10 Fakten rund um „Stille Nacht! Heilige Nacht!“

17.12.2018RosannaRosanna

„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ ist der Evergreen unter dem Christbaum und das berühmteste Weihnachtslied der Welt. In diesem Jahr feiert es seinen 200. Geburtstag: Zeit für zehn Fakten rund um den Welthit. Vor allem Nummer 10 hat mich zum Schmunzeln gebracht.

1. (K)ein Tiroler Lied

Gedichtet, komponiert und uraufgeführt wurde „Stille Nacht“ in Oberndorf bei Salzburg. Die eigentlichen Urheber, Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber, gerieten aber schnell in Vergessenheit: Lange Zeit ging man davon aus, dass „Stille Nacht“ ein Tiroler Volkslied sei. Das liegt an den Tiroler Sängergruppen, die das Lied international verbreiteten. Das Lied wurde sogar als „ächtes Tiroler Lied“ publiziert.

2. Mythos und Wahrheit

Einer Legende nach sollen die Ur-Rainer, eine Sängerfamilie aus dem Zillertal, das Weihnachtslied schon 1822 vor Kaiser Franz I. und Zar Alexander I. von Russland gesungen haben. Angeblich stand die Rainer-Familie dabei hinter einem Vorhang, der sie von ihren kaiserlichen Zuhörern trennte: Sie sollen schlicht zu nervös gewesen sein, um von Angesicht zu Angesicht zu singen. Die Geschichte wird oft erzählt, wissenschaftlich belegt ist ihre Darbietung von „Stille Nacht!“ nicht. Der Auftritt vor dem Zaren soll übrigens auch Grundstein für die erfolgreiche Karriere der Ur-Rainer gewesen sein: Sie tourten als Sängerfamilie durch Europa und spielten sogar am Englischen Königshof.

Familie Rainer (die erste Generation) kommt bis nach England, wo sie auf Schloss Windsor und im Buckingham Palace singt., Bildnachweis: Privatarchiv Martin Reiter

Familie Rainer (die erste Generation) kommt bis nach England, wo sie auf Schloss Windsor und im Buckingham Palace singt., Bildnachweis: Privatarchiv Martin Reiter

3. Marketing auf Tirolerisch

Die andere Gruppe Tiroler Nationalsänger, die maßgeblich an der Verbreitung von „Stille Nacht“ beteiligt war, ist die Familie Strasser aus Laimach im Zillertal. Ursprünglich waren die Geschwister Wanderhändler und am Weihnachtsmarkt in Leipzig, um Handschuhe zu verkaufen. Sie merkten aber schnell: Wenn sie in Tracht auftreten und Tiroler Lieder singen, kurbelt das die Verkäufe an. Ihr erstes offizielles Konzert gaben die Geschwister Strasser im Jahr 1832, es wird im Leipziger Tagblatt angekündigt. Bei diesem Auftritt singen sie „Stille Nacht!“.

Auszug aus dem Leipziger Tagblatt vom 15. Dezember 1832, Fotonachweis: Tiroler Landesmuseum Bibliothek Ferdinandeum

4. Tirol sucht den Superstar

Weil die Ur-Rainer als Sängergruppe so großen Erfolg hatten, wurde die zweite Generation der Rainer professionell gecastet. Im Mittelpunkt: Ludwig Rainer. Seine Mitstreiter in der Gruppe waren seine Cousine Helene Rainer, Simon Holaus und Margarete Sprenger. Sie sollten die volkstümliche Musik in die USA bringen.

„Mindestens 30 Tage dauerte die Überfahrt der Rainer-Familie mit dem Schiff von Le Havre nach New York, zehn Stürme inklusive.“

5. Ein langer Weg nach New York

Als „The Rainer Family“ 1839 nach New York aufbrach, waren die Mitglieder der Gruppe noch sehr jung: Ludwig Rainer war gerade 18 Jahre, seine Cousine Helene erst 15 Jahre alt. Ihre Reise war nicht nur ein Abenteuer, sie war auch sehr beschwerlich: Alleine die Überfahrt von Le Havre (Frankreich) nach New York mit dem Schiff dauerte mindestens 30 Tage, zehn Stürme inklusive.

