Bretter, die die Welt bedeuten

INTERVIEW Jan Kirsten Biener

FOTOS Robert Pupeter

In Hütten sieht man oft alte Holzski als Deko hängen. Das Innsbrucker Start-up SPURart baut maßgeschneiderte Ski mit Eschenkern und Holzfurnier. Wir sprachen mit dem Co-Gründer Peter Pfeifer über die Suche nach dem perfekten Ski.

Zwei Holzköpfe: Die SPURart-Gründer Michael Freymann (links) und Peter Pfeifer mit ihren Lieblingsdesigns.      

Es gibt Brillen mit Holzrahmen, Bambusrennräder – ihr baut seit 2010 Ski mit Edelholzfurnier. Was ist das Faszinierende an dem Material?
Holz ist ein nachhaltiger Rohstoff, der sich schön bearbeiten lässt, dabei vielseitig ist und extrem stabil. Der Holzkern bei Ski und Snowboards ist so etwas wie das Fahrwerk eines Autos und beeinflusst die Performance enorm. Uns ging es zu Beginn weniger um den Holzlook, wir wollten einfach perfekte Ski bauen. Deshalb sahen die ersten Prototypen fürchterlich aus. Die Skioberfläche war dreckig oder komplett schwarz. Uns war das aber völlig wurscht, uns ging es nur um das Innenleben.

Wie fanden das eure Kunden?
Wir haben schnell gemerkt, dass Menschen, die sich einen maßgeschneiderten Ski leisten, auch auf das Design großen Wert legen. Während die Kunden unsere Empfehlung bezüglich Form und Holzkernaufbau meist rasch abnicken, diskutieren wir stundenlang über Farbgebung und Style. Sollte das Edelweiß-Icon nicht doch ein wenig größer sein? Oder einen Zentimeter weiter oben oder unten angebracht werden?

Wie wird man eigentlich Skibauer? Seid ihr Tischler?
Nein. Wir haben beide lange Jahre professionell als Skitester gearbeitet. So hab ich den Michi auch kennengelernt. Dort kam die Idee auf, einen Ski zu bauen, der Bestnoten verdient.

Peter Pfeifer in der Werkstatt.

Was macht einen guten Ski aus?
Vor allem der Kern und die Konstruktion: Wie flexibel ist der Ski, wie schwingt er und wie dämpft er Stöße ab? Für den Holzkern verwenden wir Esche, die dank ihrer langen Fasern die besten Eigenschaften aufweist. Die Kerndicke ist ausschlaggebend für das Fahrverhalten eines Skis. Wir stimmen das individuell auf Gewicht und Bedürfnisse des Kunden ab.

Gibt es Kunden, die beim Gewicht schummeln?
Kommt immer wieder vor. Aber es bringt halt nix, oder? Deshalb beraten wir unsere Kunden intensiv, bevor wir den Ski bauen: Was kann er? Was will er? Und bestimmen so Kernbeschaffenheit und Skibreite. Ob ein Ski in der Mitte 11,1 oder 11,3 Zentimeter stark ist, macht einen riesigen Unterschied.

Liegt darin der Unterschied zu einem „normalen“ Ski?
Große Firmen produzieren 5.000 Paar von einem Modell. Wir passen die Parameter individuell an – und können Form, Höhenkurve und Vorspannungen exakt modifizieren. Auch in der Herstellung wenden wir aufgrund der kleineren Stückzahlen ein präziseres Verfahren an. Die Ski werden bei uns nicht in einer hydraulischen Presse geformt. Wir laminieren die Ski auf Vorform. Dann kommt das Holzpaket in einen Vakuumschlauch, die Luft wird abgesaugt und die Ski bekommen über Nacht einen perfekten Zusammenhalt.

Holzkerne aus Esche stehen am Anfang der Produktion.

Die Stahlkanten werden auf dem Belag fixiert.

„Das Haptische wird immer wichtiger. Die Qualität muss spürbar sein.“

Fast fertig: Jetzt werden die Kanten noch einmal von Hand geschliffen.

Ist diese Manufaktur-Herstellung nur etwas für eine kleine Nische?
Wir merken, dass wir einen Nerv treffen. Die Leute haben keine Lust mehr, nur von der Stange zu kaufen. Wir gehen wieder gerne zum Qualitätsmetzger und -bäcker um die Ecke. Lieber weniger Fleisch oder nur ein schönes Gwand statt einen ganzen Schrank voll Standardware. Von diesem Trend profitieren wir. Und auch das Haptische wird wichtiger. Die gute Qualität muss auch spürbar sein.

Wie macht man das?
Es geht um Nachhaltigkeit. Und das hat wirkliche Vorteile für das Produkt: Bei einem Ski aus der Massenproduktion werden Kanten und Belag meist am Fließband geschliffen. Wir machen das bei jedem Ski per Hand – weshalb die Kanten und der Belag dicker sind. Unsere Ski kann man häufiger schleifen und sie haben eine höhere Lebenserwartung.

