Drei Hotels für das perfekte Indoor-Wochenende

29.10.2020GastautorGastautor
In der Bibliothek des Hotels Juffing.

Eigentlich sind Hotels als Übernachtungsmöglichkeit zwischen den Urlaubstagen gedacht. Doch für immer mehr Menschen werden sie zum Mittelpunkt ihrer Reise. Und das aus gutem Grund. Wir haben drei ganz besondere Tiroler Unterkünfte besucht – und perfekte Orte für Langschläfer, Lesefüchse und Landhausfreunde gefunden.

Gute Nacht in Osttirol

Manchmal fährt man ein Wochenende weg und will etwas Tolles erleben. Manchmal fährt man aber auch ein Wochenende weg – und will nichts anderes als schlafen. Sich erholen. Richtig runterkommen. Nicht mehr vor die Tür gehen. Nur scheint Schlafen inzwischen etwas zu sein, das uns Menschen nur mehr mit viel Glück gelingt. Und weil das mit dem Glück nicht verlässlich genug erscheint, wirft der Markt sehr verlässlich Produkte aufs Bett, mit denen die Nacht doch noch was werden soll. Es gibt Kissen für jede Befindlichkeit, Decken für jede Jahreszeit, Matratzen für jeden Lebensabschnitt. Der Schlummertrunk in der schicken Flasche soll den Schlaf fördern, die App überwacht die Herzfrequenz und der Kuschel-Roboter die Atmung. Erstaunlich eigentlich, dass die Menschheit mal ohne den ganzen Kram zur Ruhe gefunden haben soll.

„In dem Moment, an dem ich diesen Ort betreten haben, hat sich eine Entspannung eingestellt, die ich von einem Wochenende daheim so nicht kenne.“

Die gute Nacht kann auch fern aller Gadgets gelingen. Zum Beispiel an einem kleinen Ort am Ende eines Tals, dort, wo einem die Berge die Weiterreise versperren, und an dem es so ruhig ist, dass man morgens sogar den Hahn im Nachbarort krähen hört. Ein solcher Ort ist Kalkstein, ein Weiler am Ende des Villgratentals in Osttirol, etwa 45 Kilometer westlich von Lienz und ein Katzensprung bis Italien. Wären da nicht die Berge. Im Leitbild der Region steht „Ruhig bleiben“. Gute Idee.

Ich erreiche das Dorf erst am späten Abend, mit Anlauf schaffe ich es durch den frischen Schnee, der seit dem Vortag ohne Unterlass vom Himmel fällt. Perfekte Voraussetzung dafür, die Wohnung gewiss nicht zu verlassen an diesem Wochenende.

Tief eingeschneit im Osttiroler Villgratental.

Ein kurzer Blick auf den Balkon, dann aber schnell wieder rein ins Warme und Gemütliche.

Das Giatla ist ein über 300 Jahre altes Bauernhaus, das seit 2015 vier Ferienwohnungen auf zwei Etagen beherbergt. Von vorne und von hinten sieht es immer noch aus wie damals, mit seinen alten, vom Wetter gegerbten Holzbalken und dem Stadl-Tor, doch dazwischen öffnen große Fenster den Blick ins Tal. Die maßgefertigten Möbel sind aus unbehandeltem Fichten- und Zirbenholz und sämtliche Matratzen, Kissen, Decken und Sitzauflagen wurden aus reiner Schafwolle gefertigt. Die steckt sogar als Wärmedämmung in den Wänden, Natur pur.

Holz, Holz, Holz. außen wie innen.

Das Bett steht in dem Teil des Hauses, in dem früher die Stube war; aus kleinen, neu gedämmten Fenstern fällt der Blick in den Garten und auf die andere Talseite. Damit das mit dem Ruhigbleiben klappt, versuche ich, die Wege kurz zu halten: Bücher, Backgammon und Getränke finden ihren Platz auf einem Holzregal über dem Bett, der weiche Überwurf und die dicken Socken kommen ans Matratzenende. Hier bekommt mich so schnell keiner mehr weg.

Normalerweise zieht es mich im Urlaub vor die Tür, sobald der Tag begonnen hat. Alles entdecken wollen, mitnehmen was geht. In Kalkstein drehe ich nochmal um, das Abenteuer kann mich mal. Viel zu bequem liege ich in dem kuscheligen Bett, das mich festzuhalten scheint wie ein überdimensionaler Magnet. Nicht mal zum Frühstücken muss ich mich groß bewegen: Vor der Tür wartet ein Korb mit knusprigen Brötchen, frischer Butter und Käse vom Bauern und Eiern von den Nachbarhühnern.

