Berge sind Brücken

PAULINE KRÄTZIG

THOMAS STRAUB

Seit mehr als 600 Jahren ziehen Menschen und Schafe zwischen den Almen von Nord-und Südtirol hin und her. 3.000-Meter- Gipfel, steile Joche und menschengemachte Grenzen sind keine Hindernisse für die Tradition der Transhumanz.

Tief, aber kräftig steht die Herbstsonne über den Südosthängen der Guslarspitzen. Noch bleibt der Schnee im Rofental nicht liegen. Noch läuten Glocken durchs Ötztaler Alpenidyll. Vor der alten Almhütte am Rofenberg brüstet sich die Tiroler Flagge an ihrem Mast. Dann zischt es mehrmals leise. Zwei Dutzend Frauen und Männer lehnen an Holzzäunen, hocken auf Bänken und genehmigen sich ein „Spezialbier für Kenner“. Feierabend. Sie tragen blaue Schürzen, die typische Arbeitskluft der Südtiroler. Nur Herbert trägt keinen Schurz – „One Size“ ist ihm zu klein. Bis zur Rente hat Herbert Treppenstufen aus Marmor und Speckstein gesägt. Seit mehr als 40 Jahren hilft er außerdem auf der Rofenbergalm, 700 Hektar Steilhänge nach kleinen weißen Punkten abzusuchen: 1.400 Schafe haben die Treiber in den letzten drei Tagen eingesammelt und eingepfercht. Ohne Fernglas könnten sie lange suchen, deshalb tragen sie alle eines bei sich, unter der Schürze, an der Brust wie ein Baby. Zuletzt kamen die Mutterschafe mit ihren stolpernden Lämmern über die Grate. Seitdem beherrscht ein andauerndes Durcheinanderblöken die Geräuschkulisse. Mäh, Möh, Määäh. Jetzt sind sie alle beieinander, die Schafe. Die Menschen lassen es im Laufe des Abends noch ordentlich zischen. Am nächsten Morgen brechen sie auf, mit oder ohne Kater, samt einer Handvoll Hunde. Sie werden die Schafe möglichst unbeschadet über den Ötztaler Alpenhauptkamm lotsen. Weil sie das jedes Jahr Mitte September tun. Was nach einer ziemlich umständlichen Angewohnheit klingt, nennt sich Transhumanz und ist seit über 600 Jahren das gute Recht der Südtiroler Schäfer. Zwei Urkunden von 1357 und 1415 belegen, dass ihr Vieh rund 2.900 Hektar Weidefläche im Rofen- und Niedertal abfressen darf.

Der Weg der Schafe führt an der Rofenache entlang, hinauf zum Hochjoch.

Und so halten es Südtiroler Agrargemeinschaften bis heute. Das Gras ist beim österreichischen Nachbarn nämlich tatsächlich grüner. Jeden Juni scharen Bauern aus dem Vinschgau und Schnalstal ihre Schafe und Ziegen in Vernagt und Kurzras um sich und ziehen von dort aus über zwei Passrouten auf die Ötztaler Almgründe. Drei Monate lang genießen die Schafe die kühlen, saftigen Wiesen im Quelltal bei Vent, während sich die kargen Weiden im trockenen Süden von ihrem Zupfeln und Zuckeln erholen. Den Sommer verbringt je ein Chefhirte allein mit den Schafen – ordnet sie mit Viehzeichenstiften und roten, violetten, grünen, blauen Punkten und Kringeln ihren Besitzern zu; streut ihnen Salz auf Steine, flickt ihre gebrochenen Beine und befreit sie von Parasiten. Im Herbst kommen die Treiber und holen das Vieh nach Hause.

Das weibliche Mutterschaf nennt man auch Göre. Läuft beim Trinken am Euter alles gut, wedelt das Lämmchen mit dem Schwänzchen.

Mit Viehzeichenstiften und roten, violetten, grünen, blauen Punkten und Kringeln werden die Schafe ihren Besitzern zugeordnet.

