Cross Alps: Zwei Studenten treten in die Pedale

09.05.2019GastautorGastautor

Kameras, Drohnen und zwei Trekking-Fahrräder mit voll bepackten Satteltaschen: Die beiden Studenten Filip und Felix aus Bayern hatten sich für ihre Bachelorarbeit etwas Abenteuerliches zur Aufgabe gemacht. Im Sommer 2018 radelten sie für ihr Projekt „Cross Alps“ von München über Tirol bis nach Venedig.

Zweieinhalb Wochen dauerte ihr Abenteuer und führte durch drei Länder. Im Juni 2018 starteten Filip und Felix für ihre Bachelorarbeit eine Radtour von München über Tirol bis nach Venedig. Neben der notwendigen Ausrüstung hatten sie Kameras, Drohnen, Mikrofone, Stative und Festplatten im Gepäck. Ob Tandemsprung über Tirols größtem See oder Ballonfahrt zum Sonnenaufgang: Für ihr Projekt „Cross Alps“ dokumentierten sie in Film und Ton, was es auf einer Reise auf zwei Rädern zu erleben gibt.

Auszug aus dem Tirol-Tagebuch von Filip und Felix

Wir passierten die Grenze nach Tirol am zweiten Tag über den höchsten Punkt des Achenpasses. So schnell die erste Ländergrenze erreicht zu haben stimmte uns enthusiastisch. Dass es erstmal bergab ging war ebenfalls förderlich für die Stimmung.

Bald hatten wir den Achensee erreicht, wo sich uns ein imposanter Anblick bot. In die Länge gezogen, gelegen in einem engen Tal, breitete er sich vor uns aus. Gebirgswände ragen stellenweise direkt an den ruhigen Ufern auf. Sein Blau frostig kalt – zu kalt um an diesem Tag einen Sprung ins Wasser zu wagen. Das konnten wir jedoch verschmerzen, denn wir waren für etwas ganz anderes an den berühmten See gefahren. Ein Abenteuer das uns nicht in die Tiefen des Gewässers, sondern in luftige Höhen führen sollte: ein Tandemsprung vom Rofangebirge.

Erster Stopp: Achensee. In der Region rund um Tirols größten See genossen Filip und Felix zunächst die herrliche Aussicht am Ufer. Später ging's in luftige Höhen.

Erster Stopp: Achensee. In der Region rund um Tirols größten See genossen Filip und Felix zunächst die herrliche Aussicht am Ufer. Später ging’s in luftige Höhen.

Bevor es jedoch soweit war, durften wir uns noch mit dem Tiroler Kletterer Andreas Nothdurfter treffen, der uns in aller Aufgeschlossenheit von seinem Leben an dem Österreichischen Gewässer berichtete. Wir bekamen die Gelegenheit, bei einem seiner Aufstiege mit der Kamera dabei zu sein. In seiner Bergsportschule am Achensee kann man lernen, ein Gebirge Zug um Zug zu bezwingen. Anschließend lässt sich der wohlverdiente Ausblick über Tirol genießen. Er teilte seine Geschichte mit uns und erzählte in einem Interview von seiner abenteuerlichen Leidenschaft für den Klettersport.

Tandemsprung über dem Inntal

Am nächsten Tag war es mit dem bloßen Zuhören jedoch vorbei. Nun wollten wir selber hoch hinaus. Der Moment des Tandemsprungs war gekommen. Mike Küng (alias „Mad Mike“) ist Profigleitschirmflieger und stand Felix bei seinem ersten Tandemflug mit Rat und Tat zur Seite. Filip behielt mit dem sensiblen Equipment festen Boden unter den Füßen. Damit der Zuschauer mehrere Perspektiven erleben kann, musste immerhin einer die Drohne steuern. Die Rofanseilbahn beförderte uns in die Nähe des Absprungorts. Bei dieser Gelegenheit bekamen wir bereits einen Vorgeschmack auf den herrlichen Ausblick. Mit „Mad Mike“, Inhaber des Höhenflugweltrekords im Gleitschirmfliegen, waren wir in erfahrenen Händen. Der Flug über den Achensee gewährte Felix die Chance auf ein beinahe schwereloses Erlebnis. Am Rande einer Aussichtsplattform bot das Inntal bereits einen beeindruckend, entzerrten Anblick, aber darüber hinweg zu schweben war eine ganz besondere Art Tirol zu erleben.