Besser als glücklich und gemütlich geht es nicht.

Ich muss an ein Zitat des Extremkletterers Alex Honnold denken, der meint, dass man nichts Großes erreichen könne, indem man einfach nur glücklich ist und es sich in seinem Leben gemütlich macht. Ich finde: Besser als glücklich und gemütlich geht es nicht. Also ab auf die Eckbank. Gestützt von grünen Kissen und unter einer Decke, die an ein riesiges Schaf erinnert, rieselt der Tag an mir vorbei wie die Flocken vor dem Fenster. In dem Moment, an dem ich diesen Ort betreten habe, hat sich eine Entspannung eingestellt, die ich von einem Wochenende daheim so nicht kenne. Sie lullt mich ein wie eine Ganzkörperwärmflasche. Ich werde leicht, der Kopf wird frei.

Es einfach mal bei dem Blick aus dem Fenster belassen. Im gemütlichen Giatla Haus ganz einfach.

Ein Wochenende gleich einer Endlosschleife aus Decken und Kissen.

Als am Nachmittag die Sonne durch die graue Wolkendecke blinzelt, stehe ich dann doch auf und gehe spazieren. Zugegeben: Es geht mir dabei nicht so sehr darum, die kleine Wallfahrtskirche zu besichtigen und durch die Lärchenwälder zu laufen. Mit roten Backen liege ich wenig später in einem Heubett, es duftet nach Sommer und die Augenlider werden schwer. Könnte gerne ewig so weitergehen.

Zurück daheim erscheint das Wochenende wie eine Endlosschleife aus Decken und Kissen. Wie ich wieder nach Hause gekommen bin? Keine Ahnung. Vielleicht habe ich ja alles nur geträumt.

TEXT: JULIA ROTHAAS

FOTOS: CHRISTIAN KAIN

Weitere Informationen zum Giatla Haus in Innervillgraten

Ein Hotel, ein Wochenende, 3000 sorgsam kuratierte Bücher

Wenn ich meinen Koffer für eine Reise packe, sind Bücher so elementar wie Unterwäsche und Zahnbürste. Ohne kann ich auch verreisen, aber irgendwie wird es dann früher oder später ein wenig unangenehm. Diesmal ist es ganz anders. Kein Wälzer zerdrückt meinen sorgsam gefalteten Pyjama. Ich prüfe zur Sicherheit noch mal den Bücherbestand des Hotels Juffing. Online. Mehr als 3000 Bücher finden sich unter dem Dach des 4-Sterne-Hotels in Hinterthiersee, auf einer Sonnenterasse keine fünfzehn Minuten oberhalb von Kufstein gelegen. Ausschließlich bemerkenswerte Literatur. Klassiker, Kaffeehausliteratur, im Zweifel auch Krimis. Es kann also losgehen. Mein Koffer bleibt leer, der Pyjama bis zur Ankunft im Hotel faltenlos.

„Ein Haus ohne Bücher ist arm.“

Sonja Juffinger-Konzett, die Leiterin des Hotels, begrüßt mich mit einem Lächeln. Es dauert nur ein paar Sätze, und wir reden über Bücher. „Für mich gehört Lesen zum Entspannen einfach dazu“. Deshalb lägen auf ihrem Tisch immer drei Bücher: ein Band mit Lyrik, einmal Kurzgeschichten, ein Roman. Und deshalb fänden sich in den Regalen des Juffing durchweg ausgewählte Werke – der Chefin kommt nicht alles in die Hotel-Bibliothek, was eine ISBN-Nummer trägt. Alles ist sorgfältig kuratiert. Die Regale im hellen Kaminzimmer zum Beispiel: ausschließlich mit großen österreichischen Autorinnen und Autoren bestückt. Barbara Aschenwald, Wolf Haas, Norbert Gstrein, Raoul Schrott und viele mehr. Die meisten von ihnen haben hier auch schon gelesen. Seit 2014 finden im Juffing Lesungen statt.

Im Juffing lässt es sich gut aushalten.

Ich schlendere mit meinem ungewohnt leichten Koffer zum Zimmer. Auf dem Flur wird klar: Literatur wird hier richtig groß geschrieben. Auf den Teppichen in den Gängen – eine Spezialanfertigung für das Juffing – sind auf drei Etagen Passagen aus Raoul Schrotts Gedichtzyklus „Hotels“ zu lesen. Wer den Text in der richtigen Reihenfolge lesen möchte, bekommt die „Leseanleitung für die Gangteppiche“ im eigenen Literaturführer. Jedes der 53 Zimmer hat ein literarisches Thema und zwölf passende Bücher im Regal. Das können Epochen wie Biedermeier oder Barock, Autorinnen und Autoren wie Elfriede Jelinek oder Thomas Mann sein. Oder auch Literatur aus bestimmten Ländern oder abstrakte Themen wie „Ikarus“ – Werke über Hybris und Fall.