Wie lang sollte ein Ski halten?
Ein Leben lang.

Wirklich? Oder ist das nur ein guter Slogan?
Holz kann man ausbessern. Wir behandeln das Holzfurnier auf der Oberfläche kaum. Früher hat man Lacke draufgeschmiert, das ergibt aber keinen Sinn. Die Skioberfläche muss man wie einen guten Boden pflegen. Nach dem Pressvorgang schleifen wir das Furnier ganz fein, lassen es dann wie einen Tisch oder Holzboden mit einem Hartwachsöl ein und polieren. So bekommst du eine gleichmäßige und widerstandsfähige Oberfläche – die sich aber anfühlt wie Holz. Kratzer kann man immer wieder rausschleifen. Bei Ski mit Kunststoffoberfläche geht das nicht. Da bleibt jeder Kratzer drin.

Die Oberfläche der Ski kann aus jeder Holzart bestehen – von Bambus bis Kirsche.

Wer kommt zu euch?
Unsere Kunden waren von Anfang an international, Argentinien, Japan, Australien, Deutschland. Die Tiroler haben zwei, drei Jahre gewartet. Wir sind halt skeptisch. Mittlerweile kommen aber auch viele Einheimische.

Was war der außergewöhnlichste Wunsch?
Ein Bigfoot-Nachbau in Palisanderoptik. Der längste Ski war 220 Zentimeter lang. Und ein Bayer wollte Ski in Laugenstangen- und Weißwurstsenf-Optik.

Welcher Ski passt zu mir?

Im Sportgeschäft gibt es heute mehr Auswahl als in einer Pizzeria. Ist also alles bloß eine Frage des Geschmacks? Nicht ganz. Denn nur wer genau weiß, was er kann und was er will, findet den perfekten Ski. Ein Schnell-Guide für deinen nächsten Ski-Kauf.

Die Fisser Bergbahnen ließen sich für ihre Skishow bei SPURart spezielle Leuchtski anfertigen. Wie baut man bitte so was?
Diese Ski entstanden in Kooperation mit der Firma Spielvolk, die auf Shows spezialisiert ist. Da arbeiten echte Tüftler und Elektrikfreaks. Wir haben die Ski so gebaut, dass LED-Lichter in den Ski integriert werden konnten, die dann wiederum auf die Beats der Show abgestimmt waren.

Auch die Uni Innsbruck hat bei euch Sonderanfertigungen für Forschungsprojekte in Auftrag gegeben.
Durch unser Vakuum-Pressverfahren können wir sehr genaue Einzelanfertigungen herstellen. Die Uni hat für ein Projekt des ÖSV und DSV ein Häusl mit Mordscomputerausrüstung aufgestellt, in dem sie Ski in wenigen Zehntelsekunden bis auf 100 Stundenkilometer beschleunigt – und die Gleiteigenschaften von Schliffen, Belägen, Kanten und anderen Parametern für den Rennsport testet.

Die Modelle für die wichtigsten Skitypen.

Ihr bietet auch Workshops an, in denen Kunden ihre neuen Ski an einem Wochenende selber bauen können. Geht das nicht regelmäßig in die Hose?
Die Workshops haben wir so gestaltet, dass man dafür keine besonderen handwerklichen Fähigkeiten braucht. Unser Grundgedanke war von Anfang an, auf das Selbermachen zu setzen. Viele Kunden, die von weiter weg anreisen, hängen nach dem Workshop gleich eine Woche Urlaub in Tirol dran, um den Ski sofort zu fahren.

Kriegt ihr nie genug von Ski und Wintersport?
Nein. Wir haben unser Wissen und unsere Technik immer weiter verfeinert. Jeder Auftrag ist ein Neuanfang: Es geht um den perfekten Ski für einen einzigartigen Skifahrer. Und man kann noch so viel verfeinern, für verschiedene Schneebedingungen, für unterschiedliche Einsatzgebiete, vom Tourenbereich bis zum Riesenslalom. Das wird uns noch ein Leben lang beschäftigen.

4 Schritte zum Ski

Richtig stolz ist man auf seine Ski, wenn sie selbst gebaut sind. Mit dem Ski- und Snowboardbau-Workshop von SPURart sind die Bretter an einem Wochenende fertig:

1. Drei Wochen vorher Unterlagen ausfüllen – Gewicht, Größe und das geplante Einsatzgebiet eintragen. In Vorgesprächen werden Shape und Design abgestimmt.
2. Das Team stellt die Materialien und Sonderwünsche zusammen.
3. Am ersten Workshoptag werden Skikanten in Form gebogen und Beläge geklebt. Dann wird laminiert, vakuumiert, über Nacht geht’s in den warmen Ofen.
4. Am zweiten Tag kommen der Feinschliff per Hand, die Versiegelung und der Ruf der Berge! Der Workshop kostet mit Material 850 Euro. Wichtig: rechtzeitig anmelden unter www.spurart.at

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