Schwünge für die Ewigkeit: Sportfotograf Josef Mallaun im Portrait

13.02.2020ChristinaChristina
Freerider am Galzig in St. Anton am Arlberg, im Hintergrund der Patteriol

Der Tiroler Fotograf Josef Mallaun hält auf seinen Fotos Skifahrer fest, die wagen, wovon andere nur träumen. Auch wenn ich weiß, dass ich nie so gut Ski fahren werde wie die Akteure auf diesen Fotos, würde ich mich am liebsten gleich auf die Ski stellen und losdüsen. Ich habe Josef gefragt, wie er zur Fotografie am Berg gekommen ist. Und wie die Bilder entstehen, die so viel Lust aufs Skifahren machen.

Eine spektakuläre Tiefschnee-Abfahrt über St. Christoph am Arlberg

Vom Skiführer zum Bergfotografen

Josef ist in Strengen am Arlberg auf einem Bergbauernhof aufgewachsen. Im Winter dienten die Ski oder die Rodel als Transportmittel zur Schule ins Tal. Das machte ihm nichts aus, er liebte es schon immer, draußen unterwegs zu sein. Die Lehre zum Zimmermann machte ihm große Freude, weil er das Naturmaterial Holz liebt. Leider wurde ihm der Beruf zu beschwerlich, zumal er ja auch noch am elterlichen Bergbauernhof mitarbeitete. Eine Alternative musste her. Auf der Skiakademie in St. Anton am Arlberg absolvierte Josef die Ausbildung zum staatlich geprüften Skiführer, später bildete er selber Skilehrer aus. Das Fach „Schnee- und Lawinenkunde“ interessierte ihn besonders. Da es schwierig war, den Schülern zu erklären, wie ein Schneebrett aussah, begann er zu fotografieren.

Daraus entstand eine Leidenschaft. Josef brachte sich selber bei, was es auf dem Gebiet der Fotografie zu lernen gab. Das war in den Achtzigern wesentlich aufwendiger als heute. In der analogen Fotografie verbrauchte Josef zu Übungszwecken nicht selten an die 10 bis 15 Rollen Filme pro Tag. Nur eine Hand voll Fotos war die Ausbeute. Als die Österreich Werbung gute Bilder zum Thema Skifahren brauchte und ihm seine besten Bilder abnahm, wusste er, dass er weitermachen wollte. Über 100 Tage im Jahr für die Fotografie in den Bergen unterwegs zu sein, war für den Quereinsteiger in Sachen Fotografie immer ein besonderer Reiz an diesem Beruf. „Und ich bekomme auch noch Geld dafür.“ Dafür war Josef immer sehr dankbar, denn wie heißt es so schön, wer beruflich tut, was ihm Freude macht, braucht nie mehr zu arbeiten.

Nicht nur Action, sondern auch Landschaften. Die Dawinalm über Strengen ist eines der Lieblingsmotive des Fotografen. Hier ist sie im Tiefschnee kaum mehr zu sehen.

Das Licht, das Licht und nochmals das Licht

Josef nutzt für seine Aufnahmen entweder das sanfte Licht am späten Nachmittag, wenn die Publikumsskifahrer schon im Tal sind oder die Morgenstunden, bevor sich die ersten aus dem Skilift drängeln. Strahlender Sonnenschein muss nicht sein, im Gegenteil. „Wolkenstimmungen oder Nebel sind viel spannender.“ Die Lichtstimmung ändert sich oft von einem Moment zum anderen.

Dieses Foto außerhalb der Piste am Kapall in St. Anton war nicht geplant. Plötzlich kam von oben ein Lichtstrahl, der Schnee rieselte im Licht von den Bäumen und Josef drückte im richtigen Moment ab, wenig später war es wieder neblig. Dieses Bild wurde zu einem begehrten Poster der Tirol Werbung.

Ohne Vertrauen geht es nicht

Das Team, das aus Fotograf und Akteur besteht, muss gut zusammenarbeiten und einander vertrauen. „Die FreeriderInnen müssen Spaß an der Arbeit haben. Überreden kann man da keinen, sie müssen sich in ihrer Rolle als Akteure wohl fühlen. Namhafte Freeride-Profis und -WeltmeisterInnen sind Akteure, mit denen das gut funktioniert,“ meint Josef. Ein Profi weiß, was er sich zutrauen kann, was an Sprüngen und Schwüngen möglich ist oder nicht. Er prägt sich die Line, die er fahren wird, im Vorhinein gedanklich ein. Wenn der Akteur bereit ist, gibt er das „Go“ an den Fotografen weiter. Ohne gegenseitiges Vertrauen in das Können des anderen wären solche Produktionen in dieser Qualität gar nicht möglich.