Im hauseigenen Literaturführer gibt es eine Leseanleitung für die Gangteppiche.

Jedes der 53 Zimmer hat ein literarisches Thema und zwölf passende Bücher im Regal.

Es lohnt sich auch einmal den Blick vom Buch zu heben.

Ich lasse mich fallen. Ganz ohne Hochmut. In der Bibliothek. Ich betrete den ovalen Raum mit Glasfront, einem großen Tageslichtschacht in der Decke, zahlreichen Liegestühlen mit Leselampen und Wänden voller Bücherregale. Ich lehne mich im Sessel zurück. Und scanne die Buchrücken. Alles ist präzise nach Genre sortiert und katalogisiert. Bibliotheksatmosphäre als schönste Form von Wellness. Ich werde schnell fündig, obwohl ich vorher gar nicht wusste, wonach ich gesucht hatte. Die Prophezeiung der Chefin ist eingetreten. „Die Gäste sollen stöbern können wie im Buchhandel. Neue Welten und Autoren entdecken“, sagte sie. Ich bin keine zwei Stunden hier, und lese schon zwei Bücher parallel. „Eine Experten-Revue in 89 Nummern“ von Hans Magnus Enzensberger. Dazu „Mönch von Mokka“ von Dave Eggers. Und sinke immer tiefer in den Lesesessel, tauche ins Buch ein. Und bin plötzlich sehr weit weg. Vor allem von meinem Alltag.

Die Bibliothek im Juffing ist ein Paradies für Leseratten.

Alles ist präzise nach Genre sortiert und katalogisiert.

Kaufen kann man keines der Bücher. Genau das ist das Konzept. Inspiration statt Konsum, ankommen statt mitnehmen. Nach dem Frühstück am nächsten Morgen suche ich schon nach dem nächsten Buch. Mir kommt ein Zitat von Hermann Hesse in den Sinn kommt: „Ein Haus ohne Bücher ist arm.“

Was Hesse wohl zum Juffing gesagt hätte?

TEXT: ALEXANDER ZIMMERMANN

FOTOS: CHRISTIAN KAIN

Weitere Informationen zum Hotel Juffing

Landhaus Schwarzinger: Mein Freund der Schrank

Die Decke liegt perfekt gefaltet auf dem Bett. Ob sich darunter eine weitere kleine Geschichte, die nächste Entdeckung verbirgt? Nein, diesmal nicht. Nur das frisch gestärkte, blütenweiße Bettlaken ist da, wartet, dass sich der müde Gast hineinsinken lässt. Ich erinnere mich fast nie an meine Träume. Aber als ich an diesem Abend im Dunkeln daliege – in diesem uralten Bett, unter diesem uralten Gewölbe, mit diesen uralten Möbeln um mich herum – beginne ich schon zu träumen, bevor ich überhaupt eingeschlafen bin. Ich träume von den Urlaubern, von den Paaren, Familien und anderen Gästen, die hier in diesem Landhaus in den letzten Jahrzehnten ein- und ausgegangen sein müssen und die womöglich — so wie ich jetzt – genau das fanden, was sie gesucht hatten.

„Sobald man die ornamentale Eingangstür öffnet, wird man von der heimeligen Atmosphäre umarmt, die nur ein Landhaus haben kann, das aus einer Zeit stammt, in der es Hotels, wie wir sie heute kennen, noch gar nicht gab. “

Das Landhaus Schwarzinger liegt mitten im beschaulichen St. Johann in Tirol. Es ist ein Haus wie eine feine Torte: Außen ist das zweistöckige Haus prachtvoll verziert, Lüftlmalereien aus dem 18. Jahrhundert schmücken die Hausfront. Im Inneren geht es bodenständiger zu, aber nicht weniger geschmackvoll. Wie bei einer Torte muss man sich Schicht für Schicht vorarbeiten: Sobald man die ornamentale Eingangstür öffnet, wird man von der heimeligen Atmosphäre umarmt, die nur ein Landhaus haben kann, das aus einer Zeit stammt, in der es Hotels, wie wir sie heute kennen, noch gar nicht gab. Eine Kachel im Eingangsbereich gibt einen Hinweis auf das Baudatum: 1693 steht da in feinem Pinselstrich. Ich staune und lese noch mal. Da steht wirklich: 1-6-9-3!

