Die Flugretter aus dem Außerfern

08.03.2019KlausKlaus

Bergnot, Kollisionen, Knochenbrüche. Wenn im Gebirge rund um Reutte Hilfe benötigt wird, kommt der Rettungshubschrauber RK-2 angeflogen. Mit an Bord ist der ehrenamtliche Flugretter Florian Selb.

Sie trinken Kaffee, scherzen und warten auf den ersten Einsatz. Man merkt: Diese Menschen kennen sich schon lange. Seit 6:30 Uhr ist die Crew in Bereitschaft und ihre Schicht dauert, bis die Sonne untergeht. Vor der Tür wartet der Rettungshubschrauber RK-2 – eine Schönheit in rot und weiß, die mit der allerneuesten Technik ausgestattet ist. Noch ist es ruhig am Stützpunkt, die meisten Skiunfälle passieren am Nachmittag.

Doch Zeit zum Verschnaufen bleibt kaum. Mehr als 1.000 Einsätze übernimmt die ARA-Flugrettung pro Jahr und das Einsatzgebiet ist groß: Reutte liegt nur einen Steinwurf von der bayrischen Grenze entfernt und in einem Radius von 50 Kilometern fliegt der Hubschrauber überall dorthin, wo rasch Hilfe benötigt wird, egal ob auf deutscher oder österreichischer Seite.

Der nagelneue Hubschrauber vom Typ „H 145“.

„Das Hauptproblem bei den Skiunfällen ist, dass sich die Leute überschätzen.“

Im Winter machen Unfälle in den Skigebieten einen Großteil der Einsätze aus. „Das Hauptproblem bei den Skiunfällen ist, dass sich die Leute selbst überschätzen“, sagt Florian Selb. Der 27-jährige Pistenretter kommt aus dem Lechtal und arbeitet ehrenamtlich bei der Reuttener Flugrettung. Seine Aufgabe ist es, den Notarzt zu unterstützen. Vor allem im abschüssigen Gelände ist Selbs Know-How als Bergretter gefragt. Neben ihm besteht die Crew aus dem Piloten, einer Notärztin und einem „Winden-Operator“, welche allesamt hauptberuflich im Einsatz sind.

Audio: Florian Selb über sein Ehrenamt bei der Flugrettung.

Florian Selb ist einer von 12 ehrenamtlichen Flugrettern in Reutte.

Der RK-2 ist grenzüberschreitend im Einsatz.

Ein eingespieltes Team

„Jeder muss gut sein in seinem Fachbereich. Es funktioniert nur, wenn das ganze Team zusammenspielt. Dafür trainieren wir auch viel. Speziell Einsätze mit der Rettungswinde sind hoch komplex“, sagt Pilot Jörg Strauß. Die Rettungswinde ist eine Besonderheit des High-Tech-Hubschraubers RK-2. Mit ihr können sich Notarzt und Bergretter an die Unglücksstelle abseilen, wenn eine Landung im alpinen Gelände nicht möglich ist.

Die Flugrettung

Die Flugrettung wird in Österreich sowohl bei Verkehrsunfällen als auch bei Akuterkrankungen und Alpinunfällen eingesetzt. Im Winter garantieren die Rettungsteams, dass verletzte Wintersportler rasch ärztliche Hilfe erhalten. Alleine in Tirol sind ganzjährig 7 Rettungshubschrauber stationiert. Der Rettungsdienst wird größtenteils vom ÖAMTC und dem Roten Kreuz organsiert, darüber hinaus gibt es auch mehrere private Betreiberfirmen.

Medizinisches Gerät im Rettungshubschrauber.

„Das Schöne ist, dass man den Leuten in den meisten Fällen helfen kann.“

Pilot, Notarzt, Winden-Operator und Bergretter formen das Team des RK-2.

Ein Danke ist immer willkommen

„Man sieht in diesem Job auch schlimme Sachen. Aber das Schöne ist, dass man den Leuten in den meisten Fällen helfen kann. Wenn man einen Einsatz erfolgreich abschließt, ist das toll“, sagt Florian Selb. Besonders freut ihn, wenn sich Patienten später mit einem Dankesschreiben melden. „Das ist ein schönes Feedback wenn man hört, dass es einer Person wieder gut geht“.

ARA-Flugrettung

Das Kürzel „RK-2“ steht für „Rotes Kreuz-2“ und bezeichnet den Notarzthubschrauber, der beim Bezirkskrankenhaus in Reutte stationiert ist und von der ARA-Flugrettung in Kooperation mit dem Automobilklub ARBÖ betrieben wird.

Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz.

Einmal Flugretter, immer Flugretter

Neben ihrer Hilfsbereitschaft eint die ehrenamtlichen Flugretter in Reutte, dass sie top fit sind und die Berge lieben. Doch ins Team des RK-2 schaffen es nur die Besten. „Da muss man schon einiges mitbringen: Mehrjährige Erfahrung in der Bergrettung und eine Ausbildung zum Notfall-Sanitäter etwa. Aber wir sind wie eine Familie. Die Leute, die bei uns anfangen, hören erst auf, wenn sie in Rente gehen“, erzählt Jörg Strauß und schenkt Kaffee nach.

Plötzlich geht der Alarm los. Über Funk gibt die Einsatzzentrale in Innsbruck die Details durch. Die Crew schnappt ihre Ausrüstung und läuft hinaus zum Hubschrauber. Strauß startet die Maschine und der RK-2 hebt unter ohrenbetäubendem Lärm ab. Innerhalb von zwei Minuten ist der Rettungshubschrauber nur noch als kleiner Punkt vor der Zugspitze zu sehen. Für heute ist es vorbei mit der Ruhe am Stützpunkt.

Video: Florian Selb im Einsatz

Alle Aufnahmen: Bert Heinzlmeier

Berufe im Skigebiet
Klaus

Nach beruflichen Jahren in Übersee erkundet Klaus Brunner mit Kamera und Mikrofon seine alte Heimat Tirol. Home is where your heart is.

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