Nationalpark Hohe Tauern: Eine bewegte Geschichte

19.09.2019KlausKlaus
Steinböcke im Nationalpark Hohe Tauern.

Der Nationalpark Hohe Tauern ist das größte Naturschutzgebiet Österreichs und die Heimat Tausender Arten, die anderswo längst verschwunden sind. Dass es ihn in dieser Form in Tirol gibt, ist keine Selbstverständlichkeit.

Osttirol gilt als einer der ursprünglichsten und schönsten Flecken des Landes. Wälder, ungezähmte Flüsse, Bergseen und einige der höchste Gipfel Österreichs prägen das Gesicht der Region. „Doch die Unberührtheit war in Gefahr“, erzählt Carola Trojer aus Matrei. Die Mitdreißigerin arbeitet als Rangerin im Nationalpark Hohe Tauern.

Carola Trojer ist Rangerin im Nationalpark.

Steinadler in Osttirol.

Staudamm vs. Naturlandschaft

Ein Rückblick: Bei Kals soll in den 1980er Jahren der größte Staudamm Österreichs entstehen. Die Gletscherbäche des Dorfertales bieten ein enormes Potenzial zur Energiegewinnung. Die einen versprechen sich sauberen Spitzenstrom und zahlreiche Arbeitsplätze in einer strukturschwachen Region. Die anderen wollen sanften Tourismus und den Erhalt der einzigartigen Naturlandschaft. Die Politik ist gespalten und selbst durch viele Familien geht ein Riss.

Nach jahrelangem Tauziehen regt sich zunehmend Widerstand gegen das Großprojekt. Schließlich setzen sich die Naturschützer durch und die Kraftwerks-Pläne werden fallen gelassen. Genau 30 Jahre ist das nun her. Zeitgleich hatten die angrenzenden Bundesländer Kärnten und Salzburg bereits Schritte für einen Nationalpark nach US-Vorbild gesetzt. Doch es soll noch bis 1992 dauern, bis mehr als ein Viertel der Fläche Osttirols dem Nationalpark Hohe Tauern zugesprochen wird.

Das Alpen-Murmeltier ist allgegenwärtig im Nationalpark.

Audio: Carola Trojer über den sorgsamen Umgang mit der Natur.

„Die Natur ist mein Klassenzimmer“ sagt Carola Trojer.

Forschung und Artenschutz

Heute ist der Nationalpark das größte Schutzgebiet Österreichs und genießt internationales Renommee. Der Park gliedert sich in eine Außenzone, in der traditionelle Almwirtschaft betrieben wird, eine Kernzone und ein Wildnisgebiet, das frei von menschlichem Einfluss ist. Zu den wichtigsten Aufgaben des Parks gehören Forschung, Artenschutz und Bewusstseinsbildung.

Früher wollte Carola Lehrerin werden, jetzt habe sie ohnedies den „besten Job der Welt“, wie sie meint. Als Rangerin führt sie Besuchergruppen mit Fernglas und viel Hintergrundwissen durch den Nationalpark. Dafür braucht es – neben einer fundierten Ausbildung – eine gute Kondition und viel Liebe zur Natur. Die Osttirolerin ist Spezialistin für die „Big 5 der Alpen“: Steinböcke, Gämsen, Murmeltiere, Steinadler und Bartgeier.

Der Nationalpark Hohe Tauern ist das größte und älteste Schutzgebiet Österreichs.

Daten und Fakten zum Nationalpark

Gründung: 1981

Fläche: ca. 2 x so groß wie Berlin (1.800 km²)

Bundesländer: Tirol, Salzburg, Kärnten

Tierarten: 10.000

Pflanzenarten: 1.800

Höchster Berg: Großglockner (3.798 Meter)

Gletscher: 342

Wasserfälle: 26

Bergseen: 550

Die Gämse – eine der „Big 5“ der Alpen.

Arche Noah für seltene Arten

„Oft staunen die Kinder, wie groß die Hörner des Steinbocks sind“, schmunzelt Carola. Seltene Spezies, die anderswo längst verschwunden sind, haben im Nationalpark ihr letztes Refugium. Der Bartgeier etwa gehört zu den größten Vögeln der Welt und wurde erst 1986 wieder in den Hohen Tauern angesiedelt. Manchmal braucht es jedoch einen geschulten Blick, um die Schätze der Natur zu entdecken. „Es ist schön, wenn die Leute sagen: Das hätte ich allein nie gesehen“, findet die Rangerin.

Audio: Carola Trojer über das „Junior Ranger“-Programm im Nationalpark Hohe Tauern. 

Von klein auf Umweltschützer

Besonders den Kleinsten möchte Carola zeigen, wie wichtig eine intakte Umwelt ist. „Wir müssen dafür sorgen, dass auch unsere Enkelkinder noch ein schönes Plätzchen auf der Erde haben“. Um dieses Bewusstsein zu schaffen, gehen die Ranger auch in die Schulen Osttirols und die Kinder können sich in den Sommerferien als „Junior-Ranger“ bewerben. Das Schutzgebiet ist frei zugänglich, bietet aber auch geführte Touren, Schneeschuhwanderungen, Vorträge und Ausstellungen an. All das ist keine Selbstverständlichkeit. Beinahe wäre hier nicht Österreichs größter Nationalpark, sondern die höchste Staumauer des Landes entstanden.

Fotos: Solvin Zankl/Bert Heinzlmeier/Gunther Gressmann/Hannah Assil/Andreas Angermann

Klaus

Nach beruflichen Jahren in Übersee erkundet Klaus Brunner mit Kamera und Mikrofon seine alte Heimat Tirol. Home is where your heart is.

Zum Autor »

Keine Kommentare

nach oben
nach unten