Spuren-Verwischer

REBECCA SANDBICHLER

TANJA KERNWEISS

Der idyllische Bergweg, der kristallklare See, das kuschelweiche Bett: Damit Gäste und Einheimische den Moment genießen können, leisten einige Menschen ganze Arbeit. Und sie tun es gern, erzählen diese fünf Tiroler.

Michael Thaler, 55 | Pistenchef im Ski- und Wanderzentrum Schlick 2000, Fulpmes

„Für Landwirte wie mich bietet sich die Arbeit im Skigebiet geradezu an. Der Unterschied zwischen Traktor und Pistenraupe ist gering. Für uns gibt es auch im Sommer viel zu tun: Wir sind täglich draußen unterwegs, um die rund 65 Kilometer Wanderwege wieder herzurichten. Solange noch ein bisschen Schnee liegt, sammeln wir mit den Fahrzeugen die Markierungen, Absperrungen und Schneelanzen ein. Und natürlich die vielen verlorenen Skistecken und Handschuhe, die leider ein Fall für die Mülltonne sind. Dann stellen wir 5.000 Meter Weidezäune für die Almtiere auf und kümmern uns um den Boden. Große Rutschungen beseitigen wir mit dem Bagger, aufgerissene Grasnarben pflegen wir von Hand: Ein bisschen mit dem Rechen drüber, neuen Samen ausstreuen, fertig. Es sind eher die Kräfte der Natur, die uns Arbeit machen, weniger die Gäste. Müll hinterlässt kaum einer, das war früher schlimmer. Ich mag die Arbeit in den Bergen, den Lauf der Jahreszeiten. Wenn ich morgens um halb acht anfange, sehe ich oft Hasen oder Rehe. Und erst die vielen Murmeltiere, die überhaupt nicht mehr scheu sind. Auch Wanderern begegne ich, wenn ich die Wege pflege. Wer mich fragt, kriegt gern Auskunft, wo es langgeht. Manche Gäste kommen seit Jahren, erkennen mich und wollen plaudern. Ich muss allerdings gestehen: Gesichter kann ich mir nur ganz schlecht merken.“

Barbara Lusser, 59 | Zimmerfrau im Hotel Gannerhof in Innervillgraten

„Bereits als junges Mädchen habe ich im Gastgewerbe geschafft – von der Küche bis zu den Zimmern in allen Bereichen. Viel habe ich von einer früheren Chefin gelernt, die in den großen Häusern von Bad Gastein gearbeitet hatte. Denn es ist eine Kunst, sauber und effizient zu arbeiten. Viele Leute wissen nicht mal mehr, wie man ein Bodentuch auswringt. Seit 13 Jahren mache ich die Zimmer im Gannerhof, ich freu mich immer, die Stammgäste nach einem Jahr wiederzusehen – einen kannte ich schon als Kleinkind. Dieses Haus steht vermutlich schon seit dem Jahr 1400, jedes Zimmer ist anders, und es gibt viel naturbelassenes Holz. Fürs Bettenmachen brauche ich 10, für das ganze Zimmer 30 Minuten. Es ist ein gutes Gefühl, wenn alles wieder sauber ist. Aber es ist ein Knochenjob, vor allem am Wochenende. Die Gäste wollen sofort ins Zimmer, da sind die anderen noch gar nicht ausgezogen. Gleichzeitig sind unsere Kunden anspruchsvoll, weil wir eine ausgezeichnete Küche haben. Ich bin sicher: Wenn wir die Zimmer nicht ordentlich machen würden, könnten die Kollegen kochen, was sie wollen. Das ganze Drumherum muss auch stimmen.“

