Kaum zu glauben, aber wahr: 10 Kuriositäten in Tirol

Aktualisiert am 08.05.2020ChristinaChristina
Halbe Häuser im "Imster Bergl" (Foto: Tirol Werbung/Bernhard Aichner)

Es gibt Phänomene, Bauerwerke und Gepflogenheiten in Tirol, die auf den ersten Blick etwas seltsam erscheinen. Und doch gibt es sie.

1. Ein Tiroler Ort, für den andere Tiroler einen Pass brauchen

Jungholz ist eine Tiroler Gemeinde, liegt aber in Bayern. Sie ist nur über deutsche Straßen erreichbar. Andere Tiroler brauchen streng genommen einen Pass, um die Jungholzer zu besuchen, außer sie überqueren den 1636 m hohen Gipfel des Sorgschrofens als einzige territoriale Verbindung zu Tirol. Der Verwirrung nicht genug, hat Jungholz mit seinen 300 Einwohnern und 700 Gästebetten auch noch zwei Postleitzahlen, eine österreichische und eine deutsche.

Ein Stück Tirol in Bayern, die Enklave Jungholz (Foto: Tourismusverband Tannheimer Tal/Achim Meurer)

2. Ein Friedhof, auf dem man sich totlacht

Wo an vergleichbaren Orten dieser Art geweint wird, kann man sich hier das Lachen nicht verkneifen. Und das soll man auch gar nicht, denn in Kramsach wurden Grabinschriften aus ganz Tirol genau zu diesem Zweck auf dem Museumsfriedhof zusammengetragen. Was auf den ersten Blick pietätslos wirkt, hatte in früheren Zeiten einen Sinn. Humor sollte die Trauer lindern. Ganz nebenbei erzählen die Inschriften in aller Kürze brisante Details aus dem Leben der verstorbenen Personen, welche diese wohl lieber ins Grab mitgenommen hätten.

Sie trank wohl gern das eine oder andere Gläschen. Sie schweigt, ihr Grab nicht. (Foto: Museumsfriedhof)

3. Ein Tempel, der aus Tiroler Steinen erbaut wurde

Am Ufer des Hundstalsees, einem kleinen Bergsee oberhalb der Inzinger Alm, haben Heinz Triendl und Robert Tribus einen Tempel aus umliegenden Steinen erbaut, ganz ohne Bindemittel. Er ist Apollon geweiht, dem Gott der Künste aus der griechischen Mythologie. Der Bau entstand illegal. Trotzdem gelang es den beiden Tiroler Künstlern, immer wieder daran weiter bauen zu können. Insgesamt dauerte der Bau des Tempels 22 Jahre lang. Inzwischen wurde der Bau glücklicherweise als Kunstwerk anerkannt und darf dort ganz offiziell stehen. Er ist ein beliebter Ort für Pilger aus aller Welt geworden.

Der Apollontempel beim Hundstalsee, ein ungewöhnlicher Anblick in Tirol (Foto: Heinz Triendl)

4. Eine Maus, die am Großglockner lebt

Vor einiger Zeit wurde am Gipfel des Großglockners auf 3798 m Höhe eine Maus entdeckt, im Netz kursiert sogar ein Beweis-Video. Da die Maus mehrmals gesichtet worden sein soll, vermutete man, dass sie sich am Gipfel heimisch niedergelassen hatte. In den Alpen wurde bisher keine Maus in solchen Höhen gesehen. Theoretisch ist es aber möglich. Schneemäuse können bis zu einer Höhe von 4.000 Meter überleben. Trotzdem haben sie auch nur eine Lebenserwartung von 18 Monaten, deshalb dürfte die „Glockner-Maus“ inzwischen verstorben sein. Ob die Glockner-Maus Nachkommen hat, ist (noch) nicht bekannt.

Wo ist sie denn nur, die Glockner-Maus? (Foto: Tirol Werbung/Jens Schwarz)

5. Eine Garnele, die in Tirol zu Hause ist

Es gibt viele schmackhafte Tiroler Produkte, an Garnelen dachte ich bisher in diesem Zusammenhang nicht. Dabei gelten die Tiroler Alpengarnelen, die in Hall in Tirol gezüchtet werden, als echte Delikatesse. Ohne chemische Zusätze, ohne Antibiotika und nur durch Zugabe von hochwertigem Meersalz gedeihen die Alpengarnelen bestens im Tiroler Quellwasser. Wer hätte das gedacht!

Kaum zu glauben, aber wahr: Diese Garnelen sind echte Tiroler (Foto: Alpengarnelen)

6. Ein Haus, das nur zur Hälfte gebaut wurde

Auf dem Weg zur Rosengartenschlucht in Imst kommt man an sonderlichen Häusern vorbei. Vermutlich aus Platzgründen wurden die Häuser nur zur Hälfte direkt an einem Felsen entlang gebaut, teilweise gibt es auch unterirdische Räume. Das „Imster Bergl“, wie dieser Felsen mitten in der Stadt genannt wird, ist ein Rest eines Konglomerats aus Flussschotter und ist ca. 25.000 Jahre alt.

