Nach Art des Hauses

TEXT Maximilian Gerl

Artenschutz und Auffangstation: Ein Gespräch mit André Stadler, Direktor des Alpenzoos Innsbruck, über ein besonderes Zoo-Konzept auf 750 Metern Höhe.

Herr Stadler, Sie leiten keinen gewöhnlichen Zoo, sondern den »Alpenzoo«. Was macht ihre Arbeit so besonders?
Die Möglichkeit, dass wir die Tiere der Alpen mitten in den Alpen zeigen können, umgeben von ihrem natürlichen Habitat – das gibt es in dieser Konsequenz bei Zoos eigentlich nicht. Und der Alpenzoo deckt mit seinen 150 Tierarten einen großen Teil des Gesamtvorkommens in den Alpen ab. Hier bekommen die Besucher einen wirklich umfassenden Blick auf die Artenvielfalt der Alpen. Was uns auch besonders macht, ist der Fokus auf den Arterhalt. Und dass wir mit viel Aufwand Tiere auswildern.

Alpenzoo Innsbruck. Foto: TVB Innsbruck/Christoph Lackner

„Jedes Jahr werden mehrere Hundert verletzte Tiere zu uns gebracht“

Ihr Zoo betreibt eine große Tierauffangstation. Was verbirgt sich dahinter?
Mit der Auffangstation leisten wir einen Beitrag zum aktiven Tierschutz. Hier kann jeder verletzte Wildtiere vorbeibringen. Dieses aktive Kümmern um Tiere ist bei den Tirolern übrigens tief verankert. Jedes Jahr werden mehrere Hundert verletzte Tiere zu uns gebracht, am meisten Haussperlinge und Eichhörnchen, aber auch größere Wildtiere. Wir versorgen die Tiere, päppeln sie in aller Ruhe auf und wildern sie anschließend wieder aus.

Ist das nicht ein Gegensatz zum ursprünglichen Konzept eines Zoos?
Beim Auswildern handeln wir hier nach dem Arche-Noah-Prinzip – das macht viel Freude.

Wo werden die Tiere nach ihrer Genesung in die freie Wildbahn entlassen?
Wir wildern nicht nur wiedergenesene Tiere aus der Auffangstation aus, sondern auch viele Tiere, die im Zoo geboren werden. Dabei kommt es ganz auf das Tier an, wohin wir es auswildern. Das hängt sehr mit den Populationen in den einzelnen Alpenregionen zusammen. Bartgeier kommen zur Zeit zum Beispiel in die Schweiz, Steinböcke vor allem in die Zillertaler Alpen.

Luchse sind stark gefährdet. Im Alpenzoo liegt der Fokus auf dem Artenschutz. Foto: TVB Innsbruck / Jörg Moser

Über welche Tiere würden Sie sich in Zukunft im Alpenzoo freuen?
Über Dachs, Fuchs, Schneemaus und Huchen, eine eigentlich vom Aussterben bedrohte Fischart aus der Familie der Lachse, die in den letzten Jahren den Inn wieder erobert.

Eine Frage an den Experten: Wo kann man in Wildbahn in den Tiroler Bergen Tiere am besten beobachten?
Mit etwas Geduld fast überall. Zum Beispiel gleich an der Nordkette oberhalb von Innsbruck, in Sichtweite der Großstadt. Dort gibt es Steinadler, Steinböcke, Murmeltiere und noch viel mehr faszinierende Tiere. Einfach die Nordkettenbahn nehmen und sich überraschen lassen.

Steinböcke aus dem Alpenzoo werden vor allem in den Zillertaler Alpen ausgewildert. Foto: TVB Innsbruck / Jörg Moser

Auch der Wolf ist im Alpenzoo zuhause. Foto: TVB Innsbruck / Christof Lackner

Sie arbeiteten, bevor Sie nach Innsbruck kamen, im Wuppertaler Zoo, weit weg von den Bergen. Hand aufs Herz: Mussten Sie sich in die Welt der Alpentiere erst einmal einarbeiten?
Ich habe das Glück ein Vollblutzoologe zu sein. Schon als Kind habe ich Professor Grzimek geschaut, alle Tierbücher gelesen, die ich in die Hände bekam. Deshalb waren die Alpentiere nicht ganz neu für mich. Aber ich lerne jeden Tag dazu!

Der Alpenzoo liegt auf 750 Metern Höhe über den Dächern Innsbrucks. Foto: TVB Innsbruck/Christof Lackner

Alpenzoo Innsbruck

Geöffnet April – Oktober, 9-18 Uhr

www.alpenzoo.at

 

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