Hochzeit auf dem Berg

Aktualisiert am 14.08.2019ChristinaChristina
Johanna & Lennart, Hochfügen

Viele Brautpaare haben den Wunsch, beim Ja-Wort unter sich zu sein, weit weg vom Trubel einer Hochzeistgesellschaft. Einsame Strände im Süden sind sehr beliebt, das ist bekannt. Aber nicht nur das Meer, auch der Berg ist ein besonderer Kraftplatz für ein Hochzeitsritual. Eine sehr schöne Alternative, die immer mehr Gefallen findet.

Elisa & Claudio, Zillertal

Vor mir sitzen Tanja und Andreas. Sie sind Hochzeitsplaner, Fotografen und Filmer. Die jungen Tiroler haben schon über 150 Hochzeiten ausgerichtet. Ihre Spezialität ist die Organisation von Hochzeitsritualen am Berg. Dabei kümmern sich die „Blitzkneisser“, wie sich die beiden nennen, auch um alles andere, was es bei Hochzeiten zu organisieren gibt. Das macht Sinn, denn viele ihrer Kunden kommen nicht aus Tirol und reisen in der Regel nur einmal an. An dem Tag, an dem sie heiraten.

Tanja, und Andreas, wie darf man sich eine Hochzeit am Berg vorstellen?

„An einer besonderen Stelle am Berg, meist ganz oben am Gipfel, gibt sich das Brautpaar das Jawort. Wir sind nur zu viert, das Paar und wir beide mit den Kameras. Hier geht es rein darum, sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einem außergewöhnlichen und stimmungsvollen Rahmen die Ehe zu versprechen. Es ist ein Ritual, kein amtlicher Akt. Der Gang zum Standesamt wurde im Vorhinein schon erledigt.“ erklärt Tanja.

Das heißt, man feiert ohne Freunde und Verwandte?

„Nein, wie man die Hochzeitsfeier ausrichten möchte, ist davon unabhängig. Wir fahren mit dem Paar auf den Berg, meist ganz in der Früh oder abends, wo das Licht am schönsten ist. Ein Stück gehen wir auch zu Fuß. In unserer Weddingplanung wird diese Zeit mit kalkuliert.“ meint Andreas. „Die Hochzeitsfeier findet danach im Tal statt, mit allen lieben Menschen, die das Paar dabei haben möchte. Oder das Paar feiert alleine, manche Paare reisen auch wieder ab. Das ist individuell verschieden.“

Vanessa & Hannes, Hafelekar

Organisiert ihr wirklich alles?

„Ja, von A bis Z. Restaurant, Musik, Braustrauß, Friseur, Dekorationen, Genehmigungen, Transportmittel, auch die Ausstattung der Brautleute, falls gewünscht. In Tirol gibt es viele tolle Dienstleister, die haben, was gebraucht wird. Viele Paare kommen aus dem Ausland. Wir hatten beispielsweise schon ein Paar aus New York. Da ist es eine große Erleichterung, wenn wir alles in die Hand nehmen und sie nur einmal anreisen müssen.“ meint Tanja.

Wie läuft das Ganze ab? Von der Anfrage bis zur Hochzeit?

„Ist das Paar nicht in Tirol zu Hause, führen wir ein ausführliches Erstgespräch über Skype oder Facetime. Es ist wichtig, dass wir uns gegenseitig kennen lernen. Wir wollen spüren, was dem Paar wichtig ist. Genauo wichtig ist uns gegenseitige Sympathie. Die Chemie muss passen, weil nur Vertrauen zueinander einen reibungslosen Ablauf ermöglicht. Die Wünsche des Brautpaars werden aufgenommen, Vorschläge gemacht, die Details besprochen. Durch die enge Abstimmung und den häufigen Austausch werden wir fast immer so etwas wie Freunde für das Paar, was sehr schön ist.“ erklärt Andreas. „Wir sind sogar Taufpaten vom Erstgeborenen eines unserer Paare geworden, was ein großes Kompliment für uns ist.“ erzählt Tanja gerührt. Tanja macht neben den Hochzeiten übrigens auch entzückende Fotos von Neugeborenen.

