Die Surfer vom Inn

23.05.2019KlausKlaus

Surfen? Mitten in den Bergen? Genau! Ein paar Wellenreiter haben Tirols wichtigsten Fluss in einen Surfspot verwandelt. Das Ganze nennt sich „Upstream Surfing“ und macht riesigen Spaß. Die Technologie dahinter ist so einfach wie revolutionär.

„Ich habe die Surfer gesehen, als ich über die Brücke geradelt bin. Da hab‘ ich mir gedacht, das möchte ich auch mal ausprobieren“, erzählt Denise Krug. Die Tirolerin freut sich auf ihre erste Surf-Stunde. Ein wenig Kopfzerbrechen bereitet ihr allerdings die Wassertemperatur. „Der Inn führt viel Gletscherwasser mit. Deswegen haben wir dicke 5/4-Neoprenanzüge. Damit können wir dreistündige Sessions machen, ohne dass uns kalt wird“, sagt Surflehrer Michael Strobel.

Dicke Neopren-Anzüge halten die Inn-Surfer warm.

So sieht Upstream-Surfing beim Könner aus.

Einfache Physik

Der 30-jährige ist passionierter Wellenreiter und hat unweit des Innsbrucker Flughafens den weltweit ersten Standort von Upstream-Surfing eröffnet. An der Flussbrücke ist ein Seilzug befestigt, der mit einem Unterwasser-Segel verbunden ist. Allein die Kraft des Inns sorgt dafür, dass die Surfer 300 Meter flussaufwärts gezogen werden. Könner machen dabei „Turns“ wie beim Wellenreiten und erreichen Geschwindigkeiten von über 35 km/h.

Das Prinzip hinter Upstream-Surfing. Mindestens eine Person muss sich gegen das Unterwasser-Segel stemmen.

Surfen für jedermann

Nach einer theoretischen Einführung und dem obligatorischen Armekreisen geht es für Denise zum Schwimmen. „Wir Tiroler haben alle ein bisschen Respekt vorm Inn“, sagt die Hobby-Sportlerin. Surf-Guide Michael sorgt dafür, dass seine Schüler Berührungsängste abbauen und das richtige Verhalten im Fluss erlernen.

Surfschülerin Denise gewöhnt sich an den Inn.

Danach wird das Paddeln auf dem Surfboard geübt und schon bald folgen die ersten Aufsteh-Versuche. „Es fühlt sich noch ein bisschen wackelig an, macht aber Spaß. Und mir ist überhaupt nicht kalt, eher im Gegenteil“, sagt Denise. Sie zeigt Talent und wird bald zum Seilzug weitergeschickt. „Man muss überhaupt keine Angst haben. Alles was man können muss, ist schwimmen“ erklärt Michael. Upstream-Surfing richtet sich explizit auch an Anfänger und das Thema Sicherheit wird großgeschrieben.

Audio: Michael Strobl über das Sicherheitskonzept von Upstream-Surfing. 

Die Anfänger werden schrittweise an die Materie herangeführt.

Denise lernt schnell und steht schon bald auf dem Brett.

Das Surfen in die Städte bringen

„Wir haben uns gedacht: Es kann doch nicht sein, dass es keine Möglichkeit gibt, bei uns zu Hause zu surfen“, erinnert sich Michael. So hat er mit zwei Mitstreitern das Seilzug-System ausgetüftelt. Das Resultat: Eine Mischung aus Flusssurfen, Wellenreiten und Wakeboarden – einfach, kostengünstig und ganz ohne Eingriffe in die Natur.

Das Team hat die Erfindung prompt patentieren lassen und will Upstream-Surfing nun in die Städte Europas bringen – alles was man dafür braucht, sind ein sauberer Fluss und eine Brücke. Michael versteht die neue Art des Fluss-Surfens aber nicht als Ersatz für das „richtige“ Wellenreiten am Meer, sondern viel mehr als Ergänzung.

Das orange Unterwasser-Segel macht Upstream-Surfing erst möglich.

Upstream-Surfing vs. River-Surfing

Spätestens seitdem die Surfer vom Münchner Eisbach zur Touristenattraktion wurden, dürfte einem breiteren Publikum bekannt sein, dass man zum Wellenreiten nicht unbedingt einen Ozean braucht. Doch im Gegensatz zum Upstream-Surfing sind stehende Flusswellen nicht ungefährlich und liegen oft versteckt im Hinterland.

Video: Denise Krug bei ihrer ersten Surfstunde am Inn.

Nach 3 Stunden ist Denises Surf-Session beinahe vorbei. Trotz brennender Arme und Schultern startet sie einen letzten Versuch. Ihre Ausdauer wird belohnt: Gekonnt hüpft sie aufs Brett und surft lässig auf dem Inn. Jubelschreie sind zu hören, Denise paddelt zurück ans Ufer und es gibt ein High-Five vom Surflehrer. „Wirklich sehr cool, aber auch anstrengend. Es ist schnell, es ist wackelig und es macht absolut Spaß“, ist das begeisterte Resümee. 

Nach der Session gibt’s ein High-Five vom Surflehrer.

Alle Aufnahmen: Shoot+Style

Klaus

Nach beruflichen Jahren in Übersee erkundet Klaus Brunner mit Kamera und Mikrofon seine alte Heimat Tirol. Home is where your heart is.

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