Wie kommt das Kreuz auf den Gipfel?

22.10.2019KlausKlaus
Ort: Innsbruck

Ein Gipfelsieg ohne Gipfelkreuz? Für viele Bergsteiger in Tirol ist das unvorstellbar. Doch wieso steht hierzulande eigentlich auf beinahe jedem Gipfel ein Kreuz?

„Für mich sind sie ein Zeichen der Verbundenheit mit allen, ganz egal welcher Weltanschauung oder Religion“, sagt Bischof Hermann Glettler bei der Segnung des Gipfelkreuzes auf dem Glotzen, dem Hausberg von Wattens. Aufgestellt wurde das Kreuz 1958 von einer Pfadfindergruppe, 60 Jahre später wurde es erneuert. Doch seht selbst…

Video: Ein Gipfel, zwei Generationen. Wie das Kreuz auf den Glotzen kam.

Eine alte Tradition

Vorläufer des Gipfelkreuzes waren Wetterkreuze, deren Geschichte sich in Tirol bis ins Mittelalter zurückverfolgen lässt. Solche Kreuze sollten Gewitter, Sturm und Hagel fernhalten und markierten gleichzeitig auch die Grenzen von Almen oder Gemeinden.

Gipfel in Kals am Großglockner. Foto: Bernhard Aichner

Symbol der Dankbarkeit

Die heute bekannten Gipfelkreuze entstanden im 19. Jahrhundert, als der Alpinismus in Mode kam. 1799 wurde am Kleinglockner das weltweit erste Kreuz auf einem Gipfel errichtet.

Viele Kreuze wurden nach Erstbesteigungen aufgestellt und wurden – ganz im Sinne der Aufklärung – mit Blitzableitern und wissenschaftlichen Messinstrumenten versehen.

Nach den Weltkriegen im 20. Jahrhundert erlebte die alte Tradition eine neue Blüte. Zum Dank für die gesunde Wiederkehr entstanden im gesamten Alpenraum zahlreiche Gipfelkreuze.

Gipfelbuch auf dem Rosskopf in Kramsach. Foto: Paul Kranzler

Ohne Vereine keine Gipfelkreuze

Seitdem gehört zu jedem Gipfelkreuz auch ein Gipfelbuch, in dem sich Bergfexe verewigen können. Die Initiative zur Errichtung geht meistens von Vereinen aus, etwa dem Alpenverein, Schützenkompanien oder der Bergrettung.

Inzwischen ist so manches Kreuz in die Jahre gekommen und muss erneuert werden. Dafür schleppen bis heute junge Männer die schweren Holzbalken auf den Berg. Doch bei aufwändig gestalteten Gipfelkreuzen oder schwer begehbaren Bergen kommt schon mal ein Hubschrauber zum Einsatz.

Wimbachkopf im Zillertal. Foto: Frank Bauer

Spiritualität im Wandel

Eine neuere Entwicklung ist das Behängen der Gipfel mit buddhistischen Gebetsfahnen. Dieser Brauch wurde von Bergsteigern nach Tirol gebracht, die Touren im Himalaya absolviert hatten.

Für viele Alpinisten haben Gipfelkreuze nach wie vor eine spirituelle Bedeutung. Für andere sind sie schlicht ein Symbol für das Erreichen ihres Zieles. Ihr merkt: Die Geschichte bleibt nicht stehen.

Klaus

Nach beruflichen Jahren in Übersee erkundet Klaus Brunner mit Kamera und Mikrofon seine alte Heimat Tirol. Home is where your heart is.

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