Ein Haus wie eine feine Torte: Außen ist das zweistöckige Haus prachtvoll verziert, Lüftlmalereien aus dem 18. Jahrhundert schmücken die Hausfront.

Sobald man die ornamentale Eingangstür öffnet, wird man von einer heimeligen Atmosphäre umarmt.

Noch bevor die Koffer auf dem Zimmer sind, fühlt man sich weniger als Gast denn als erweitertes Familienmitglied.

Eine Rezeption gibt es nicht, dafür kann man sicher sein, dass Elisabeth „Lise“ Trenner sogleich aus ihrem Büro geeilt kommt, um den Gästen einen herzlichen Empfang zu bereiten. Eine Holztreppe führt in das Obergeschoss, auf den Stufen stehen Kinderschuhe und Schulranzen. Die Familie Trenner ist hier selbst zu Hause. „Hier ist immer etwas los, meine Gäste müssen alles mitmachen“, sagt Lise und lacht. Noch bevor die Koffer auf dem Zimmer sind, fühlt man sich weniger als Gast denn als erweitertes Familienmitglied. Links geht es in die Stube, in der auch das Frühstück serviert wird, frische Butter vom familieneigenen Bauernhof inklusive. Der Raum ist über die Jahrhunderte fast unverändert geblieben: Wände und Decken sind mit Holz vertäfelt, der Boden besteht aus breiten Holzdielen. Ein Kachelofen in der Ecke sorgt für wohlige Wärme. Jeder Gegenstand atmet genau jene Originalität und Qualität, von dem Großstädter und Manufactum-Käufer träumen. Ja: Es gibt sie noch, die guten Dinge. Man muss sich nur mal einen Wandschrank im Landhaus Schwarzinger anschauen.

Ja: Es gibt sie noch, die guten Dinge.

Wolfgang freut sich jetzt schon auf den nächsten Besuch bei seinen neuen Möbelfreunden.

Der Eingang zur Stube ist mit leicht verblichenen Malereien verziert. Als Familie Trenner das letzte Mal frisch streichen wollte und die alten Farbschichten entfernte, sind sie zufällig auf die uralten Verzierungen gestoßen. Das Streichen haben sie dann gestrichen, stattdessen haben sie die alten Malereien sorgfältig freigelegt. Im Landhaus Schwarzinger versteckt sich hinter jedem Detail eine kleine Geschichte. Den Grundstein für die heutige Pracht des alten Bauernhauses hat Lises Großmutter gelegt. Sie war selbst eine legendäre Wirtin – und sie war leidenschaftliche Sammlerin alter Bauernmöbel. Die Schmuckstücke sind bis heute im Besitz der Familie, und so kommt es auch, dass keines der dreizehn Zimmer dem anderen gleicht. In jedem findet sich ein Ensemble aus historischem Bett, Bauernschrank und Kommode – Unikate, die teilweise Jahrhunderte alt sind.

Im Landhaus Schwarzinger ist jedes Zimmer ein Unikat.

Einen Schrank aus dem Jahr 1791 hat Lise von ihrer Oma zum Namenstag bekommen. In dem Bett, in dem ich schlafen werde, hat ihr Vater das Licht der Welt erblickt. Lise erzählt von Stammgästen, die seit Jahren kommen und ihren Urlaub extra so legen, dass sie immer das gleiche Zimmer bekommen. Nach einer Nacht im Landhaus Schwarzinger verstehe ich, warum: Hat man die Möbel und ihre Geschichten einmal kennengelernt, sind sie nicht mehr nur Gegenstände. Sie sind ein bisschen wie alte Freunde, mit denen man gemeinsame Erinnerungen teilt. Der rotbraune Bauernschrank in meinem Zimmer war mir jedenfalls sympathisch. Wenn ich das nächste Mal in St. Johann bin, möchte ich ihn wieder besuchen.

TEXT: WOLFGANG WESTERMEIER

FOTOS: CHRISTIAN KAIN

Weitere Informationen über das Landhaus Schwarzinger

Gastautor

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2 Kommentare

Michael

Himmel Gütiger, soviel "Ich muss da jetzt hin"- Gefühl hatte ich lange nicht mehr. Danke für das Juffing, "Matratzen für jeden Lebensabschnitt" und "das Abenteuer kann mich mal"! 😍

Ismaela Brux

Lieber Michael,
es freut uns, dass dir der Beitrag gefällt und dass deine Sehnsucht nach Tirol geweckt wurde.
Hoffentlich bis ganz bald und liebe Grüße,
Ismaela

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