„Restaurants on the Edge“ – Von Pettneu ins Netflix-Universum

Aktualisiert am 02.03.2020RosannaRosanna
Aus dem Gasthof Edelweiß haben Miriam und Dave ihr Wunsch-Hostel gemacht.

13 Standorte weltweit, 13 in die Jahre gekommene Restaurants und 13 besondere Geschichten: Das ist das Konzept der neuen Netflix-Show „Restaurants am Abgrund“, die ab 28.02.2020 ausgestrahlt wird. Mit dabei: Miriam und Dave aus Pettneu am Arlberg. Sie erzählen, wie es ist, wenn plötzlich das Netflix-Team anrückt.

Wie reagiert man, wenn das Telefon klingelt und plötzlich die Frage auftaucht: Wollt ihr bei einer internationalen Netflix-Show über Restaurants mitmachen? „Ich war ziemlich unfreundlich. Mit so einem Anruf habe ich gar nicht gerechnet. Ich dachte, die wollen mir irgendwas verkaufen“, sagt Miriam Scherl. „Zum Glück hat sich das Missverständnis schnell geklärt.“ Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten David Bradley führt Miriam das Arlberg Boutique Hostel mit Café und Restaurant in Pettneu am Arlberg – und ist ab Ende Februar in „Restaurants on the Edge“ zu sehen.

Dave Bradley und Miriam Scherl öffneten ihre Türen für Netflix.

Beworben haben sich die beiden dafür nicht. „Das Produktionsteam hat den Tourismusverband in St. Anton am Arlberg angeschrieben, als sie auf Standortsuche waren. Gleichzeitig hat das Netflix- Team aber selbst recherchiert und sie sind auf uns und unsere Geschichte aufmerksam geworden, “ sagt Miriam.

Vom Gasthof zum Boutique-Hostel

Die Tirolerin und der gebürtige Australier, den alle nur Dave nennen, haben sich mit dem eigenen Betrieb einen langgehegten Traum erfüllt. 2017 kauften sie den alteingesessenen Gasthof Edelweiß in Miriams Heimatort Pettneu. Aus dem Gastgewerbe kommt keiner der beiden, auch in der Familie gibt es keine Hotel- oder Pensionsbesitzer. „Das ist in einem Tourismusort schon eher ungewöhnlich, denn meist ist es so, dass ein Hotel innerhalb der Familie weitergegeben wird“, weiß Miriam. „Jeder hat uns gesagt, ihr seids ja verrückt.“

Die Pension Edelweiß in Pettneu am Arlberg wurde bei „Restaurants on the Edge“ aufgemöbelt.

Doch Miriam und Dave lassen sich nicht verunsichern und eröffnen im Sommer 2017 ihr Boutique Hostel. Zusätzlich zu den Zimmern richten sie in zwei alten Stuben ein kleines Café ein. Der Stil: Upcycling, Vintage, Selbstgemachtes und viel Liebe zum Detail. „Wir haben zwei Stadel voll alter Möbel und Fundstücke von Flohmärkten oder alten Wohnungen“, sagt Miriam. Die ersten Saisonen sind harte Arbeit: Eine „richtige Rollercoasterfahrt mit viel Auf und Ab“ sei es bis jetzt. „Wir haben viele Fehler gemacht“,  erzählt Dave in breitem Dialekt und mit australischem Akzent. „Machen wir immer noch“, lacht Miriam.

Das ungeliebte Restaurant

Die größte Herausforderung wartete allerdings im Untergeschoss: Das Restaurant und die Bar. Räume in klassischem 60er und 70er-Jahre-Stil, vergilbte Wände, wenig Charme. „Das war sogar für uns zu schräg“, sagt Dave. „Aber wir kamen nie dazu, das Restaurant richtig zu renovieren.“ Und so kam Netflix ins Spiel.

Das Restaurant, bevor das Netflix-Team eintraf. „Es war einfach veraltet“, sagt Dave.

