Vom Leben im Tal: Tannheimer Tal

Aktualisiert am 20.08.2020IreneIrene
Foto: Tirol Werbung / Kathrein Verena

Wo hohe Berge sind, da sind auch tiefe Täler. Das Antlitz des Landes ist von markanten Furchen durchzogen. In der Reihe „Vom Leben im Tal“ porträtiere ich verschiedene Tiroler Täler und erzähle Geschichten von viel Leben auf wenig Raum. So will ich Gästen aus aller Welt Tirol ans Herz legen und Einheimischen die Augen für das Besondere am Vertrauten öffnen. Dieses Mal an der Reihe: das Tannheimer Tal.

Geheimtipps heißen deshalb so, weil sie sich nicht im Vorbeigehen, nicht auf den ersten flüchtigen Blick erschließen, sondern eine bewusste Entscheidung erfordern. Im Falle des Tannheimer Tals in der äußersten nordwestlichen Ecke Tirols bedeutet das, vom Norden her die Hürde des Oberjochpasses und vom Lechtal aus den Gaichtpass überwinden zu müssen, um in das prachtvolle Hochtal zu gelangen.

Der Vilsalpsee im Tannheimer Tal. Foto: TVB Tannheimer Tal

Aber bleiben wir realistisch: Die Mühe hält sich in Zeiten bestens ausgebauter Bundesstraßen in wahrlich überschaubaren Grenzen. Die antiken Römer, die den steilen, aber immer noch vergleichsweise einfachen Weg nach Brigantium (heute Bregenz in Vorarlberg) durchs Tannheimer Tal dem einst schier unüberwindlichen Arlberg vorzogen, oder die Händler, die im Mittelalter Salz und Wein quer durch Europa transportierten, hatten da gewiss ganz andere Geschichten zu erzählen.

Spektakuläre Ausblicke am Drei-Seen-Weg.

Der weite Talboden bietet mehr Dauersiedlungsraum als die meisten anderen Tiroler Täler. Dennoch leben hier nur etwas mehr als 3.000 Menschen in einigen wenigen Siedlungen, deren Häuser häufig noch die seit Jahrhunderten im Tal typische Bauweise aufweisen: Die Westfassade, die dem mitunter rauen Bergwetter trotzen muss, ist mit dunklen Holzschindeln verkleidet, die Wohntrakte der (einstigen) Bauernhäuser sind üblicherweise nach Osten ausgerichtet. Als Tannheimer fühlen sich selbstverständlich auch die Bewohner der von deutschem Staatsgebiet umgebenen Enklave Jungholz.

Frühling im Tannheimer Tal.

Und weil hier schon einmal vom Mittelalter die Rede war: Die berühmte scholastische Frage, wie viele Engel auf einer Nadelspitze Platz finden, beschäftigt Menschen mit viel theologischer Muße und Lust am Denken um des Denkens Willen bis heute. Wie viele Gemeinden am Gipfelpunkt des Sorgschrofens zusammentreffen, ist hingegen amtlicherseits geklärt, nämlich stolze vier: Jungholz und Schattwald auf der österreichischen Seite sowie Bad Hindelang und Pfronten in Deutschland.

Der Vilsalpsee ist einer der schönsten Bergseen Tirols.

Spektakuläre Schmuckstück beziehen ihren größten Reiz immer aus den zentralen Gemmen, das ist im Tannheimer Tal nicht anders. Der Haldensee und der  Vilsalpsee, umgeben von Bergsteiger und Kletterer verzückenden Gipfeln, machen das Tal erst zu dem, was es ist: ein Kleinod.

Vom Leben im Tal: So viel Leben auf so wenig Raum
Irene

Die Journalistin, Autorin und Moderatorin Irene Heisz schreibt am BlogTirol scharfsinnig und mit dem ihr typischen Augenzwinkern über Tirol, die Tiroler und deren kuriose Eigenheiten.

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