Clean Travel Guide: Sauber durch Tirol

MAXIMILIAN GERL

Klima- und Umweltschutz ist das Thema der Stunde. Doch wie so oft gilt: Viele reden darüber, wenige machen es. Mit diesen simplen Tipps gelingt ein Urlaub in Tirol nachhaltiger.

1. Auf Siegel und Mitgliedschaften achten

Nicht überall, wo Nachhaltigkeit draufsteht, ist auch Nachhaltigkeit drin. Das gilt auch bei der Wahl des Reiseziels. Ein Kriterium kann sein, ob Hotels, Gastwirtschaften und Gemeinden zertifiziert sind, von Umweltschutzvereinigungen empfohlen werden oder ihnen gar beigetreten sind. Zum Beispiel sind derzeit 76 Tiroler Gemeinden beim Österreichischen Klimabündnis aktiv, zu dessen Zielen unter anderem die Reduktion von Treibhausgasen, der Bodenschutz sowie die Schaffung eines nachhaltigeren Lebensstils zählen. Außerdem unterstützt das Bündnis indigene Stämme in Brasilien. Ältestes Tiroler Mitglied ist seit 1991 die Gemeinde Schwaz, die inzwischen mehrfach Preise für Umweltmanagement oder den öffentlichen Personennahverkehr erhalten hat. Nachhaltig wirtschaftende Hotels sind erkennbar an Siegeln wie dem „Österreichische Umweltzeichen für Tourismus“ oder dem „European Ecolabel“, dem offiziellen Umweltzeichen der EU. Gute Restaurants mit Bio-Küche führen eine „grüne Haube“.

2. Urlaub vom Auto machen

Das Auto ist für viele Menschen immer noch Transportmittel Nummer Eins, aus guten Gründen. Manchmal lässt sich aber mit ein wenig Planung eine umweltfreundliche Alternative finden: Wer auf Zug und Bus umsteigt, trägt aktiv dazu bei, C02-Emissionen zu sparen. Tatsächlich sind viele Regionen und Ausflugsziele mit öffentlichen Verkehrsmitteln besser erreichbar, als viele denken. Im Zillertal zum Beispiel verkehren sogenannte „Wanderbusse“ im Bereich der Spieljochbahn, im Raum Kaltenbach sowie dem Gebiet Stummerberg und Gattererberg. Manchmal lassen sich Almen auch bequem per Bahn erwandern: So kann man vom Bahnhof Fieberbrunn bei Kitzbühel aus wunderbar zum Wildseeloderhaus aufsteigen. In einem anderen Blog haben wir umweltfreundliche Bergtouren gesammelt, ansonsten können bei der Planung bisweilen die örtlichen Alpenvereinssektionen weiterhelfen. Auch die Naturparks haben eine tolle Auswahl an Öffi-Wanderungen zusammengestellt.

Das Wildseeloderhaus

3. Alles wieder einpacken

Was auf den Gipfel kommt, muss auch wieder runter. Die Vermüllung der Bergwelt ist ein Thema – und das, obwohl sich die meisten Besucher wirklich bemühen, keine Abfälle auf ihren Ausflügen am Wegesrand zu hinterlassen. Doch was viele Wanderer nicht wissen: Auch vermeintlich harmlose Lebensmittelreste sollten wieder mit hinunter ins Tal genommen werden. Sie verrotten in der Höhenluft deutlich langsamer. Laut Österreichischem Alpenverein dauert es bis zu drei Jahre, bis Orangen- oder Bananenschalen abgebaut sind. Für ein kleines Kaugummi fallen in der Regel fünf Jahre an. Müll zieht außerdem Müll an: Mit jedem Stück Abfall sinkt die Hemmschwelle, ein weiteres Stück daneben fallen zu lassen. Am besten steckt man darum vor der Wanderung eine Tüte oder Box ein: In ihnen lassen sich später Reste im Rucksack verstauen, ohne diesen zu verschmutzen.

Vermeintlich harmlose Lebensmittelreste sollten wieder mit hinunter ins Tal genommen werden. Sie verrotten in der Höhenluft deutlich langsamer.