6. $1 für die Rainer Family

Kaum in den USA angekommen, rührten „The Rainer Family“ auch schon die Werbetrommel: Eine erste Werbeeinschaltung für das Konzert der Gruppe erschien am 25.11.1839 im Morning Courier and New York Enquirer. Die Eintrittspreise damals: $1 pro Person, für einen Herren in Begleitung zweier Damen gab es einen Spezialpreis von $2, Kinder bezahlten 50 Cents. Der Legende nach hat die Rainer Family wenige Wochen später, am Weihnachtsabend 1839, zum ersten Mal „Stille Nacht!“ auf amerikanischem Boden angestimmt.

Ludwig Rainer aus der zweiten Generation der Rainer-Familie. Er war gerade einmal 18 Jahre, als er mit seiner Cousine Helene Rainer sowie Simon Holaus und Margarete Sprenger 1839 in New York zum ersten Mal „Stille Nacht!“ auf amerikanischem Boden anstimmte. Bildnachweis: Museum in der Widumspfiste Fügen

Ludwig Rainer aus der zweiten Generation der Rainer-Familie. Er war gerade einmal 18 Jahre, als er mit seiner Cousine Helene Rainer sowie Simon Holaus und Margarete Sprenger 1839 in New York zum ersten Mal „Stille Nacht!“ auf amerikanischem Boden anstimmte. Bildnachweis: Museum in der Widumspfiste Fügen

7. Einmal Tiroler sein

Die Marke Tirol bürgte schon früh für Qualität: Weil Tiroler Nationalsänger so große Erfolge feierten, gaben sich auch Wiener, Steirer und Bayern als Tiroler aus.

8. Das Friedenslied

Eine oft erzählte Geschichte rund um die „Stille Nacht“ ist auch jene Begebenheit, die sich am Heiligen Abend 1914 in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges ereignet haben soll: Die verfeindeten Parteien sollen plötzlich gemeinsam das Weihnachtslied angestimmt und über die Gräben hinweg gemeinsam gesungen haben. Daraufhin hat sich – wenn auch nur kurz währender – Weihnachtsfrieden eingestellt.

9. Das Zeug zum Hit

Von Hawaii bis in die Antarktis: Heute wird „Stille Nacht!“ überall auf der Welt gesungen. Insgesamt wurde das Lied in mehr als 350 Sprachen und Dialekte übersetzt. Das erfolgreichste Cover gelang übrigens Bing Crosby. Seine Aufnahme von „Silent Night“ im Jahr 1935 ist mit ca. 30 Millionen verkauften Platten die dritterfolgreichste Single aller Zeiten.

10. Weihnachts-Wunder-Wahnsinn

In Frankenmuth, einem knapp 5000-Einwohner-Ort im US-Bundesstaat Michigan, wartet „Bronners Christmas Wonderland“. Hier gibt es eine detailgetreue Kopie der Kirche in Oberndorf bei Salzburg, in der „Stille Nacht!“ im Jahr 1818 seine Uraufführung feierte. In der täglich geöffneten „Bronner’s Silent Night Memorial Chapel“ erklingt das Weihnachtslied rund um die Uhr in Endlosschleife. Die Besucher sind begeistert: Rund zwei Millionen Menschen besuchen das Weihnachtswunderland jährlich. Im Online-Shop ist um 13,99 Dollar sogar eine Replika der Kapelle erhältlich.

 

In diesem Sinne: Eine frohe und besinnliche Weihnachtszeit!

Rosanna

Rosanna Battisti fährt gerne weg und kommt gerne wieder – vor allem im Winter, wenn die Skipisten rufen.

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1 Kommentar

Rüdiger Pischl

Danke für die wunderschöne Präsentation !
Wer hilft mir unser KLEINES BERGBAUERNMUSEUM am Ropferhof (Bergbauernhof aus dem 16. Jhdt inzwischen als Ausflugsziel am Seefelder Plateau bekannt) mit neuen Inhalten zu erweitern. Ziel ist dem Museum einen einfachen Anbau hinzuzufügen wo die moderne kleinbäuerliche Berglandwirtschaft den Exponaten aus über hundert Jahren Bergbauernwirtschaft gegenüber gestellt wird. Hilfe von Experten für die Konzeption wäre unser großer Wunsch !

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