Wochenend-Fahrverbote in Tirol: Hintergründe

Aktualisiert am 28.01.2020RosannaRosanna
Die Autobahn im Wipptal.

Im Sommer 2019 wurden sie erstmals umgesetzt, nun bringen sie auch im Winter Entlastung für die Bevölkerung: Die temporären Wochenend-Fahrverbote auf ausgewählten Tiroler Straßen. Für die Anwohner – etwa im Wipptal oder in Kufstein – eine essenzielle Maßnahme gegen massive Staus im Ort. Gleichzeitig sorgen die Sperren für Verunsicherung bei Gästen: Was bedeuten sie für die Anreise?

Was sollen die Fahrverbote bringen?

Vor allem sollen die Wochenend-Fahrverbote die Anwohner an bisher hochfrequentierten Ausweichrouten entlasten. Für den Durchreiseverkehr gesperrt werden ausschließlich Teilstücke niederrangiger Straßen – das heißt: Dörferstraßen und Ortsdurchfahrten.

So soll der Verkehr auf Autobahnen gelenkt werden, um massive Staus in den Ortschaften zu vermeiden. Diese Sperren gelten für Gäste und Nicht-Anrainer aus anderen Teilen Tirols gleichermaßen und sind ausschließlich auf die Wochenenden in der Winter- bzw. Sommersaison beschränkt. Aktuell gelten die Fahrverbote noch bis 13. April 2020 an Samstagen von 7 bis 19 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 17 Uhr.

Die Zufahrt zu allen Tiroler Skigebieten ist jederzeit möglich.

Wer darf trotzdem fahren?

Weiterhin genehmigt ist natürlich Anrainerverkehr sowie Ziel- und Quellverkehr. Das heißt: Wenn ich zum Beispiel ein Hotel im Ort gebucht habe, in ein Skigebiet will oder zu einem Restaurant oder zu Freunden möchte, sind diese Fahrten erlaubt.

Wie kann ich beweisen, dass ich nicht auf der Durchreise bin?

Viele der temporären Straßensperren werden von der Exekutive kontrolliert: Sie leitet Autofahrer, die von der Autobahn abfahren, wieder zurück. Wie mache ich also glaubhaft, dass ich abfahren möchte? Zu dieser Frage haben wir bei der Abteilung Verkehrsrecht des Landes Tirol nachgefragt:

Wichtig ist, sein Ziel plausibel darzustellen. Habe ich also ein Hotel gebucht, kann ich die Buchungsbestätigung zeigen. Für Kurzbesuche sollte ich Name und Adresse des Ziels kennen. Ist ein Tagesauflug – etwa zum Skifahren oder Langlaufen – geplant, zeigt auch die Ausrüstung, dass man ein bestimmtes Ziel anfährt. Nach dem Besuch muss ich wieder auf die Autobahn zurückkehren.

In vielen Orten – wie hier in Matrei – hieß es regelmäßig: Nichts geht mehr. Mit den Sperren hat sich das geändert.

Warum sind diese Sperren für die Anwohner wichtig?

Stellt euch vor: In eurem Dorf ist jedes Wochenende so viel Durchreiseverkehr, dass es mit dem Auto kein Durchkommen mehr gibt. Nicht zum Einkaufen, nicht für Fahrten zum Recyclinghof oder zur Kirche, nicht einmal für Notfallfahrzeuge.

Mit genau dieser Situation war Miriam Kirchmair aus Pfons im Wipptal konfrontiert. Die Gemeinde ist besonders in den Sommermonaten von Durchreiseverkehr nach Italien betroffen: Ist auf der Autobahn Stau, folgen die Autofahrer ihren Navis bis zu den schmalsten Straßen durch den Ort – und nichts geht mehr.

„Selbst die Rettung steht im Stau“

„An einem dieser Tage ist meine kleine Tochter gestürzt und hat sich verletzt. Notarzt und Rettungswagen wurden gerufen. Wir wollten sie in die Kinderklinik nach Innsbruck bringen“. Doch der Weg dauerte durch den Verkehr doppelt so lang wie üblich. „Da bin ich schon sehr nervös geworden“, erinnert sich Kirchmair.

Zum Glück hat die Tochter den Unfall gut überstanden, der Ärger über die schwierige Situation ist aber geblieben. Seit der Einführung der Fahrverbote im Sommer 2019 hat sich die Lage für die Anwohner im Wipptal nun verbessert. „Gottseidank gibt es jetzt Erleichterung.“

Auch Kufstein ist vom Ausweichverkehr geplagt: Hier sollen Fahrverbote und Dosierampeln die Situation verbessern.

Ähnlich ist der Zustand auch in Kufstein: Die Stadt an der Tiroler Landesgrenze ist in den Hauptreisezeiten stets von Staus betroffen – auch weil viele Autofahrer Ausweichrouten durch die Stadt suchen und verkehrsberuhigte Zonen, Einbahnstraßen und Engstellen verstopfen. „Wenn man am Wochenende aus Kufstein hinein- oder hinausfahren möchte, steht man vor einem großen Problem“, erzählt Dr. Ursula Klein. Sie lebt mit ihrer Familie im Stadtzentrum. Unter der Woche kann sie – glücklicherweise – auf das Auto verzichten, am Wochenende müssen Fahrten aber sehr genau geplant werden.

„Losfahren muss man immer vor acht Uhr früh.“ Seit Dezember 2019 wird in Kufstein versucht, mit Fahrverboten und Dosierampeln Abhilfe zu schaffen. Dr. Ursula Klein wünscht sich noch stärkere Kontrollen, damit die Fahrverbote von allen eingehalten werden. Sie hofft zukünftig auf mehr Verständnis für die Lage der Anrainer: „Ich kann verstehen, dass sich Gäste ärgern, wenn sie im Stau auf der Autobahn stehen. Wir sind jedoch mit dieser Situation nicht nur einmal konfrontiert, sondern jedes Wochenende.“

Die Wochenend-Fahrverbote auf einen Blick:

Wann: An Sonn- und Feiertagen von 8 – 17  Uhr

Wo: An Landesstraßen bzw. dem niederrangigen Straßennetz in den markierten Regionen

Wer: Durchreiseverkehr

Rosanna

Rosanna Battisti fährt gerne weg und kommt gerne wieder – vor allem im Winter, wenn die Skipisten rufen.

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2 Kommentare

Angels

Coole Artikel!

Jürgen Weppler

Ich kann die Maßnahmen absolut verstehen.
Wenn ich dort wohnen würde, wäre ich auch nicht glücklich.

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