Die Tiroler Fasnacht!

16.02.2021BenjaminBenjamin

In der Tiroler Fasnacht – im deutschsprachigen Raum besser bekannt unter Fasching oder Karneval – streifen seltsame Wesen durchs Land. Wäre da nicht Corona, wäre es auch heuer wieder sehr bunt in den Tiroler Straßen. Nichtsdestotrotz möchten wir euch gerne unsere Traditionen zur Tiroler Fasnacht vorstellen.

Tiroler Fasnachtsbräuche haben ein großes Ensemble an verschiedenen Figuren mit den unterschiedlichsten Aufgaben. Die Figur „Tuxer“ ist mit ihrer Tracht aus Lederhose, weißem Hemd und Maske eine archaische Version der Händler aus dem Zillertal, die früher durch Europa zogen. „Klötzler“ sind durch hunderte Holzschindeln, die auf ihr Kostüm genäht sind, schon von weitem zu hören. Die Schleicher pirschen sich an ihr Publikum an und versuchen es mit lauten Schreien zu erschrecken. Die Symbolik der einzelnen Figuren ist einfach und faszinierend zugleich: Mythische Wesen und die Geister der Vorfahren sollen den Winter vertreiben und für ein fruchtbares Jahr sorgen.

Die Spiegeltuxer erinnern an die alten Händler aus dem Zillertal.

Eingraben: Eine schaurige und zugleich komische Tradition gibt es alle fünf Jahre in Telfs im Tiroler Oberland. Wenn dort die Fasnacht (siehe Telfer Schleicherlaufen) endet, wird bei einem fiktiven Begräbnis unter Krokodilstränen und Geheul stellvertretend für die Fasnacht der sogenannte „Naz“ eingegraben. Als das Ende der Fasnachtszeit gilt allgemein der Aschermittwoch, an dem nach katholischem Glauben eine vierzigtägige Fastenzeit vor Ostern beginnt.

Fisser Blochziehen: Ein Gruppe verkleideter Männer zieht einen 35 Meter langen Baum auf Schlitten durch ein kleines Dorf – das „Blochziehen“ in Fiss klingt zugegeben nach einem Spin-Off des Horror-Klassikers „The Wicker Man“. Das Frühjahrs- und Fruchtbarkeitsfest hat aber in Wahrheit eine lange Tradition. Figuren wie „Fuhrmänner“, „Bärentreiber“ oder „Bajatzl“ sollen böse Dämonen, die durch „Hexen“ und „Schwoaftuifl“ symbolisiert werden, vertreiben und gute Geister und den Frühling heraufbeschwören. Am Ende des Umzugs wird das Holz der gezogenen Zirbe traditionellerweise versteigert. Aufgepasst: Das Blochziehen findet nur alle vier Jahre statt.

Beim Fisser Blochziehen wird ein 35 Meter langer Baum auf Schlitten durch das kleine Dorf Fiss gezogen. Foto: TVB Serfaus Fiss Ladis / Andreas Kirschner

Goaslschnölln: Menschen, die mit riesigen Peitschen auf Tirols Straßen herumlaufen, haben zur Fasnachtszeit nicht unbedingt etwas Böses im Sinn. „Goaslschnölln“ war wie einst das Jodeln ein analoges Kommunikationsmittel auf Almen. Durch das Knallen der Peitschen will man im Fasching aber vor allem den langen Winter vertreiben.

Hexen: In fast jeder Tiroler Fasnacht spielen „Hexen“ eine große Rolle. Sie sind es, die in der Regel vertrieben werden müssen, um auch den Winter loszuwerden. Besonders alte Tiroler Hexenmasken datieren zurück ins 18. Jahrhundert. Die meist von Männern dargestellten Figuren begleiten die Umzüge und Fegen die Füße der Zuseher.

Die Hexen werden meist von Männern dargestellt.

