5 E-Bike-Typen, die jeder kennt

Aktualisiert am 17.08.2020BenjaminBenjamin

Mit E-Bikes ist es ein bisschen wie mit der Bild-Zeitung: Keiner will sie kennen und doch kauft sie jeder. Auf Tirols Bergen zischen jedenfalls immer mehr E-Mountainbiker zügig nach oben. Wer sind die Leute, die auf den High-Tech-Drahteseln sitzen? Wir haben uns streng wissenschaftlich damit auseinandergesetzt.

1 – Das radelnde Ehepaar

Nachdem man sich entschlossen hat, gleich zwei E-Bikes anzuschaffen, muss man beim gemeinsamen Ausflug in die Tiroler Bergwelt feststellen, dass die Probleme auf zwei Rädern ähnliche sind, mit denen man auch im Alltag zu kämpfen hat: Bei ihm geht der Akku vorzeitig aus und bei ihr funktionieren die Bremsen nicht. Er jammert über seinen schmerzenden Hintern und sie muss sich wieder einmal selbst um alles kümmern. Am Ende verfährt man sich auch noch, weil er eine gute Abkürzung kannte, die vielleicht nach Narnia, aber sicher nicht auf die Alm führt.

2 – Der Selfie-Biker

Schweiß ist der größte Feind eines sportlichen Instagram-Accounts. Der Selfie-Biker hat sich deshalb ein E-Bike zugelegt, damit er zumindest für das Gipfel-Bild eine gesunde Gesichtsfarbe und eine trockene Dress vorweisen kann. Unter dem #Foodporn beißt er für die Kamera in einen Apfel und ein Bild seiner „Hot Dog Legs“ in der zu engen Radhose darf auch nicht fehlen. Der spiegelglatte Bergsee gibt ein Spiegel-Selfie her, #nofilter. Mit dem E-Bike, das er wiederum nicht so gerne auf den Fotos zeigt, bewältigt er zumindest Monster-Touren, die ihm die analogen Mountainbiker nicht so leicht nachmachen.

3 – Der High-Tech-Pensionist

Privat fährt der High-Tech-Pensionist nur E-Klasse, kauft im Supermarkt durchwegs überteuerte Premium Produkte und gibt dem Garderoben-Personal in der Oper so unauffällig Trinkgeld wie Don Draper in Mad Men. Sein E-Bike ist selbst für Kenner nur schwer von einem Elektro-Motorrad mit 25 kW zu unterscheiden. Das mag am eingebauten Bordcomputer liegen, der mit der Stimme eines britischen Butlers zu ihm spricht, oder am geschickt im Rahmen verbauten Entsafter, der am Wege gefundene Walderdbeeren in ein low-carb Isotonisches Getränk verwandelt.

4 – Der Bruchpilot

Als er zum letzten Mal auf zwei Rädern unterwegs war, war Kreisky im Amt und der jetzige Kanzler noch gar nicht auf der Welt. Damals mit Mitte 20 war Fahrradfahren kinderleicht. Mit dem neuen E-Bike müsste es nur noch einfacher gehen, denkt er. Der Mountainbike-Trail hinauf bis auf den Berggipfel ist im Turbobetrieb tatsächlich schockierend entspannt, beinahe wie ein Sonntagsspaziergang um den Achensee. Bei der Abfahrt fragt sich der Bruchpilot, wo nochmal die Vorder- und wo die Hinterbremse ist. Autsch.

5 – Die Genuss-Radlerin

Radeln um des Radelns willen – das ist nur etwas für Masochisten, findet die Genuss-Radlerin. Ihr Radführer ist ein zerfledderter Falstaff-Guide, das über den Lenker geworfene Schweißtuch eine Serviette und das kleine Werkzeug-Set unter dem Sattel in Wahrheit ein Satz Silberbesteck. Die Genuss-Radlerin schwingt sich aufs E-Bike und hinauf auf den Berg, weil dort oben eine gute Aussicht und Kaspressknödel auf sie warten. Die sportliche Betätigung, die das elektrische Mountainbiken mit sich bringt, ist dabei eher ein (angenehmes) Mittel zum Zweck.

Illustrationen: Patrick Bonato

Benjamin

Benjamin Stolz liebt und lebt die Gegensätze des Alpenlandes. Als Tiroler mit Höhenangst, papiervernarrter Blogger und Stadtmensch vom Land ist er der Meinung, dass es in Tirol mehr zu entdecken gibt, als man glaubt.

Zum Autor »

2 Kommentare

STefanie

Es nervt mich wahnsinnig, das man sich über Ebiker pauschal lustig machen muss, ablästern muss. Klar- es gibt- leider zu viele Idioten, die Ebikes nutzen, um auf die nächste Alm zu kommen, sich dann volllaufen lassen und sich dann wundern, wenn der Tag im Krankenhaus endet- Sie dadurch auch andere gefährden usw.. Es gibt aber auch solche wie mich, die das Ebike nutzen, um ihr schwer arthritisches Knie besser in den Griff zu bekommen , um noch ein paar Jahre ohne Prothese auszukommen. Mit dem Ebike ist es mir möglich, regelmässig zu trainieren, ohne dauerhaft ein dickes Knie zu haben und aber auch auf Berge zu kommen, von denen ich aus ich dann meine Wander/Klettertouren starten kann und bei denen ich mir dann den knieschädlichen Abstieg spare- im Vergleich zu Anderen, die dann die Gondeln nutzen müssen, setz ich mich aufs Rad und roll runter. Etwas mehr Toleranz denen gegenüber, die das Ebiken aus Gesundheitsaspekten nutzen, fände ich angezeigt.

Theresa

Liebe Stefanie,
Vielen Dank für deine Nachricht. Im Artikel geht es nicht darum, sich pauschal über eine Sportart lustig zu machen. Das E-Bike ist eine tolle alternative zu herkömmlichen Mountainbikes, die extra Portion Energie sorgt für eine größere Reichweite und Biker aller Art kommen hier auf ihre Kosten.
In diesem Artikel aber beleuchten wir verschiedene E-Bike-Typen mit einem Augenzwinkern. Wenn du unseren Blog verfolgst wirst du sehen, dass es solche Artikel auch mit anderen Sportarten gibt, siehe https://www.blog.tirol/2018/12/welcher-ski-typ-seid-ihr/ oder auch https://www.blog.tirol/2015/04/welcher-wandertyp-seid-ihr/.

nach oben
nach unten