11.2018RosannaRosanna

Eva-Maria Schulze kann sich noch genau an die erste Fahrt mit der neuen Eisgratbahn erinnern: „Das war mega.“ Inzwischen gondelt die Stubaierin fast täglich mit der längsten Dreiseil-Umlaufbahn der Alpen zur Arbeit. In der Mittelstation der Eisgratbahn sorgt die Maschinistin dafür, dass die Skifahrer sicher auf den Berg und zurück ins Tal kommen.

Ein handwerklicher Beruf, vielleicht Malerin oder Tapeziererin hat Eva-Maria Schulze schon immer interessiert. „Aber alle haben mir gesagt: Für ein Mädchen ist das nichts.“ Also lernt sie Konditorin – bis sie Jahre später beschließt, sich als Kellnerin zuhause im Skigebiet im Stubai zu bewerben. Sie endet als Seilbahnfachfrau.

„Ein Freund hat mir geraten, ich solle mich doch lieber beim Skilift statt als Kellnerin bewerben. Und dort wurde ich gleich genommen.“ Anfangs arbeitet sie nur während der Wintersaison im Fahrgastdienst bei den Bergbahnen: Das macht ihr Spaß, es ist abwechslungsreich. Sie bekommt eine Ganzjahresstelle und entschließt sich darauf hin, Nägel mit Köpfen zu machen: Im zweiten Bildungsweg wird sie Seilbahnfachfrau.

Das bedeutet: Viel Technik, viel Lernstoff. Eva- Maria büffelt eineinhalb Jahre lang in Blockkursen die Grundlagen der Mechanik und der Elektrotechnik, weiß über Rechtliches im Bereich der Bergbahnen Bescheid und ist über Mess- und Prüfverfahren informiert. Sie kennt Sicherheits- und Brandschutzvorschriften, lernt hydraulische Elemente und Seilstärken kennen. Zwischen den Schulzeiten setzt sie theoretisches Wissen in praktisches Wissen um: Sie bringt als Bergbahnmitarbeiterin die Gäste auf den Berg. Im Sommer ist sie bei Revisionsarbeiten dabei, klettert auf die Stützen. Das gefällt ihr am besten: „Da sieht man so viel.“ Aktuell ist die 29-Jährige die einzige ausgebildete Seilbahnfachfrau im Team. Mit ihren männlichen Kollegen kommt sie gut klar: Sie sorge für das Gleichgewicht, sagt sie selbstbewusst. „Die brauchen das ein bisschen.“

Seit acht Jahren ist Eva-Maria jetzt schon „beim Lift“, wie man in Tirol sagt. Kann sie sich einen anderen Arbeitsplatz vorstellen? „Nein“, sagt die Stubaierin. „Das ist mein Traumjob.“ Nach dem Start am Stubaier Gletscher wechselte sie zu den Serlesliften am Eingang des Stubaitals. Der Bau der hochmodernen 3S-Bahn lockte sie 2015 wieder zurück zu den Stubaier Gletscherbahnen: „Das sieht man nur einmal im Leben. Wenn man dabei ist, wie eine Stütze fällt, oder sieht, wie ein Bagger in die Liftstation fährt, dann ist das schon etwas Besonderes“. Statt Kuchen zu backen, war die ehemalige Konditorin vor Ort, als Betonsockel für die längste 3S-Bahn der Alpen aufgebaut und Plexiglasscheiben in die Talstation eingesetzt wurden. „Zu sehen, wie diese Konstruktionen entstehen und dabei mitzuarbeiten, das war einzigartig.“

TECHNISCH ON TOP

In Sachen Bergbahntechnik ist Tirol Spitzenreiter: 2016 wurde am Stubaier Gletscher mit der neuen Eisgratbahn die längste Dreiseil-Umlaufbahn der Alpen eröffnet. Neben technischer Finesse begeistert die Eisgratbahn auch durch ihr Design: Die Gondeln wurden von dem italienischen Designstudio Pininfarina designt. Die Giggijochbahn im Ötztal ist ebenfalls ein Meisterwerk der Technik: Die leistungsstärkste Einseilumlaufbahn der Welt hat eine Förderkapazität von 4500 Personen pro Stunde.

Rosanna

Rosanna Battisti fährt gerne weg und kommt gerne wieder – vor allem im Winter, wenn die Skipisten rufen.

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