Imster Schemenlaufen: Weltkulturerbe der UNESCO ist das Imster Schemenlaufen. Das Fest ist unter normalen Umständen ein Besuchermagnet: Rund 900 Männer verkleiden sich alle vier Jahre für den riesigen Umzug. Die wichtigsten Figurengruppen der Imster Fasnacht sind „Roller“ und „Scheller“, die als Gegensatzpaar auftreten. Die „Kübelemajen“, „Sackner“ und „Spritzer“ bahnen den Hauptcharakteren einen Platz durch die Zuschauermenge. Was sich auf dem Bildschirm seltsam liest, macht vor Ort ein stimmiges Bild.

Beim Imster Schemenlaufen treten Roller (links) und Scheller (Mitte) als Gegensatzpaar auf.

Kämpfen: In der Tiroler Fasnacht geht es mitunter rau zu. Gekämpft wird dabei aber nicht nur Mann gegen Mann wie beim Wampelerreiten. Die eigentliche Mission der Fasnachtsbräuche ist der Kampf von Gut gegen Böse, Frühling gegen Winter. Die Wurzeln mancher Bräuche reichen bis in vorchristliche Zeiten zurück: immerhin werden hier Geister beschwört, verkörpert, vertrieben und verzaubert.

Larven: Die geschnitzten Holzmasken der Verkleideten, hierzulande „Larven“ genannt, sind oft nicht nur kostbare Familienerbstücke, sondern Handwerkskunst. Die Larven werden von Meistern ihres Fachs geschnitzt und bemalt („gefasst“, wie man unter Larvenschnitzern sagt). Die verschiedenen Fasnachtsgemeinden haben für ihre Zwecke unterschiedliche Masken. Die Larven zur Nassereither Fasnacht stammen beispielsweise vom Tiroler Künstler und Bildhauer Franz Josef Kranewitter.

Muller und Matschgerer: In den (Stadt-)Gemeinden nordöstlich von Innsbruck gibt es einen eigenen Fasnachtsbrauch. Die Fasnachtszeit in den MARTHA-Dörfern Mühlau, Arzl, Rum, Thaur und Absam gehört nämlich den Mullern und Matschgerern. „Tuxer“, „Melcher“, „Zaggler“ oder „Zottler“ heißen die Figuren, die auf den Umzügen nach Hierarchien, Mustern und Choreografien gestaffelt auftreten. Wer das volle Programm der Tiroler Fasnacht kennenlernen will, der sieht sich die Muller und Matschgerer am besten auf einem der Bälle an. „Mullerschaug’n“ kann man in den genannten Dörfern auch in manchen Gasthäusern, denen die Brauchtumsgruppen Besuche abstatten.

In den MARTHA-Dörfern wird die Fasnacht mit Mullern und Matschgerern gefeiert.

Nassereither Schellerlaufen: Das Schellerlaufen in der kleinen Oberländer Gemeinde ist etwas Besonderes. Nur alle drei Jahre findet der zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO ernannte Festumzug statt. Die bunten barocken Kleider und die unheimlichen und zugleich schönen Masken der Teilnehmer machen das Schellerlaufen zu einem der schönsten Fasnachtsumzüge in den Alpen. 450 Menschen der 2.000-Seelen-Gemeinde ziehen am Tag der Fasnacht durch die Gassen des Dorfes. Das nächste Schellerlaufen kann man in zwei Jahren wieder erleben.

Telfer Schleicherlaufen: Alle fünf Jahre schleichen mit Glocken behangene Männer durch die Marktgemeinde. 500 Fasnachtsteilnehmer bereiten sich auf das ebenfalls als Immaterielles Kulturerbe geltende Spektakel vor, das nur alle fünf Jahre stattfindet.

Alle fünf Jahre findet das als immaterielles Kulturerbe der UNESCO bekannte Telfer Schleicherlaufen statt.

Benjamin

Benjamin Stolz liebt und lebt die Gegensätze des Alpenlandes. Als Tiroler mit Höhenangst, papiervernarrter Blogger und Stadtmensch vom Land ist er der Meinung, dass es in Tirol mehr zu entdecken gibt, als man glaubt.

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