Kaum hatte Felix wieder festen Boden unter den Füßen, braucht er sie auch schon wieder um weiter in die Pedale zu treten. Wir verabschiedeten uns von dem Mann, der einmal aus 10.100 Metern Höhe mit einem Gleitschirm aus einem Heißluftballon sprang und damit die Messlatte für den Weltrekord nach oben korrigierte hatte. Für uns hieß es: Ab zur nächsten Station!

Durch das Inntal ging's nach Wattens, wo der Besuch der Swarovski Kristallwelten am Programm stand.

Durch das Inntal ging’s nach Wattens, wo der Besuch der Swarovski Kristallwelten am Programm stand.

Von Maurach ging es erstmal bergab nach Jenbach. Eine schöne Abfahrt ließ uns diese Marktgemeinde zügig erreichen. Hier erwartete uns der Direktor der Achenseebahn, und erzählte allerlei zur Entstehung und Geschichte der Zahnradbahn aus dem Jahr 1889. Durchs Inntal ging es weiter Richtung Innsbruck. Bevor wir jedoch die Stadt mit dem „Goldenen Dachl“ erreichten, legten wir einen Halt in Wattens ein. Hier fingen wir mit der Kamera den Glanz der Swarowski Kristallwelten ein. Der Besucher findet dort funkelnde und schimmernde Kunstwerke, geformt aus Kristallglas. Über mehrere Stockwerke verteilt, reihen sich Figuren und Schmuckstücke in unterschiedlichsten Farben, Formen und Schliffen. In diesem Kunstmuseum, in der Form eines Riesen, bietet sich dem Betrachter ein einzigartiger Anblick.

Die moderne Märchenstadt

Ganz in der Nähe von Innsbruck gelegen, war es von Wattens jetzt nur noch ein Katzensprung zur Hauptstadt Tirols. Mit dem märchenhaften Charme ihrer Altstadt hatten wir bereits gerechnet. Urig breitet sie sich vor einem aus und lockt mit ihren pittoresken Gässchen und Bauten. Die Universität verleiht der Stadt jedoch zudem eine junge und moderne Atmosphäre, mit der wir nicht gerechnet hatten. Wir wollten jedoch nicht ausschließlich die Innenstadt erleben.

 

Cross Alps: die Route von Filip und Felix im Überblick.

Cross Alps: die Route von Filip und Felix im Überblick.

Die Nordkettenbahn brachte uns aus der Innenstadt zur südlichsten Gebirgskette des Karwendel. Von dort aus beförderte uns die Seilbahn zu einem Aussichtspunkt, der uns die Stadt von oben überblicken lies. Die Nordkettenbahn selbst war, ebenso wie ihre drei Stationen, architektonisch interessant gestaltet. Der Ausblick über die Tiroler Hauptstadt war ebenfalls etwas ganz besonderes. In der Ferne ließ sich sogar die 35 Kilometer lange Europabrücke erkennen. So nahmen wir dieses vielbefahrene Bauwerk, mit im Durchschnitt immerhin 70.000 Autos täglich, mal aus einer ganz anderen Perspektive wahr.

Kaum verlässt man die Stadt über die Fahrradwege, findet man sich augenblicklich im Grün wieder. Täler, Dörfer, Flora und Fauna soweit das Auge reicht. Abschließend besuchten wir noch die Bergiselschanze, und hatten hier somit einiges gesehen und erlebt. Er wurde wieder Zeit, die Satteltaschen zu packen, denn wir hatten bereits unser nächstes Ziel im Blick. Und wieder wollten wir hoch hinaus – in St. Johann wartete bereits ein Heißluftballon auf uns und unsere Kameras.