Für „Restaurants on the Edge“ wurden in Europa, Asien und Lateinamerika Restaurants mit außergewöhnlichem Standort und besonderem Panorama gecastet. Gleichzeitig steht „on the Edge“ im Englischen auch dafür, dass die vorgestellten Betreiber mit Herausforderungen konfrontiert sind, für die sie Unterstützung benötigen. Um die in die Jahre gekommenen Restaurants zu retten und ihnen eine Rundum-Erneuerung zu verpassen, rücken drei ExpertInnen an: Nick Liberato, Restaurant-Betreiber, Unternehmer und Koch, der in L.A. bereits zahlreiche Betriebe erneuert hat, Starkoch Dennis Prescott, der als kanadischer Jamie Oliver gilt und Interior-Designerin Karin Bohn.

Das Restaurant nach dem Make-over. „Die Küchenkredenz ist noch von meiner Oma“, sagt Miriam.

Vom Entlein zum Schwan

Ab dem überraschenden Netflix-Anruf im Juni 2019 ging alles ganz schnell: Es folgten Skype-Interviews und schon im Juli 2019 kam mit der Organisatorin Laura eine erste Vorhut von Netflix nach Pettneu. Sie lernte Miriam und Dave, ihr Haus und ihre Philosophie persönlich kennen und fing dann an, den Umbau zu planen. Eine echte Mammut-Aufgabe, denn für die gesamte Renovierung waren nur drei Tage eingeplant. Im Eiltempo organisierte sie Firmen und Handwerker aus der Umgebung, die im Rahmen des Netflix-Budgets alle Arbeiten erledigen konnten. Als dann Mitte Juli das gesamte Produktionsteam mit Bus und LKW in Pettneu ankam, war das Interesse und der Auflauf groß: „Wir mussten am Anfang eine Vereinbarung unterschreiben, dass wir nichts verraten dürfen. Aber dann ist das Team mit so viel Trara angerückt, dass jeder Bescheid wusste – in so einem kleinen Dorf!“, erinnert sich Miriam.

Lebhafte Erinnerung an den Dreh: „Es war ein Wahnsinn, wie schnell alles umgesetzt wurde.“

„Es hat nur mehr gekracht“

Ab dann wurde gehämmert, gemalen, gepolstert und umgebaut. Miriam und Dave durften das Ergebnis erst ganz am Ende sehen. „Es war brutal, was die Leute geschafft haben, in der kurzen Zeit und unter diesen Vorraussetzungen. Es hat nur gekracht da unten im Restaurant“ sagt Dave. „Wir konnten uns ja eigentlich nicht einmischen. Aber das Team hat uns und unseren Stil komplett verstanden und sich auch daran orientiert.“

Nach dem Umbau war die Überraschung und die Freude groß: Das Restaurant ist jetzt modern, einladend und mit besonderem Twist. „Unsere Leidenschaft, das Upcycling und alte Vintage-Möbel, wurde ins Konzept aufgenommen.“ So hängen an der Decke nun Lampen, die aus alten Skiern und Holzskistöcken bestehen, kitschige Bilder aus dem Dachboden von Miriam und Dave wurden kunstvoll übermalt, grüne Wände zieren das Restaurant und kuschelige Holzschafe dienen als Hocker. Doch nicht nur die Einrichtung wurde von den drei ExpertInnen unter die Lupe genommen, Miriam und Dave erhielten auch Hilfe in Sachen Marketing, PR und Hotelorganisation sowie in der Küche.

Außergewöhnliche Details zieren jetzt das Restaurant.

Pettneu als Lieblingslocation

„Für uns war die Produktionszeit extrem lehrreich“, sagen beide. „Nicht nur vor der Kamera, vor allem auch im Hintergrund haben wir so viele Tipps von den drei bekommen.“ Und auch Nick, Dennis und Karin schienen begeistert: „Sie haben ständig gesagt, die Location hier in Tirol sei ihr Favorit. Ehrlich gesagt, dachten wir, das sei typisch amerikanische Höflichkeit.“ Doch vor kurzem hat Nick Liberato im US-TV ein Interview gegeben. „Auf die Frage, wo es ihm bei der Produktion am besten gefallen hat, kam wie aus der Pistole geschossen: Austria.“

Fotos: Maria Kirchner

 

Rosanna

Rosanna Battisti fährt gerne weg und kommt gerne wieder – vor allem im Winter, wenn die Skipisten rufen.

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