Michelle & Daniel, Blaser

Auf welchen Bergen Tirols seid ihr schon gewesen?

Andreas überlegt. „In den Zillertaler Alpen oder am Blaser beispielsweise. Auf dem Hafelekar auf über 2.300 Meter ist es besonders im Winter sehr stimmungsvoll.“

Im Winter?

„Ja, das wird immer beliebter. Im Winter ist die Stimmung besonders emotional. Der Winter bietet mehr Dramatik und Mystik.“

Schnee, Kälte, Wind? Und das im Hochzeitskleid?

„Das war bis jetzt nie ein Problem. Oft haben wir entsprechendes Schuhwerk für das Paar dabei, heißen Tee und Handwärmer. Das Hochzeitskleid kommt in den Rucksack. Vor Ort wird dem Paar schon allein vom Auf- und Ablaufen wam, während wir drehen und Fotos machen. Und in Wartezeiten wärmt der Bräutigam die Braut oder umgekehrt.“

Elena & Roberto, Nordkette

Ist eine Hochzeit schon einmal ins „Wasser“ gefallen?

Tanja und Andreas überlegen kurz. „Nein, noch nie. Wenn Gewitter gemeldet waren, wurde das Ritual einfach auf einen anderen Zeitpunkt des Tages verschoben oder am Vortag gemacht. So viel Flexibilität lässt unsere Planung zu. Es ist oft sehr viel spannender von den Aufnahmen her, wenn das Wetter nicht gut ist. Ungetrübter Sonnenschein wirkt oft weit weniger emotional. Bisher konnten wir alle Hochzeitspaare diesbezüglich beruhigen und im Endeffekt begeistern.“ Die Fotos und Videos zu den Blogs auf ihrer Homepage geben ihnen Recht.

Wie sieht es aus mit der Kondition? Vermutlich sind nicht alle Paare sportlich.

„Wir klären im Vorfeld mit dem Paar, wie viel Kondition man braucht. Wenn die Kondition fehlt, wählt man einen anderen Berg, wo man nicht so weit gehen muss, wie zum Beispiel den Fügenberg. Da können wir mit entsprechender Genehmigung fast genau bis zu dem gewünschten Platz fahren. Somit ist für nahezu alle ein Hochzeitsritual am Berg möglich.“

Was sind eure aufregendsten Erfahrungen?

Andreas fällt hier sofort ein Spezialauftrag ein. „Bei einem Paar aus Deutschland waren der gewünschte Berg und die Hochzeitsfeier so weit von einander entfernt, dass die Wege von einem zum anderen Ort viel zu viel Zeit in Anspruch genommen hätten. Wir haben kurzfristig einen Hubschrauber organisiert, was natürlich cool war. Im Prinzip ist aber jede Hochzeit ein Erlebnis, wir freuen uns über jede einzelne, die wir organisieren dürfen.“ Tanja nickt zustimmend.

 

Über die Blitzkneisser:

Tanja und Andreas kennen sich seit Kindheitstagen, sind schon lange ein Paar und haben vor kurzem selbst geheiratet.
Sie leben, was sie anderen Paaren ermöglichen.

Wer sich jetzt für eine Hochzeit auf dem Berg interessiert, findet alle weiteren Informationen und Kontaktmöglichkeiten auf ihrer Homepage: Blitzkneisser

Oder folgt Ihnen auf Instagram: instagram.com/blitzkneisser_foto

Christina

Mit ihrem Blick für Details erkundet Christina Schwemberger Land, Stadt und Leute und bringt die Eigenheiten der Tiroler mit einem Augenzwinkern auf den Punkt.

Zum Autor »

Keine Kommentare

nach oben
nach unten