Sprung oberhalb von St. Christpoh am Arlberg

Die digitale Fotografie von heute mit ihrem Autofocus sichert in den meisten Fällen qualitativ gute Bilder, was nicht zwangsläufig bedeutet, dass das Foto auch entspricht. Dazu braucht es nach wie vor ein gutes Gespür und exaktes Timing. In der Sportfotografie muss im Vorhinein berechnet werden, was in den nächsten Sekunden passiert. Ein Skifahrer, der ins Bild springt, muss berechenbar sein. Das gelingt mit Tricks, zum Beispiel wird zuerst ein Schneeball geworfen, die Zeit wird kalkuliert und das Objektiv vorfokussiert. Und im richtigen Moment abgedrückt. Sonst heißt es: bitte nochmal von vorne!

Dieses Bild enstand oberhalb von St. Anton am Arlberg, wenige Momente vor der Tiefschneeabfahrt der Akteurin.

Die Sicherheit als Voraussetzung

Am schwierigsten, aber auch am wichtigsten, ist das Handeln von Gefahren. Als Mitglied der Lawinenkommission weiß Josef nur zu gut, auf was er achten muss, wenn es um die Einschätzung der aktuellen Lawinengefahr geht. Bis zu einem gewissen Grad bleibt die Gefahr des Schnees am Berg aber unberechenbar. Diese Gefahr auf ein absolutes Minimum zu reduzieren, ist für Josef die Grundvoraussetzung für seine Arbeit. Deshalb sind die Spots meist direkt neben der Piste. Wenn es mit den Tourenskiern ins freie Gelände geht, entstehen die Fotos nur an Stellen, wo es eine Art Fluchtkorridor im Gelände gibt. Bei einem plötzlich abgehenden Schneebrett gibt es somit immer einen Fluchtweg für den Akteur. Zum Glück war das nie notwendig, in all den Jahren ist noch nie etwas Ernsthaftes bei einem seiner Fotoshootings passiert. Im Zweifelsfall wird das Fotoshooting auf einen anderen Tag verschoben.

Hier folgt der Skifahrer der Line, die er vorher im Geiste durchgegangen ist. Der Fotograf hat voraus berechnet, wann der Auslöser der Kamera gedrückt werden muss.

Seine Arbeiten für den Tourismus

Josef hat sehr viel für die Arlberg-Region fotografiert, denn dort kennt er die Berge wie seine Westentasche. Er hat die Tiroler Tourismusfotografie nachhaltig mit seinen Fotos geprägt. Aber auch außerhalb von Tirol wurde Josef engagiert. „Etwas ganz Besonderes waren Fotoproduktionen in Kanada beim Heliskiing oder in Grönland, wo wir in den Fjorden vom Segelschiff aus unsere Fototouren starteten.“ Extreme Expeditionen hat er aber abgelehnt. „Ich bin eine Zicke was die Kälte anbelangt. Auf so einer Expedition wäre mir viel zu kalt“, schmunzelt der Fotograf.

Nach all den Jahren an spannenden Fotoprojekten will Josef Mallaun kürzer treten, die Pension steht an. Wobei ich ihm nicht glaube, dass jemand wie er die Fotografie an den Nagel hängen wird. Josef lächelt. „Ich habe bereits viele Sachen im Kopf, die ich diesbezüglich machen möchte.“ Wusste ich es doch! Mehr Landschaft wird im Fokus stehen, weil er hier unabhängiger arbeiten kann. „Für das richtige Licht und eine spannende Wetterstimmung muss man öfters zur gleichen Stelle auf den Berg. Geduld ist gerade für die Landschaftsfotografie wichtig. Jetzt habe ich Zeit dafür.“

Vordergründig wird er aber die Natur genießen. Einmal für die Seele. Und doch einmal auch für den Fotoapparat. Wir sind gespannt.

Josef „Sepp“ Mallaun und seine liebste Begleitung am Berg: die Kamera.

Fotos: Josef Mallaun

Christina

Mit ihrem Blick für Details erkundet Christina Schwemberger Land, Stadt und Leute und bringt die Eigenheiten der Tiroler mit einem Augenzwinkern auf den Punkt.

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1 Kommentar

Ulrike Peissl

Traumhafte Fotos! Ein Mann mit Gspür für den richtigen Augenblick der Sepp!!!

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