Die Fuhre startet im Rofental auf 2.400 Metern den Heimweg. Die Alm ist inzwischen deutlich abgegrast. Nur der Wolfswurz steht noch in voller blauer Blüte. Er ist giftig, und Schafe sind verfressen, aber nicht dumm. Finale Maßnahmen vor Aufbruch: Herbert isst eine Scheibe Mischbrot mit Erdbeermarmelade. Fatjon bröselt Instantpulver „Ice Tea Pfirsich Geschmack“ in eine Plastikflasche mit Wasser. Jonas leert seine Flasche „Eistee Pfirsich“ in einem Zug, reicht sie dem am Boden knienden Hugo, der ruckzuck ein Mutterschaf melkt und die warme Milch aus der Flasche einem neugeborenen Lamm einflößt, das vergeblich am Euter seiner Mutter zerrte. Der Milchtransfer dauert keine drei Minuten und läuft so automatisiert und anstandslos ab wie alles, was in diesen Tagen passiert. Nur dass heuer so viele Lämmer zur Herde kamen, ist ungewöhnlich. 21 insgesamt. In der Nacht kamen vier, gerade wieder zwei. Und Chefhirte Hans hat schlechte Laune deswegen. Ein Lamm kann zwar schon eine halbe Stunde nach der Geburt stehen, die steile Gratwanderung wäre trotzdem zu viel für seine klapprigen Beinchen. Hugo, der weißhaarige Henry Fonda mit dem breitkrempigen Filzhut, hat 30 Jahre lang Holzkisten für die Apfelernte geliefert und würde sicher auch 21 Lämmer über die Alpen tragen. Aber dann erzählt er, wie sich vor Kurzem ein Lämmchen das Hinterbein ausgerissen hat, und ein anderes bei den ersten Gehversuchen vom Felsen gestürzt ist. In weiser Voraussicht entscheidet Chefhirte Hans, die jüngsten Tiere, ihre Mütter und zwei Treiber später mit dem Jeep zu holen.

Löck, Löck, Löck – Hoi, Hoi, Hoi

Die Schafe fahren über die Berge, so sagt man hier, und das Verb muss ein zynischer Witz gewesen sein von einem, der bei der Transhumanz mit den sehr jungen, altersschwachen und elendskranken Schafen hinterherhinken musste. Man ist nur so schnell wie das schwächste Glied, und das trägt heute einen roten Punkt im weißen Nacken und ist nicht alt oder krank, sondern einfach nur „stinkfaul“. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Nachhut beträgt 2,1 Stundenkilometer – weniger als einen Meter pro Sekunde. Auf der ersten Teilstrecke, die von der Almhütte steil abwärts zu einer Brücke über den Hintereisbach führt, geht es noch langsamer voran. Die schmale, wackelige Hängebrücke ist den Schafen nicht geheuer. „Löck, Löck, Löck“ rufen die Treiber. „Ja, leck mich am Arsch“, sagt Hugo, wenn ein Dilettant den Lockruf falsch ausspricht oder überliefert. Mit Lecken hat das rein gar nichts zu tun. Und dann grinst Hugo und Gold blitzt in seinem Mundwinkel auf. Die Schafe lassen sich heute eh lieber bitten: „Hoi, Hoi, Hoi!“

Ein Wollknäuel aus Tiroler Bergschafen, Schnalser Schafen und schwarzbraunen
Juraschafen.

Auf den Heiligenbildchen vom guten Hirten sieht das immer so mühelos aus: Im goldenen Glorienschein trägt Jesus barfuß ein blütenweißes Lamm, umringt von seinen ergebenen Schäfchen. „Die meisten Leute denken, die Schafe machen das alles von alleine“, sagt Hugo. Sein blauer Schurz ist nach der ausgiebigen morgendlichen Geburtshilfe voll mit Blut. Wären die Schafe gläubig, dann mit Sicherheit katholisch, denn Psalm 23, „Der Herr ist mein Hirte“, bestimmt die Tagesordnung: Die Schafe haben nicht einmal Namen, aber es mangelt ihnen an nichts. Auf Südtirolerisch: „Erst kimmt’s Schof, nachad d’Frau.“