Dietmar Renn, 48 | Umwelttaucher in Pertisau am Achensee

„Seit neun Jahren tauche ich, gerne auch in den heimischen Seen. Das klare Wasser kann man trinken – und man sieht viele spannende Tiere wie Edelkrebse oder Barsche, die die Flossen aufstellen. Leider finde ich aber immer auch viel Müll dort unten: Autoreifen, alte Teppiche, Plastikstühle, sogar eine Wasserpfeife. Ich frage mich schon, wie man so was einfach in den See schmeißen kann. Ein Sonnenschirm wurde vielleicht vom Wind verweht, aber die Lkw-Batterie hat jemand mit Absicht versenkt. Deshalb arbeite ich im Verein der Österreichischen Umwelt- und Abfalltaucher. Mindestens zweimal im Monat tauchen wir im Achensee und entsorgen den Müll. Manche Teile liegen seit den Siebzigern da unten, oft finden wir aber auch die Überreste vom letzten Grillabend. Seit wir von der Wasserwirtschaft Tirol ein Elektroboot bekommen haben, gelangen wir auch an abgelegene Stellen, an denen keine Straße vorbeiführt. Wir investieren viel Zeit und Geld in die Abfalltaucherei, deshalb freue ich mich, wenn uns Gäste oder Einheimische loben oder sich bei uns bedanken. Es wäre schön, wenn Hobbytaucher uns bei der Aufgabe unterstützen und Dosen oder alte Fischernetze einsammeln würden. Dafür haben wir an zwei Stellen extra Abfallfässer aufgestellt. In Tirol ist die Natur wunderschön, fast wie im gelobten Land. Deshalb müssen wir sie schützen, auf den Gipfeln oder in der Tiefe der Bergseen.“

Andrea Orbini, 46 | Reinigungsfrau an den Bahnhöfen Innsbruck, Landeck und St. Anton am Arlberg

„Die Frühschicht ist wirklich früh: Ich stehe um halb fünf auf. Aber ich mag meine Arbeit. Wenn in der Bahnhofshalle kein Fitzelchen mehr am Boden liegt oder die Menschen sich in einer frisch geputzten Galerie wohlfühlen – das ist für mich das Schönste. Nachts mit der Bodenmaschine durch die Gegend zu kurven, macht auch einfach großen Spaß. Aber natürlich gibt es auch andere Momente: Wenn sich jemand im Aufzug übergeben hat. Da denke ich mir: Augen zu und durch. Die Stimmung an den Bahnhöfen hängt sehr von der Jahreszeit ab. In St. Anton wimmelt es im Winter von Skitouristen, die lustig drauf sind und in allen möglichen Sprachen Lieder singen. Einer klopfte mir mal auf die Schulter und bedankte sich, dass es hier so schön sauber ist. Am Hauptbahnhof Innsbruck mag ich den Sommer am liebsten, weil es rund um den Bahnsteig so grün ist. In der Urlaubszeit kommen bis zu 37.000 Reisende am Tag. Die Halle ist dann richtig voll, ich komme kaum mit dem Wagen durch. Ich helfe den Reisenden gerne, trage älteren Herrschaften ihre Koffer die Treppe hoch oder schaue nach, wo ihr Zug abfährt. Beim Auswischen der Schließfächer finde ich öfter verlorene Dinge, zuletzt eine Kette. Die Leute sind dann so erleichtert, dass ich mich wie eine Heldin fühle.“

Benjamin Köll, 23 | Angestellter beim Geschirrverleih Issba Mehrweg, Imst

„Wir bieten den Rundumservice: bringen das Geschirr, spülen und holen ab. Aber ich finde, Mehrweg ist auch einfach logisch: Es wertet jede Veranstaltung auf, wenn die Gäste nicht vom Pappteller essen müssen. Und wenn man nach dem Fest übers Gelände geht, liegt nicht überall Müll. Ich selbst war früher Postangestellter und sollte eigentlich nur das Büro schmeißen. Aber es ist schön, beim Ausliefern rauszukommen und Geschirr zu den verschiedenen Kunden zu fahren. Der Anlass kann eine Geburtstagsfeier mit zwanzig Leuten sein, ein Fußballspiel oder ein dreitägiges Stadtfest, bei dem wir 60.000 Mehrwegbecher verteilen und einsammeln. „Kufstein Unlimited“ heißt das und ist mein jährliches Highlight: Es treten 50 Bands auf. Und natürlich versucht man während des Jobs auch einen Blick auf die Bühne zu erhaschen. Nach dem Event wird das Geschirr in der Spülmaschine bei fast hundert Grad thermisch desinfiziert. Das ist Klinikstandard. Mein liebstes Gerät ist die Besteckmaschine: Man schmeißt alle Gabeln dreckig rein, die Maschine rüttelt sie wie verrückt im Kreis und durch ein feines Granulat werden sie sauber und sehen aus, wie von Hand poliert. Fast schon magisch.“

Sauber durch Tirol

Klima- und Umweltschutz ist das Thema der Stunde. Doch wie so oft gilt: Viele reden darüber, wenige machen es. Mit diesen simplen Tipps gelingt ein Urlaub in Tirol nachhaltiger.

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