Vom Leben im Tal: Zemmtal

12.08.2020IreneIrene

Wo hohe Berge sind, da sind auch tiefe Täler. Das Antlitz des Landes ist von markanten Furchen durchzogen. In der Reihe „Vom Leben im Tal“ porträtiere ich verschiedene Tiroler Täler und erzähle Geschichten von viel Leben auf wenig Raum. So will ich Gästen aus aller Welt Tirol ans Herz legen und Einheimischen die Augen für das Besondere am Vertrauten öffnen. Dieses Mal an der Reihe: das Zemmtal.

Wer meint, einmal in Mayrhofen angekommen schon alles gesehen zu haben, was das Zillertal ausmacht, der irrt gewaltig. Vom hintersten Ort des Zillertales aus, wo sich das breite Tal in zahlreiche schmälere Nebentäler verästelt, die sich wiederum in noch engere Nebentäler verzweigen, da wird es noch einmal richtig spannend.

©Jannis Braun

Zillergrund, Tuxer Tal, Zemmtal, Stilluptal… Die Auswahl ist groß, Möglichkeiten, sich beschaulich meditierend oder zackig sportlich zu betätigen, gibt es viele. Wir lassen das berühmtere Tuxer Tal, wo sich am Gletscher auch im Hochsommer Wintersportler vergnügen, für diesmal rechts liegen und streifen durch das Stilluptal zur Grüne-Wand-Hütte.

©Jannis Braun

Oder wir stellen uns artig vor dem einspurigen Harpfnerwand-Tunnel an. Für Ungeduldige, die nicht bis zu 20 Minuten auf Ampelgrün warten wollen, oder Menschen, die sich zwischen dunklen, grob behauenen Felswänden klaustrophobisch beengt fühlen, ist das allerdings nichts. Die wählen die zweispurig ausgebaute Schluchtstrecke nach Ginzling-Dornauberg.

©Jannis Braun

Der Ort am Eingang des Zemmtals war eines der ersten Alpenvereins-„Bergsteigerdörfer“ und das hat seinen selbsterklärenden Grund. Nicht auf den ersten Blick erschließt sich, dass die zwei Ortsteile zwar eine eigene gemeinsame Postleitzahl und einen Ortsvorstand, so eine Art Mini-Bürgermeister, haben, jedoch zu zwei verschiedenen Gemeinden, nämlich Mayrhofen (Ginzling) und Finkenberg (Dornauberg), mit zwei echten Bürgermeistern gehören.

Eingebettet zwischen Riesen: das Bergsteigerdorf Ginzling. © A. Kirchmer

Und damit nicht genug: Der Zemmbach bildet auch die Grenze zwischen der Diözese Innsbruck und jenen Tiroler Gebieten, die zur Erzdiözese Salzburg gehören. Eingeweihte erkennen auf den ersten Blick, was Sache ist: Roter Kirchturm — Innsbruck, grüner Kirchturm — Salzburg. Ausnahmen bestätigen selbstverständlich auch hier die Regel. Und im pfarrlichen Alltag ist ohnehin von untergeordneter Bedeutung, welchem Bischof der Pfarrer Rede und Antwort stehen muss.

Der Schrammacher – Nachbar des Olperer. ©Jannis Braun

Mitten im Nirgendwo: die Berliner Hütte. ©Jannis Braun

Das Zemmtal wird seit 1970 vom riesigen, tiefgrünen Schlegeis-Speichersee und seit vielen Jahrtausenden von der markanten Olperer-Pyramide geprägt. Den dreieinhalbtausend Meter hohen Olperer zu erklimmen, gilt als Klassiker unter zahllosen herausfordernden Bergtouren in den Zillertaler Alpen. Wer den domestizierten Nervenkitzel bevorzugt, findet an der 131 Meter hohen Mauer des Speichersees bei Klettersteig und Flying Fox Befriedigung.

Links der Olperer, unten der Schlegeis Speicher. ©Jannis Braun

Irene

Die Journalistin, Autorin und Moderatorin Irene Heisz schreibt am BlogTirol scharfsinnig und mit dem ihr typischen Augenzwinkern über Tirol, die Tiroler und deren kuriose Eigenheiten.

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1 Kommentar

Magdalena

Ich glaube ich muss wiedermal einen Ausflug machen, für mich gehört noch eine Einkehr im Gasthof Karlsteg dazu.

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