Das Schaf ist mit das älteste Haustier des Menschen, versorgt ihn seit jeher mit Fleisch, Milch und Wolle. Das Schaf, lat. pecus, war seine Währung, lat. pecunia. Der Kurs fiel zuletzt dramatisch, auch in Südtirol. Jedes Jahr ziehen weniger Schafe ins Ötztal. 1977 waren es noch 7.000. Heute halten die meisten Südtiroler ihre Schafe eher als Hobby. Die Zucht lohnt sich nicht mehr. Ein Kilo weiße Wolle bringt 39 Cent. Von Beruf sind die Treiber Lukas, Hannes und Pirmin Tischler, Mechaniker und Elektrotechniker. Doris vermietet luxuriöse Ferienwohnungen. Karl baut Äpfel und Blumenkohl an. Marian ist sechzehn und geht zur Schule. Florian wurde am Meniskus operiert. Jörg hatte einen vierfachen Bandscheibenvorfall. Trotzdem sind sie alle aus Südtirol gekommen, um die Schafe zu treiben. Warum? „Weil’s Tradition ist.“ Die Antwort klingt nicht pflichtbewusst, sondern stolz. Tradition ist keine Frage. Tradition ist ihre Tatsache. Teil ihres Lebens.

Pillen und Cremes auf Basis von Schafsplazenta sollen die Haut gestresster Städter jünger aussehen lassen. Den Hirten halten Bergluft und das Schaf an sich fit.

Schafe sind soziale und sensible Tiere. Stirbt ein Herdenmitglied, trauert der Rest. Mööööh!

Auf Jahrtausendealten Spuren

Hugo hat für die Schafe seinen Ruhestand unterbrochen. Er und seine elf Geschwister waren alle irgendwann mal Teil der Transhumanz. Der Älteste, Hans, ist Chefhirte, der Zweitälteste, Willi, war es 40 Jahre lang. Davor zog ihr Vater, der „Weger Vinz“, auf die Rofenbergalm, und vor ihm der Großvater und dessen Vater. Hugo trieb die Schafe schon mit sechs Jahren allein über den Similaun – da, wo am Tisenjoch die ledrige Leiche des „Ötzi“ auftaute. Der Mann aus dem Eis bewies 1991, dass der Alpenkamm schon seit über 5.000 Jahren von Menschen begangen wird. Drei Jahre später datierten Reste eines steinzeitlichen Lagers bei Vent das Treiben nomadischer Hirtenkulturen auf fast 10.000 Jahre zurück.

Nur das geübte Auge vermag die Pfade und Fährten der Schafe und Hirten in den Hängen zu lesen. Die Transhumanz hinterlässt kaum sichtbare Spuren, aber ein großes Erbe. Die Wanderung verbindet Nord- und Südtirol seit Jahrhunderten, über 3.000 Meter hohe, teils vergletscherte Joche und als einziger Schafübertrieb der Welt über eine Ländergrenze hinweg.

Die Treiber und Hirten sind reserviert. Sie reden nicht. Sie raunen oder rufen. Dabei sagen sie viel, wenn man gut hinhört. Neben Kraftausdrücken und Bauernweisheiten – „Wachsen gut die Achselhaar, gibt’s a gutes Erntejahr“ – gibt Jörg einen Abriss vom Tiroler Volksaufstand 1806 gegen die Bayern und Napoleon. Er erzählt von K.-u.-k.-Zeiten, als ganz Tirol eine mächtige Grafschaft war, von Kufstein bis Ala an der Etsch. Sein Handy klingelt. Es spielt „Dem Land Tirol die Treue“, die heimliche Tiroler Landeshymne. „Ein harter Kampf hat dich entzweigeschlagen, von dir gerissen wurde Südtirol“, wehklagt die zweite Strophe seit den 50er- Jahren. Nostalgische und auch junge Volksmusiker blasen den provokant-pathetischen Marsch heute noch gern. Südtirol ist heimatverbunden. Die Berge waren hier nie Barrieren, immer Brücken. Als sich 1998 die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino „für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit“ gründete, wurde die Verbundenheit zwischen Süd- und Nordtirol offiziell anerkannt; seit vergangenem Jahr steht die Transhumanz auf der UNESCO Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Auch als das Land Tirol nach dem Ersten Weltkrieg unter Italien und Österreich aufgeteilt wurde; selbst als die Faschisten Südtirol in den 30er-Jahren italienischere Manieren beibringen wollten – die Hirten ließen sich nicht entfremden. Sie haben die Joche immer überwunden, Generation für Generation, mal mit mehr, mal mit weniger Gepäck. Bis ins 16. Jahrhundert hinein brachte man die steifen Toten in den Süden nach Kastelbell, weil Vent keinen Friedhof hatte. Dafür stammen die Heiligenstatuen und der Hochaltar der kleinen Venter Barockkirche aus Schnals. Man schmuggelte Zigaretten, Butter und Sacharin vorbei an bewaffneten Carabinieri. Und auch Madln und Familiennamen nahm man mit.

