Jetzt aber mal langsam! 5 Slow Tourism Hotspots in Tirol

Aktualisiert am 28.02.2020Ole ZimmerOle Zimmer

Wilde Wasser, einsame Berge, verwunschene Orte – und kein Stress weit und breit. Tirol steckt voller Slow-Tourism-Hotspots. Manche verstecken sich an einsamen Talschlüssen, andere gleich neben vielbefahrenen Transitrouten. 5 Regionen zum Rauf- und Runterkommen. Und was sie so einzigartig macht.

Die Parallelwelt: Gschnitztal

Hier liegen zwei Welten ganz nah beieinander. Genau gesagt: In 9,7 Kilometer Luftlinie vom Dorfkern rauschen täglich 40.000 Autos über den Brenner. Im Bergsteigerdorf Gschnitz in einem Seitental des Wipptals finden Besucher das absolute Gegenteil: Ruhe und Entschleunigung. 460 Einwohner gibt es hier und gefühlt ebenso viele Barockmalereien. Umgeben ist der Ort von den in dieser Region nur knapp über 3.000 Meter hohen Gipfeln des Alpenhauptkamms. Das Tal ist ein Trogtal wie aus dem Geographie-Lehrbuch – geformt von den Gletschern nach der letzten Eiszeit. Mit seinen sanften und immer steiler ansteigenden bewaldeten Bergflanken und den grünen Almwiesen im Tal hat es sich nie angeboten, Skilifte zu errichten. Dafür führt im Winter ein perfektes Loipennetz durch das Tal.

Der perfekte Ort zum Entspannen – hoch über dem Gschnitztal. Foto: Tirol Werbung / Markus Jenewein

Der Klassiker: Sellrain

Im Sellrain, auf halber Strecke zwischen Innsbruck und Kühtai, war »Slow Tourism« eine ganz bewusste und frühe Entscheidung. Schon seit den 1980er-Jahren ist das Bergsteigerdorf Sellrain Teil des »Ruhegebiets Stubaier Alpen«. Besucher erwartet ein Panorama wie aus dem letzten Jahrhundert: Die Bergbauern trocknen ihr Heu noch heute auf den traditionellen Stanggern. Wer Ruhe mit Kulinarik verbinden möchte, findet auf den Melkalmen im Sellrain und im angrenzenden Fotschertal viele Orte mit ausgezeichnetem Käse.

Die Juifenalm ist einer der vielen Almen im Sellrain. Foto: Tirol Werbung / Jörg Koopmann

Bergsteigerdörfer in Tirol

In den 15 Tiroler Bergsteigerdörfern laufen die Uhren etwas langsamer. Die Kriterien der Initiative des Österreichischen Alpenvereins befolgend, haben sich die Bergsteigerdörfer ganz einer nachhaltigen Entwicklung des Tourismus verschrieben. Ursprünglichkeit. Tradition. Ruhe. Unverfälschte Naturerlebnisse. Davon findet man in den Bergsteigerdörfern mehr als andernorts.

 www.tirol.at/bergsteigerdoerfer

Die Baumeister: Steinberg am Rofan

Wer weiß, wo die Brandenberger Alpen liegen? Eben. Und darin liegt der Vorteil des Rofangebirges, wie die Region auch genannt wird. Fernab von Stress und Hektik und doch nur 15 Kilometer vom Achensee entfernt, liegt Steinberg am Rofan. Ein verwunschener Ort mit nicht einmal 300 Einwohnern. Die Hauptattraktion ist hier die Natur, man kann komplett abschalten oder aktiv Wildromantik erleben, beispielsweise beim Angeln oder Wandern entlang der Steinberger Ache. Der renommierte Holzarchitekt Bernardo Bader hat im Dorfzentrum 2018 ein hochmodernes und doch perfekt in die Struktur des Ortes eingefügtes Dorfhaus mit Gaststube, Bauernladen, Sommercafé und Konzertsaal errichtet. Im Winter gibt es in Steinberg auch ein Skigebiet – mit einem Pistenkilometer ist es das kleinste in Tirol. Perfekt für Anfänger und Familien, die sich auf der Piste nicht stressen lassen wollen.

Einfach. Zusammen. Sein. Der 400 Jahre alte Mesnerhof in Steinberg Foto: Mesnerhof

Die Vogelperspektive: Lechtal

Wilde, abenteuerliche Natur in einer der letzten intakten Wildflusslandschaften Europas. Alle 14 Gemeinden des Lechtals sind ganz weit weg vom Alltag. Wie nah Entspannung und Nervenkitzel beisammen liegen können, merkt man spätestens, wenn man auf der 200 Meter langen und 110 Meter hohen Holzgauer Hängebrücke steht. Umgeben von 42 Quadratkilometern geschütztem Naturpark ist das Lechtal der perfekte Entschleunigungs-Spot für Familien und Liebhaber ursprünglicher Natur. Birdwatching auf der Suche nach dem Flussuferläufer oder dem Flussregenpfeifer – typische Vogelarten, die sich auf das Leben auf den Kies- und Schotterbänken spezialisiert haben – geht am besten zwischen den Orten Stanzach und Reutte. Hier sind die Kiesbänke bis zu 500 Meter breit. Und wer es mal nicht slow haben möchte, geht auf Raftingtour.

Gramais in den Lechtaler Alpen ist die kleinste Gemeinde Österreichs. Foto: Tirol Werbung / Bert Heinzlmeier

Die hochalpine Ruhezone: Vent

Was wir heute »Slow Tourism« nennen, basiert in Vent im Ötztal auf den frühen Tourismus-Konzepten des Gletscherpfarrers Franz Senn, die er 1860 in Vent verfasste (später wurde der Priester bekannt als einer der Gründer des Deutschen Alpenvereins). Auf 1.900 Metern gelegen, gehen die Venter seit jeher sehr bewusst mit ihrer Landschaft um. Der Urlauber findet hier Entspannung, aber auch Herausforderung: Von Vent aus starten Alpenüberquerungen oder die berühmte Venter Runde, die Via Alpina. Vent ist der perfekte Ausgangsort für Wanderungen auf acht Alpenvereins- und Schutzhütten. Wer einige der Gipfel als erster bestiegen hat? Genau: Priester Senn.

Die Rofenhöfe bei Vent sind die höchst gelegenen ganzjährig bewirtschafteten Bergbauernhöfe Österreichs. Foto: Tirol Werbung / Bernhard Aichner

Ole Zimmer

Ole Zimmer wohnt in München – und ist so oft es geht in Bergen. Obwohl seine erste und bis heute große Sport-Leidenschaft Rugby ist, begeistert sich der freie Journalist für viele Tirol-Themen – von Skitouren und Mountainbiken bis zu den Feinheiten alpiner Küche.

Zum Autor »

1 Kommentar

kubi

Ich liebe sie!

nach oben
nach unten