4. Mal auf einen Bauchplatscher verzichten

Tirol ist nicht nur das Land der Berge, sondern auch der Bäche: Viele kleine und große Gewässer laden im Sommer zum Baden ein. Vielerorts ist das Plantschen zwar erlaubt – aber vielleicht reicht es ja zur Abkühlung schon aus, nur die Füße hineinzuhalten. Denn besonders in Auenlandschaften ist Umsicht gefragt. Auen stellen laut Tiroler Naturschutzbund „eine wichtige Basis für die Qualität und Funktionstüchtigkeit unserer Flüsse dar“, ihr Erhalt ist also auch für den Menschen wichtig. Schon mit kleinen Maßnahmen lässt sich dabei große Wirkung erzielen: zum Beispiel, indem man keine Zigarettenstummel am Ufer zurücklässt. Erstens dauert es rund 15 Jahre, bis sich die Kippen in Süßwasser vollständig zersetzen. Zweitens kann eine einzige davon zwischen 40 und 60 Liter sauberes Grundwasser verseuchen – und so das Wachstum von Pflanzen negativ beeinflussen. Auch Sonnencremes können das Wasser verschmutzen.

Ein einziger Zigarettenstummel verseucht zwischen 40 und 60 Liter sauberes Grundwasser.

5. Das Badezimmer wiederverwerten

In den meisten Hotels gilt die Regel, dass am Boden liegende Handtücher gegen frische getauscht werden. Aufgehängte Handtücher werden dagegen vom Zimmerservice ignoriert, können also ein weiteres Mal benutzt werden. Das schont Ressourcen, denn Waschen geht schon wegen des Wasserverbrauchs auf Kosten der Umwelt. Und gewaschen wird in der Hotellerie viel: Verlässliche Zahlen dazu gibt es nicht, aber allein in Tirol müssen es täglich unzählige Tonnen sein. Vor allem an An- und Abreisetagen kommen wahre Wäschebergen zusammen. Eine andere Möglichkeit ist, für einige Tage auf den Room Service zu verzichten. Das spart Energie – auch den Zimmermädchen. Auch die vom Hotel bereitgestellte Hygieneartikel kann man am Ende des Urlaubs guten Gewissens einpacken, um sie daheim aufzubrauchen. Angebrochene Duschgels und Seifenreste wandern ansonsten nämlich in den Müll.

6. Auf den Wegen bleiben

Querfeldein unterwegs zu sein, abseits der markierten Wanderwege, das fühlt sich oft nach Abenteuer an. Nachhaltig sind solche Abstecher allerdings nicht. Seltene Pflanzen drohen schnell unter die Stiefel zu kommen. Viele Tiere scheuen die Anwesenheit des Menschen und brauchen Abstand und Ruhe. So reagieren Alpenschnee- und Birkenhühner sehr empfindlich, jede Störung gefährdet ihren Bruterfolg. Vor allem im Winter kann menschlicher Lärm tödliche Folgen haben: Tiere versuchen zu fliehen – und brauchen dabei wichtige Energiereserven auf, die sie zum Überleben in der kargen Berglandschaft benötigen. Alpenvereine und Umweltschutzverbände empfehlen daher, gerade im Wald auf den Wegen zu bleiben. Das gilt selbstverständlich auch für Mountainbiker: Bergbauern freuen sich selten über Touristen, die plötzlich über ihre Weide brettern.

Querfeldein unterwegs zu sein, abseits der markierten Wanderwege, das fühlt sich oft nach Abenteuer an. Nachhaltig sind solche Abstecher allerdings nicht.

7. Kein Spiel mit dem Feuer betreiben

Zelten gilt als naturnahe Urlaubsvariante. Damit es auch so bleibt, sollte man sich aber an ein paar Regeln halten. Campen und Feuermachen in freier Natur sind zum Beispiel verboten. Schon der Waldbrandgefahr wegen ist das österreichische Recht da strikt: Das Entzünden oder Unterhalten von Feuer „durch nicht befugte Personen“ sowie der unvorsichtige Umgang mit feuergefährlichen Gegenständen ist verboten. Als unvorsichtig gilt dabei auch das Wegschnippen glimmender Zigaretten. Wer zelten will, sollte also auf Campingplätzen absteigen, dort ist meist auch das Grillen in dafür vorgesehenen Gerätschaften erlaubt. Wer dabei trotz der CO2-Emissionen Kohle nutzen will, sollte beim Kauf aufpassen: Vielen Packungen ist Tropenholz beigemischt. Als unbedenklich gilt Kohle, die von FSC (Forest Stewardship Council) oder Bioland zertifiziert wurde. Als umweltfreundliche Grillanzünder eignen sich Kiefernzapfen, die mit Papier und Wachsresten versehen wurden.

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