Enzian, Bergarnika und Alpenrose blühen und verwelken an den Hüten der Hirten. Edelweißblüten aus Filz und immergrüne Sträucher bleiben stecken.

In der einsamen Mondlandschaft

Den Übertrieb begleitet heute Königswetter: Sonne und ein paar Wolken. Die routenkundigen, routinierten Schafe, die eine Glocke tragen, gehen der Herde als läutendes Vorbild voran. Die Strecke von gerade mal 20 Kilometern und fast 800 Höhenmetern Unterschied zieht sich ganz schön, je nach Witterung sieben bis zwölf Stunden. Die Wanderung kann auch ungemütlich werden, je nach Schnee- und Eisverhältnissen gefährlich: Unterhalb des Niederjochs erstickten 1979 siebzig Schafe bei einem Schneesturm. Manchmal hagelt es. Und vor drei Jahren machte Nebel die Routen dicht. Lange Schatten überziehen die Berghänge, entziehen ihnen alle Farbe. Zwischen den Kalkfelsen erkennt man die Schafe kaum. Hinter einem steilen Serpentinenanstieg breitet sich eine steinige Mondlandschaft aus. Bald führt kein Weg mehr zurück. Bald umgibt den Trupp nur noch endlose Einsamkeit; Schritt für Schritt ein leises Läuten und dauerndes Blöken. Kurz innehalten, ein Blick zurück, wo ist das Schaf, ach da, hinter einer Kuppe, rupft es an einer kleinen Oase. Die Männer und Frauen verlieren sich im Treiben der Schafe. Langsam taucht die Sonne den smaragdgrünen Gletschersee des Hochjochferners ins Licht, rundherum schimmern Schiefersteine wie kleine Wasserpfützen. Das Wort „Transhumanz“ kann man, wie’s allgemein getan wird, aus den lateinischen Worten trans, jenseits von, und humus, die Erde, basteln und mit „Wanderweidewirtschaft“ übersetzen. Man kann die Transhumanz aber auch wortwörtlich als überirdisch bezeichnen. Denn das ist sie.

Zwischen Hochjochferner und Grauer Wand erscheint der Gletschersee wie flüssiger Türkis.

Die Hüter tausender Schafe und einer jahrhundertealten Tradition gehen unbeirrt weiter. Sie haben kein Auge fürs Panorama. „Das Blödeste, was man machen kann, ist den Schafen im Weg stehen“, erklärt Ulrich im Vorbeigehen. Es ist nämlich so: Wenn Schafe unvermittelt anhalten, fahren alle Nachfolgenden dickköpfig ins Stauende, statt abzuwarten. Im ungünstigsten Fall fallen ein paar Schafe seitlich von der Klippe. Ein bis zwei Prozent der Tiere behält der Berg jedes Jahr. Dass es nicht mehr sind, verhindert auch Ulrichs Mischlingshündin Jessy, die um die Schafe fegt und aussieht wie ein sehr süßer, kläffender Wischmopp. Den Bilderbuchhirten gibt es nicht mehr. Die 800 Jahre alte Schäferhütte am Rofenberg wurde allmählich mit Elektrizität und fließend Wasser, ihr Wellblechdach mit Satellitenschüssel und Solaranlage aufgerüstet. Die Hirten tragen verspiegelte Sonnenbrillen, Zahnspange und Handys. Man empfängt hier oben 3G-Netz. Das verlängert die Reichweite weit über Pfiffe und Rufe hinaus. Dafür ist der Hochjochferner kleiner geworden. Da liegt einer 5.300 Jahre im Eis und innerhalb der letzten 30 Jahre schmilzt derselbe Gletscher auf ein Drittel zusammen. Längst stürzen Schafe nicht mehr in Gletscherspalten; müssen Wanderer hier keine Steigeisen mehr umschnallen.