Nur zur Hälfte sichtbar: die „Bergl-Häuser“ (Foto: Tirol Werbung/Bernhard Aichner)

7. Ein Flughafen, auf dem nicht jeder landen darf

Zumindest nicht als Pilot eines Flugzeuges. Dafür braucht es eine Zusatzausbildung am Flugsimulator und ein Einweisungs-Flug mit dem Fluglehrer. Grund dafür ist neben der besonderen Topographie Tirols vor allem der oft starke Föhn-Wind in Innsbruck, der besondere Kenntnisse zum sicheren Starten und Landen von Flugzeugen erfordert.

Wer als Pilot in Innsbruck landen will, braucht zusätzliches Wissen (Foto: Tirol Werbung/Angela Fuchs)

8. Ein See, der kommt und geht, wann er will

Baden im Lottensee ist Glückssache. Dieser periodische Bergsee bei Seefeld kommt und geht, wie es ihm passt. Er bildet sich aus unterirdischem Schmelzwasser. Vermutlich hängt es von der winterlichen Schneemenge ab, ob sich der See im Frühjahr wieder bildet. Bewiesen ist es nicht. Vielleicht ist er einfach nur launisch.

Hier beglückt er uns wieder einmal mit seiner Anwesenheit: der Lottensee (Foto: Martin Ritzer/Olympiaregion Seefeld)

9. Eine Bootsfahrt, wo man sie nie vermutet

Der Tiroler Walter Gfader hat ein ungewöhnliches Hobby. Er lässt sich in seinem Schlauchboot am liebsten auf Tiroler Bergseen treiben. Beim Aufstieg auf den Berg wundern sich andere Wanderer über den riesigen Rucksack, den Walter auf seinem Rücken trägt. Wenn er vor Ort sein Boot aufpumpt, trauen die meisten ihren Augen gar nicht mehr.
Wenn ihr das nächste Mal etwas Ungewöhnliches auf einem Tiroler Bergsee treiben seht, dann macht euch keine Sorgen. Es sind keine Außerirdischen, die bei uns gelandet sind. Das ist nur Walter, der wieder seinem Hobby frönt.

Mit dem Schlauchboot auf 2792 m eine Runde im kristallklaren Bergsee zu drehen ist ein besonderer Genuss für Walter  (Foto: Walter Gfader)

10. Ein Graf Dracula, der im Schloss Ambras zu finden ist

Erzherzog Ferdinand II sammelte im 16. Jahrhundert Bilder außergewöhnlicher Menschen. Und so ergab es sich, dass sich das einzige weltweit erhaltene Porträt des Woiwoden Vlad Tepes, besser bekannt als Graf Dracula, nicht in Rumänen, sondern in Innsbruck befindet. Graf Dracula war ein rumänischer Herrscher, der Verbrecher und Feinde bestrafte, indem er sie pfählte, der Vampir wurde ihm erst viel später in einem Roman angedichtet. Seit 400 Jahren ist das Porträt im Besitz von Schloss Amras (das übrigens als ältestes Museum der Welt gilt) und kann dort in der Kunst- und Wunderkammer besichtigt werden.

Vlad III. Tepes („Pfähler“),  1430-1477. Das Porträt ist im Schloss Ambras in Innsbruck zu sehen. (Foto: KHM Museumsverband)

 

 

Christina

Mit ihrem Blick für Details erkundet Christina Schwemberger Land, Stadt und Leute und bringt die Eigenheiten der Tiroler mit einem Augenzwinkern auf den Punkt.

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6 Kommentare

Barry Fera

Why do I have to login using Instagram?
Why doesn't Tirol site have it's own login?
I do not do instagram or facebook

Tschuss
Barry

Werner M. Hallner

Wirklich witzige und interessante Kuriositäten, aber abgesehen davon
ist Tirol in jeder Hinsicht immer einen Besuch wert. Gemütliche Städte
und Orte, gastfreundliche Menschen, liebenswerte kleine Geschäfte
und eine Gastronomie die immer etwas Besonderes bietet.

Johann Späth

Kann oben genantes voll bestätigen. Habe nur gute erfahrungen gemacht.

B.P. Wentink

Ich mann mich noch ein Grabschrift herinneren (gelesen in einem ÖBB Magazin);

Hier rühet unser lieber Arzt Herr Grim,
Und Alle die er heilte neben ihm.

Schöne Grüße aus Holland.

Fritz Zander

In Gnadenwald,dirkt am Karwendel auf einem schönen Plateau,ist eine Brennerei zuhause,auf dem Pichlerhof, der einen der besten Obstbrände herstellt,die ich jäh verkostet habe.Ich kenne ihn und seine Familie seit 1962.

Melanie L

Ich mag eure Beiträge immer sehr. Für's Allgemeinwissen und für die Sehnsucht in die Berge. Danke dafür

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