Ask a local: Wildschönau

Aktualisiert am 30.09.2019KlausKlaus
Christine Silberberger aus Auffach ist mit Leib und Seele Wildschönauerin.

Wo kann man besonders gut essen? Welche Ausflugsziele lohnen sich? Welchen Gipfel muss man unbedingt bezwingen? „Ask a local“ ist eine Serie, in der uns Einheimische ihre Lieblingsplätze in ihrem Heimatort verraten. Heute an der Reihe: Christine Silberberger aus der Wildschönau.

Tipp 1: Großer Beil

Teuflische Sagen, ein Brunnen voller Bier und preisgekrönter Käse

Audio: Christine Silberberger über die Tour auf den Großen Beil.

Einer meiner Lieblingsgipfel ist der „Große Beil“ in meinem Heimatort Auffach. Mit 2.309 Metern ist er der höchste Berg der Wildschönau, die Tour ist aber für durchschnittliche Wanderer gut zu bewältigen. Zunächst fahrt ihr zur Schönangeralm, ganz hinten im Tal. Das Gasthaus könnt ihr ganzjährig mit dem Auto erreichen und auch die Wildschönauer Bummelbahn macht hier Halt.

Die Tour beginnt sanft, vorbei an der „Kundl Alm“.

Dann geht es zu Fuß in Richtung Kundl Alm. Bald kommt ihr auf den Kasten-Steig – das ist ein eher anspruchsvoller Abschnitt durch den Wald. Achtung, hier kann es ein bisschen rutschig werden!

Kurz vor dem Ende des Waldstückes hört ihr schon den Gressenstein-Wasserfall rauschen. Nach links führt ein kurzer Abstecher zum etwas versteckt liegenden Wasserfall.

In der Wildschönau halten wir bis heute den Brauch des Sagen-Erzählens lebendig. Auf der Tour kommt ihr schon bald an einem „sagenhaften“ Ort vorbei, dem Glockhausstein. Der Teufel höchstpersönlich soll den großen Felsen an diese Stelle geworfen haben.

Vom Teufel persönlich hingeschleudert: Der Glockhausstein.

Danach gelangt ihr in ein schönes Almgebiet namens Gressensteinalm. Dort ist die Landschaft fast ein bisschen untypisch für die Wildschönau, weil dort viele Steine liegen. Ihr kommt zu einer alten, verwitterten Almhütte, wo es sehr angenehm zum Ausruhen ist.

Auf der Alm gibt es keinen Ausschank, aber ihr könnt euch ein Bier oder eine Limonade aus dem Brunnen fischen. Dafür wirft man einen kleinen Unkostenbeitrag in die Kassa, das ist bei uns eine Selbstverständlichkeit.

Ein uriger Rastplatz: Die Gressensteinalm.

Selbstbedienung aus dem „Naturkühlschrank“. Ein paar Euro in die Kassa zu werfen, ist Ehrensache.

Oberhalb der Gessensteinalm befindet sich der Große Beil. Der Berg trennt die Wildschönau vom westlich gelegenen Alpbachtal. Der Gipfel ist es auf jeden Fall wert, dass ihr nach einer Rast noch ein Stück weiterwandert. Nach dem Almengebiet zweigt sich der Weg und ihr geht dort nach rechts immer weiter aufwärts auf einem steinigen Weg.

Auf einer ersten Ebene ist es ein bisschen sumpfig, bald kommt ihr aber an vielen Heidelbeersträuchern vorbei. Auf der nächsten Hochebene sind ein paar kleine „Lacken“, also Bergteiche. Ab dort geht es steil bergauf bis zum Gipfelkreuz auf 2.309 Metern.

Bergteiche auf dem Weg zum Hohen Beil.

Gipfelkreuz des Hohen Beil auf 2.309 Metern Seehöhe.

Wer eine größere Tour machen will, kann auch über das Sonnjoch zurückwandern. Der Zielpunkt ist der Alpengasthof Schönangeralm. Dort gibt es gutes, typischen Essen und vor allem ausgezeichnete Kuchen.

Ihr müsst unbedingt auch in der Käserei vorbeischauen! Dort arbeitet der Käser-Meister Johann, der schon viele Preise gewonnen hat.

Käser-Meister Johann Schönauer stellt preisgekrönten Almkäse her.

Die Schönangeralm ist der Ausgangs- und Zielpunkt für viele Wanderungen in der hinteren Wildschönau.

Wanderung auf den Großen Beil

Ausgangspunkt: Schönangeralm 1.170 m

Endpunkt: Großer Beil 2.309 m

Gehzeit: 3,5 Stunden

Höhenmeter: 1.100 Höhenmeter

Schwierigkeit: mittel

Tipp 2: Kragenjoch

Krautinger, Schmalznudeln und die perfekte Familienwanderung

Audio: Christine Silberberger über die Wanderung aufs Kragenjoch.

Mein zweiter Tipp ist das Kragenjoch, das ist die perfekte Familienwanderung. Vom Dorfzentrum Oberau aus wandert ihr zum Bauernhof „Boarstadl“. Bald erreicht ihr auf einem schönen Forstweg die Achentalalm. Die kleine, urige Alm ist bekannt für ihre traditionellen Speisen.

Während der Almsaison gibt es jeden Mittwoch eine besondere Spezialität: Kiachl heißen bei uns „Schmalznudeln“ und werden mit Apfelmus oder Bohnensuppe gereicht. Diese Kombination ist eine der vielen Besonderheiten in der Wildschönau. Ihr müsst aber auf jeden Fall rechtzeitig kommen, sonst gibt es keine „Nudeln“ mehr und Bohnensuppe schon gar nicht.

Die Achentalalm ist nur im Sommer bewirtschaftet.

Schmalznudeln mit Bohnensuppe – eine Spezialität der Wildschönau.

Solltet ihr zu viele Schmalznudeln gegessen haben, gibt es eine besondere „Medizin“ für den Magen bei uns: Den Krautinger. Dieser Schnaps wird aus der weißen Stoppelrübe gebrannt und ist ein richtiges Unikum, den gibt es wirklich nur hier in der Wildschönau.

Die Qualität ist in den letzten Jahren sehr gut geworden und ich persönlich mag ihn lieber als einen Obstler, weil er einfach milder ist. Ich finde, man ist nicht in der Wildschönau gewesen, ohne einen Krautinger probiert zu haben.

Muss man probiert haben: Krautinger, gebrannt aus der Stoppelrübe.

Nach der Stärkung in der Achentalalm geht ihr über Wiesen hinauf auf das Kragenjoch auf 1.390 Metern. Besonders schön ist der Blick auf das Inntal, bei guter Fernsicht sieht man bis zur Festung Kufstein. Für uns Einheimische ist das Kragenjoch ein beliebtes Ziel, wenn man sich nach einem langen Arbeitstag noch ein bisschen auspowern will.

Gipfelkreuz auf dem Kragenjoch.

Wanderung aufs Kragenjoch

Ausgangspunkt: Oberau 659 m

Endpunkt: Kragenjoch 1.390 m

Gehzeit: 3,5 Stunden

Höhenmeter: 600 Höhenmeter

Schwierigkeit: leicht/mittel

Fotos & Tipps: Christine Silberberger, Wildschönau

Klaus

Nach beruflichen Jahren in Übersee erkundet Klaus Brunner mit Kamera und Mikrofon seine alte Heimat Tirol. Home is where your heart is.

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