Schwierigkeitsgrade von Berg- und Hochtouren an. Gemessen daran erreichen Schafe locker Level III von VII. Könnten sie sich mit Seilen sichern, ginge es sicher noch extremer voran.

Blasmusik aus dem Tal

Nach fünf Stunden passiert der Zug das Zollhaus am Grenzübergang. 800 Meter weiter auf 2.845 Metern liegt die Schutzhütte „Schöne Aussicht“. Alpinisten und Touristen genießen die Aussicht, in jeder Himmelsrichtung und Hinsicht, und mischen sich unter die anrückenden Schafe und Treiber. Mitten im Pulk kommt plötzlich ein Lamm zur Welt. Genauso unvermittelt zieht Weinbauer Leo ein Stamperl und einen schwarzgebrannten Marillen- Schnaps aus seiner Wollweste und gibt eine Runde aus. Trinkpause. Die Schaulustigen schießen los mit Fragen und Fotos. Sie dürfen den Zug auf dem letzten Abschnitt hinunter nach Kurzras begleiten, müssen den Schafen aber den Vortritt lassen.

Ohne Schafe im Schlepptau erreicht man die „Schöne Aussicht“ vom „Hochjoch Hospiz“, oberhalb der Rofenbergalm, in drei Stunden.

Von jetzt an geht es bergab, auch mit der Kraft. Die Hirten und Treiber verziehen ihre Mienen nur zum Grinsen. „Mit Gewalt bringt man das immer noch ins Gesicht“, sagt Jörg und tatsächlich sind in seinem Gesicht nur die Lachfalten um die Augen nicht braun gebrannt. Um Krämpfe kümmert sich Hugos jüngste Schwester Rosa, sie ist Physiotherapeutin. Fatjon bandagiert seiner Border-Collie-Hündin Hex drei Pfoten, die
über scharfe Steinkanten gestolpert sind. Es ist fast geschafft. Blasmusik kündigt das nahe Ziel an. Die Ankunft der Schafe muss gefeiert werden.

Es ist kurz vor 15 Uhr. Der Abstieg läuft in einem toten Geröllfeld aus. In wenigen Monaten wird die Schotter- eine Skipiste sein. Flankiert von Schneekanonen steuert der Tross die Sammelstelle zur „Schofschoad“ an. Dort werden die Schafe nach Farben sortiert und unter ihren Besitzern aufgeteilt.

Beim Hirtenfest gegenüber verteilt die „Bergrettung Schnals“ an die Menschen Kaisersemmeln mit Bratwurst und Estragonsenf. Zum abendlichen Absacken fließt, was auch sonst: „Spezialbier für Kenner“. Für die meisten Bauern geht es morgen noch weiter, einen halben Tagesmarsch, über das Taschljöchl zu den Höfen am Sonnenberg, hinein ins Vinschgau. Schon jetzt schwärmen sie vom Braten, der sie zuhause erwartet. Schenkel, Rücken, „Rippen für’d Soß“.

Die Schnalser Gastbetriebe servieren in den kommenden Wochen Spezialitäten vom Schaf, um es Land und Leuten wieder schmackhaft zu machen: in Form von Ragout, Buletten, Streifen, Salami und Fleischsalat. Nie ist das Fleisch der Schafe besser als nach der Sommerfrische im Ötztal. Monatelang haben sie frisches Gletscherwasser, Alpenkräuter und Wildblumen ausgekostet. Ihre Haxen sind kräftig und saftig. Die meisten Schafe aber werden nächsten Juni wieder über die Joche zur Rofenbergalm fahren. Die Tradition bleibt lebendig.

Weitere Informationen

Erst im Frühling entscheiden die Hirten, ob und wann der nächste Übertrieb im Sommer „abfahren“ wird. Falls kein allzu eisiger Winter dazwischenkommt, findet die Transhumanz wie jedes Jahr jeweils am zweiten Wochenende im Juni und September statt. Touristen sind als Zuschauer bei der Transhumanz willkommen.
Weitere Informationen:
Ötztal Tourismus
A-6450 Sölden
Telefon +43.572.00.0
www.oetztal.com

Auch wenn es so scheint, ein Ende ist noch nicht in Aussicht: Bevor es ins Bett geht, müssen die Schafe gezählt werden.

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