Mehr als nur heiße Luft

Der Profi, der uns diesmal hoch hinaus verhalf, war Andy Nairz von Alpine Ballooning. Im Interview berichtete er uns von seiner Leidenschaft zum Ballonfahren. Nach einer Weltreise und der Lehre im Ausland, beschloss er mit seinem Innsbrucker Unternehmen mutigen Reisenden Höhenflügen zu ermöglichen. Schnell merkten wir, dass sich das frühe Aufstehen gelohnt hatte: Wir stiegen im Heißluftballon mit dem Tiroler Sonnenaufgang auf. Während das Tal noch im Dunkeln lag, fluteten die Sonnenstrahlen bereits über das Gebirge. Die Sonne über den Bergen schneidet Morgendämmerung und den hellen Tag entzwei. Damit schaffen sie eine ganz natürliche Licht-Show. Und der Heißluftballon lässt sie einen mühelos durchschweben. Durch das Dahingleiten mit den Luftströmen entsteht eine beinahe windstille Ruhe. Wir genossen diese unerwartet andächtige Stimmung und verfielen beinahe augenblicklich in den Flüsterton. Nur gelegentlich fauchte der Gasbrenner, ansonsten drang kaum ein Geräusch an unsere Ohren. Weit weg von geschäftigen Innenstädten, genossen wir Tirol jetzt einmal so wie auf einem Gemälde – still und bedächtig.

Herrliche Aussichten auf den Wilden Kaiser gab es bei der Sonnenaufgangsfahrt im Heißluftballon.

Herrliche Aussichten auf den Wilden Kaiser gab es bei der Sonnenaufgangsfahrt im Heißluftballon.

Mad Mikes zügige Heimreise

Wir waren jedoch nicht die einzigen im Korb und sicherlich nicht die Abenteuerlustigsten. Neben Andy Nairz leistete uns noch einen altbekannten Abenteurer Gesellschaft: „Mad Mike“ hatte beschlossen uns zu begleiten und wollte uns auf ganz individuellem Weg auch wieder verlassen. Mit seinem Gleitschirm sprang er kurzerhand aus dem Korb und verabschiedete sich damit frühzeitig von der Ballonfahrt.

Eineinhalb Stunden später setzten auch wir zur Landung an und fanden uns in Kitzbühel wieder. Sobald alle wieder festen Boden unter den Füßen hatten, hieß es schlussendlich noch die Ballonfahrer-Taufe und den individuelle Ehrentitel entgegenzunehmen. Darauf ein Gläschen Champagner mit den ansässigen Ballonmitfahrern – plus Brotzeit versteht sich. Gastfreundschaft war in Tirol immer an der Tagesordnung. Und darauf kann man schon mal anstoßen. Erst nach einer ausgiebigen Kneipentour ließen uns die Tiroler wieder laufen und waren am Ende unserer Österreichreise angelangt. Über den Brenner ging es schließlich weiter nach Italien.

Über den Brenner radelten Filip und Felix schließlich weiter nach Italien.

Über den Brenner radelten Filip und Felix schließlich weiter nach Italien.

Resümee

Tirol gewährte uns viel mehr als wunderschöne Landschaftsaufnahmen – wir lernten offene, hilfsbereite Gesprächspartner kennen, die uns ausführlich von ihren Erfahrungen mit dem Freizeitangebot in verschiedenen Regionen erzählten. Ganz gleich wo wir abstiegen: Es wurde zusammen gegessen, am Achensee wurde auf der Hütte „geschnäpselt“ und nach stundenlanger Fahrt fiel mit dem gelegentlichen Feierabendbier in netter Gesellschaft jede Anspannung von uns ab. Wir sammelten Dreherfahrung und bekamen auf unserer Tour den Kopf frei. Wir haben vieles gesehen und erlebt. Und trotz Anstrengung und Stress blieb ein Gefühl von Urlaub zurück. Dafür hatten Land und Leute mehr als gesorgt.

Über die Reisenden

Filip und Felix studieren in Amberg und produzieren gemeinsam Videos in und außerhalb der Universität. Sie kennen sich seit fünf Jahren und beschlossen den Sommer 2018 aktiv – und kreativ – zu nutzen. Eine Dokumentation über ihre Fahrradtour von München nach Venedig wurde zum praktischen Teil ihrer Bachelorarbeit. In ihrem Projekt „Cross Alps“ geben sie mit kurzen Online-Clips bereits einen Vorgeschmack auf ihre Reise.

Text: Johanna Freni

Gastautor

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